Eigenkapital oder Kredite?

Die ganz grosse Geldfrage

Wie früh ein Unternehmen Fremdkapital aufnimmt, wie gross diese Schulden sind – diese Fragen entscheiden oft das Schicksal einer Firma. Gibt es eine überzeugende Antwort?

Eine drastische, aber sehr anregende Einschätzung dazu stammt von Mark Cuban, einem bekannten Selfmade-Milliardär und Footballclub-Besitzer: «Wenn du ein Unternehmen mit Fremdkapital gründest, bist du ein Trottel», sagte Cuban in einem Fernsehinterview

Seine Erklärung: «Es gibt so viele Unsicherheiten, die mit einer Firmengründung verbunden sind, und in dieser Situation hast du plötzlich eine sichere Verpflichtung: Nämlich dass du deine Schulden abzahlen musst. Und der Bank – oder wer immer dir das Geld leiht – ist dein Geschäft egal. Hier gibt es einen kompletten Konflikt.»

Mit anderen Worten: Wer Eigenkapital hereinholt – also Aktionäre und Gesellschafter –, der bekommt Partner, die sich vor allem für den Erfolg und das Wachstum des Unternehmens interessieren. Wer Fremdkapital hereinholt, dessen Geldgeber interessieren sich zuerst für die Zinszahlungen und für die Tilgung des Kredits.

Bei vielen KMU wird es dünn

Doch natürlich können viele Unternehmen nur mit Krediten aufgebaut werden. Mehr noch: Hohe Fremdkapital-Anteile sind die Regel unter den Schweizer Gesellschaften. Die 450’000 registrierten Firmen im Land weisen durchschnittlich bloss 25 Prozent Eigenkapital auf. Das heisst: Auf 1000 Franken an Krediten haben sie 250 Franken an eigenen Mitteln. Bei jeder dritten Firma liegt die Quote sogar unter 20 Prozent.

Wieviel ist also richtig? Es gibt eine Faustregel, laut der Firmen 30 bis 60 Prozent Eigenkapital aufweisen sollten. Oder allgemeiner formuliert: Eigenkapital und Fremdkapital sollten möglichst – und in etwa – gleich gross sein.

Eine andere berühmte Regel achtet auf die Fristen, in der das Geld zurückbezahlt werden muss. Was langfristig angelegt ist (Anlagevermögen) soll auch mit langfristigem Kapital bezahlt sein (Eigenkapital, langfristige Kredite). Dasselbe gilt für die anderen Fristen: Mittelfristige Ausgaben brauchen entsprechend verfügbares Kapital, und das kurzfristig greifbare Mittel auch nur kurzfristig angelegt werden. 

Man spricht auch von der «goldenen Finanzierungsregel», und dieses Prinzip ist tatsächlich von entscheidender Bedeutung. Denn wenn ein Unternehmen hier schludert, droht ein berüchtigtes Problem – der Liquiditätsengpass.

Und dieses Problem hat bekanntlich schon viele gute Unternehmen in den Konkurs gestürzt, obwohl sie im Grunde gut waren.

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