Franken und Euro

Franken-Sprung: Was heisst das für die KMU?

Die einen reden von einer Katastrophe, die anderen wittern Chancen: Hier die wichtigsten Einschätzungen, was die Aufhebung der Euro-Untergrenze für kleinere Unternehmen bedeutet.

Es war ein Paukenschlag an diesem Donnerstag: Dass die Nationalbank die Euro-Untergrenze schlagartig aufgibt, wird viele Schweizer Unternehmen in arge Schwierigkeiten bringen – darin waren sich die Experten einig.

Aber was bedeutet dies konkret? Und insbesondere für die KMU? Die Antwort lautet wie immer: Kommt drauf an. Es gibt stark betroffene und kaum betroffene Unternehmen.

Hier ein Überblick:

Maschinen und Metalle: «Katastrophale Auswirkungen»

Swissmechanic gehörte zu den Organisationen, die nach dem SNB-Entscheid am heftigsten Entsetzen äusserten. Die KMU-Organisation der Maschinen- und Metallbranche rechnen mit grossen Schwierigkeiten, denn vier von fünf Unternehmen exportieren direkt und in grossem Ausmass in den EU-Raum.

Auf dern anderen Seite haben diese Unternehmen nur wenig Möglichkeiten, ihre Produktion auszulagern oder im Ausland wichtige Teile einzukaufen.

Das Problem: «Der Preisdruck auf den internationalen Märkten hat sich in den vergangenen Jahren stetig verschärft, die Margen sind gesunken. Teils mussten die Unternehmen bereits Reserven anzapfen.» In dieser Situation biete der Schritt der Nationalbank nun einen zusätzlichen Problem-Verschärfer.

«Kleine High-Tech-Firmen gefährdet»

Für die zürcherischen KMU beurteilten Hans Rutschmann und Nicole Barandun vom Gewerbeverband die Lage: «Sollte sich der Euro-Franken-Kurs längerfristig im Bereich der Parität einpendeln, dann dürften vor allem die kleinen Zürcher Exportfirmen stark unter Druck kommen», sagte Rutschmann gegenüber der «Aargauer Zeitung».

Barandun weist darauf hin, dass für viele Zürcher Unternehmen das benachbarte Baden-Württemberg für den Export der eigenen Produkte von zentraler Bedeutung sei. «Vor allem kleine High-Tech-Firmen sind da gefährdet.»

Detailhandel: Probleme der Touristen-Magnete

Nicole Barandun vom Zürcher Gewerbeverband erinnerte zudem an die Geschäfte, die stark vom Tourismus leben: «Der Entscheid der Nationalbank dürfte deshalb wohl auch bei einigen Läden Spuren hinterlassen».

Gegenüber der «Aargauer Zeitung» verwies Andreas Reinhardt von der Migros Zürich zudem darauf, dass die Detailhändler im Grenbereich nun noch stärker vom Einkaufstourismus betroffen sein könnten: Nach dem SNB-Entscheid, so Reinhardt, «werden wohl jetzt noch mehr Konsumenten ihre Hemmungen fallen lassen».

Hotellerie, Gastronomie, Tourismus: Im Zentrum des Sturms

Ob Hotel oder Coiffeursalon in Interlaken, ob Bergbahn oder Modeshop in Arosa: Wer vom Tourismus abhängig ist, bekommt den tieferen Euro nun sehr direkt zu spüren. Dies ein weiterer Tenor der Expertenkommentare.

«Wir werden als Land, das sowieso schon das Image einer Hochpreisinsel hat, noch weiter teurer werden für ausländische Touristen», sagte Barbara Gysi vom Schweizer Tourismus-Verband gegenüber Radio SRF. «Und das wird uns das Leben gewiss nciht einfacher machen.» Die Kurs-Untergrenze sei ein Geschenk gewesen, das die Tourismuswirtschaft gerne entgegen genommen habe. Unter dem heutigen Niveau aber werde es schwierig: Es gebe jetzt Unternehmen, die «sehr hart angefasst werden von dieser Aufhebung der Untergrenze».

Andererseits könne man es nicht klar eingrenzen, welche Branchen und welche Gebiete besonders leiden werden. Höchstens dass Destinationen und Branchen, die mehr von inländischen Touristen leben, weniger betroffen sein dürften. «Aber eigentlich muss man sagen, dass es auf der ganzen Linie Auswirkungen haben wird», so Barbara Gysi.

Die indirekte Wirkung: Jeder ist betroffen

«Auf der ganzen Linie»: Wie breit das Problem ist, zeigt auch eine Aussage von Kurt Schmid. Der Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes sagte in der Aargauer Zeitung: «Wir haben im Gewerbeverband rund 12000 Mitglieder, davon werden Tausende unter dem Entscheid der SNB leiden.»

Und zwar gelte dies auch für KMU, die selber nicht in den Euro-Raum exportieren: Viele seien Zulieferer von Exportunternehmen und damit auch betroffen. «Wenn zum Beispiel ABB und Alstom nun husten, bekommen viele kleine Firmen im Aargau eine Lungenentzündung.»

Das Positive: Als Konsument profitiert man auch

Es gibt allerdings allerlei Stimmen, die Zuversicht streuen. Im «Boten der Urschweiz» veröffentlichte der Schwyzer Volkswirtschaftsdirektor Kurt Zibung einen Kommentar zum SNB-Entscheid.

Natürlich werde es auch im Kanton Schwyz bei einigen KMU zu Problemen kommen, so Zibung. Aber positiv sei, «dass wir während drei Jahren mit dem fixen Wechselkurs gut gelebt haben und die Wirtschaft sich entsprechend umstellen konnte. Dies bestätigen mir auch verschiedene Schwyzer Unternehmungen bei Besuchen. Schwieriger wird es wohl beim Tourismus. Die Gewinner werden die Konsumenten sein. Wichtig scheint mir, dass die Binnennachfrage hoch bleibt und kein Einkaufstourismus stattfindet», so Zibung.

«Jetzt erst recht»: Ist es auch eine Chance für KMU?

Ausgerechnet von einer Spitzenvertretung der KMU kommt zudem eine Stellungnahme mit positivem Tonfall: «Aufhebung des Euro-Mindestkurses als Chance anpacken», überschreibt der Schweizerische Gewerbeverband seine Mitteilung zum Ereignis.

Wie das? Dass die Nationalbank die Untergrenze zwei Jahre lang gehalten hat, habe den Unternehmen die Zeit gegeben, sich strategisch auf einen stärkeren Franken einzustellen, so eine Überlegung. Nun müsse die Politik einfach helfen, diese Herausforderung durch teurere Exporte zu meistern, fordert der Gewerbeverband.

«Mit der konsequenten Senkung der Regulierungskosten wird es für die gesamte Schweizer Wirtschaft leichter, sich auch international zu positionieren. Davon profitieren alle Branchen und Unternehmen – und zwar davon unabhängig, in welchen Märkten sie tätig sind. Die Senkung der Regulierungskosten ist für die Schweiz als Ganzes wichtig.»

Und jetzt ein Euro-Konto?

Ein interessantes Detail behandelt die Radiosendung «Espresso» auf SRF: Soll man jetzt ein Eurokonto eröffnen? 

Natürlich ist solch ein Konto für exportabhängige KMU selbstverständlich. Doch die Frage wird nun für andere Unternehmen, für Selbstständige und Konsumenten umso aktueller.

«Espresso» bietet deshalb Antworten darauf, wie einfach die Eröffnung solch eines Kontos ist («sehr einfach»), wo Gefahren lauern (Stichwort: Gebühren), wieviele Zinsen zu holen sind ist (nicht mehr als bei einem Franken-Konto).

Ob es sinnvoll ist, ein Euro-Konto zu eröffnen, hängt also am Ende wieder von der persönlichen Lage ab. Grundsätzlich, so ein Experte, gibt es zwei Argumente dafür: Wenn man häufig Euro benötigt. Und wenn man wirklich spekulieren will.

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