Crowdlending

KMU-Kredit von der Masse

Mit Crowdlending bietet sich für KMU eine interessante neue Möglichkeit, einen Kredit aufzunehmen oder überschüssiges Geld zu investieren. Allerdings steckt der Markt noch in den Kinderschuhen. Noch.

Mit Crowdlending bietet sich für KMU ein alternatives Finanzierungsmodell. (Bild: istock.com/woolzian)

 

Für ein KMU gibt es zwei Arten von Geldproblemen: Man hat zu wenig oder man hat zu viel. Beides ist nicht wirklich gut fürs Geschäft. Die Finanzierung eines Wachstumsprojekts kann zu einem Hürdenlauf verkommen, da viele Banken an Krediten in der Höhe von 100’000 oder 200’000 Franken nicht interessiert sind. Die Summe ist zu klein, um wirklich ein Geschäft damit zu machen, der Aufwand für die Abklärungen ist aber nicht viel geringer als bei massiv grösseren Krediten. Zu viel Bares auf dem Konto ist in Zeiten der Tiefstzinsen aber ebenfalls nicht erwünscht. Händeringend suchen viele erfolgreiche KMUs nach Möglichkeiten, ihr Geld zu investieren – möglichst ohne grosses Risiko und im überschaubaren Rahmen.

 

Crowdlending – Kredite ohne Banken

In der Schweiz hat sich in den letzten Jahren ein – noch immer sehr kleiner – Markt für genau diese beiden Probleme entwickelt. Crowdlending heisst die Lösung: KMU leihen sich Geld unter Umgehung der Banken. Spezialisierte Plattformen (eine Übersicht finden Sie hier) bieten dieses Modell auch hierzulande an. Das Crowdfunding Monitoring Schweiz 2016 der Hochschule Luzern zeigt, dass der Markt wächst. Zwischen 2014 und 2015 um nicht weniger als 126 Prozent auf – allerdings noch immer sehr bescheidene – 7,6 Millionen Franken. Davon gingen nur etwa 300’000 Franken an KMU.

Das Prozedere ist relativ einfach: Ein KMU gibt bei der entsprechenden Plattform – es sind im Moment sieben Unternehmen in der Schweiz im Crowdlending tätig – sein Projekt ein. Dieses wird von Fachleuten geprüft und mit einem Rating bewertet. Jetzt wird der Kredit entweder zu einem festen Zinssatz auf der Webseite ausgeschrieben oder er wird versteigert. Das heisst, die Kreditgeber, die so genannten Backer, können auch einen tieferen Zins bieten, wenn sie mit dem Kreditnehmer ins Geschäft kommen wollen. Der Clou: Man braucht nicht den ganzen Kredit zu gewähren, sondern kann sich mit einer mehr oder weniger grossen Tranche beteiligen. Im Moment ist die Zahl der Backer aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf maximal 20 beschränkt.

Im Ausland, vor allem in den USA und Grossbritannien, ist Crowdlending bereits ein Massenmarkt. Die Zurückhaltung der Schweizer Wirtschaft erklärt Professor Andreas Dietrich, der das Crowdfunding Monitoring verantwortet, so: «Die Schweizer KMU haben traditionell eine sehr starke Bindung zu ihrer Hausbank. Das ist im angelsächsischen Raum viel weniger stark ausgeprägt. Hier sind sich auch kleinere Firmen gewohnt, ihr Geld im Kapitalmarkt aufzutreiben».

 

Interessante Ansätze für Investoren und Kreditnehmer

Doch nicht nur Crowdlending, also die Vergabe eines Kredits, ist für ein KMU interessant. Crowdfunding – die Finanzierung eines Projekts durch viele Einzelpersonen – an und für sich bietet einige interessante Vorteile:

  • Vorverkaufskanal: Viele Crowdfunding-Projekte finanzieren die Neulancierung eines Produkts. Wer einen Beitrag spricht, kriegt später für dieses Geld das fertige Produkt geliefert. So federt man mit der Finanzierung auch gleich einen Teil des Einführungsrisikos ab.
  • Direkter Dialog mit den Kunden: Die Crowd (zu Deutsch: die Menschenmenge) gibt häufig Anregungen, was am neuen Produkt gefällt und was nicht. Diese direkte Kommunikation kann für Produktverbesserungen genutzt werden. Die Kunden fühlen sich ernst genommen und werden durch das so geschaffene Wir-Gefühl vielleicht sogar zu Fans des Produkts.
  • Marketing und Kundenbindung: Viele Crowdfunding-Kampagnen setzen auf Social-Media-Kanäle, um Werbung zu machen. Das ist Marketing für das neue Produkt und Imageförderung für die Firma.

Für die so genannten «Backers», also die Geldgeber, bieten sich ebenfalls einige interessante Vorteile:

  • Zinsen: Je nach Risiko, das man eingehen möchte, werden Zinsen zwischen 2 und 8 Prozent gezahlt. Wer sein Geld in Crowdfunding- respektive Crowdlending-Projekte stecken möchte, muss aber fix sein. Im Moment ist die Konkurrenz unter den Kreditgebern gross. Nicht jeder, der Geld geben möchte, kommt auch zum Zug.
  • Kontrolle: Man entscheidet selbst, wem man wie viel Geld gibt. Einige Plattformen bieten verschiedene Rückzahlungssysteme an.
  • Sicherheit: Das Ausfallrisiko beim Crowdlending ist mit weniger als einem Prozent sehr klein. Das zeigt, dass die Crowdlending-Plattformen die Projekte sehr seriös abklären. Ein starkes Wachstumsfeld sind durch Crowdlending finanzierte Immobilien, welche die Kredite entsprechend absichern.

 

Erfahrungen nutzen

Ob eine Kampagne erfolgreich ist, also genügend Geld beschaffen kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Klassisch ist die Form des Crowdsupporting, eine Variante des Crowdfundings, bei der die Investoren für ihren Einsatz mit Produkten oder Dienstleistungen entschädigt werden. Wer diesen Schritt wagen möchte, sollte sich die Erkenntnisse des Crowdfunding-Monitorings zu Herzen nehmen:

  • Launch hard or go home: Der Erfolg einer Kampagne zeigt sich schon in den ersten 24 Stunden: Wer dann nicht reüssiert, hat praktisch keine Chance mehr, das noch aufzuholen. Man sollte gerade im Anfangsstadium also auf allen Kanälen höchste Präsenz zeigen. Wer nach einem Drittel der Zeit 40 Prozent der Zielsumme beisammen hat, wird das Projekt mit grösster Wahrscheinlichkeit in trockene Tücher bringen.
  • Das Internet ist lokal: Die Entfernung vom Geldgeber zum Geldnehmer beträgt median 12 Kilometer. Wer lokal gut verankert ist, hat grössere Chancen auf einen Erfolg.
  • Projektbeschrieb schlägt Video: Geldgeber wollen einen verständlichen Projektbeschrieb lesen. Das ist ihnen wichtiger als ein hippes Video. Ebenfalls weit oben in der Wunschliste ist ein Beschrieb des Geldnehmers. Man will wissen, wem man sein Geld gibt.
  • Mehrsprachigkeit: Leichte Vorteile hatten Projekte, die dreisprachig präsentiert wurden.
  • Meide das Sommerloch: Juli und August sollte man als Geldnehmer besser meiden. In diesen beiden Monaten scheitern überdurchschnittlich viele Projekte. Die besten Monate sind Januar bis April und der Juni.

Crowdfunding Monitoring Schweiz 2016

Das jährliche Monitoring der Crowdfunding-Aktivitäten in der Schweiz, herausgegeben von der Hochschule Luzern Wirtschaft, verantwortet von Professor Dr. Andreas Dietrich.

 

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