Finanzierungsmodelle

Lohnende Alternativen zum Bankkredit

Wenn KMU zusätzliche finanzielle Mittel benötigen, ist ein Bankkredit nicht unbedingt die beste Wahl. Alternative Finanzierungsformen können schneller und unkomplizierter zum Ziel führen.

Im Jahr 2013 führte das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bei KMU in der Schweiz eine Umfrage durch, um Schwierigkeiten beim Zugang zu Bankkrediten erkennen zu können. Damals gaben die Unternehmen an, dass sie grundsätzlich Zugang zu Bankkrediten erhielten. Die Bedingungen dafür hätten sich jedoch erschwert.

Bei KMU zeigt sich dies vor allem, wenn sie weiteres Wachstumspotenzial wahrnehmen und deshalb in neue Produkte investieren möchten. Je nach Stand im Unternehmenszyklus sind gerade diese Unternehmen für Banken wenig attraktiv oder die angebotenen Konditionen für die Firmen kaum tragbar. Dies führt zwangsläufig dazu, dass sich KMU vermehrt nach alternativen Finanzierungsquellen umschauen.

Dieser Trend führte in den letzten Jahren zur Entwicklung einiger innovativer Geschäftsideen, um der steigenden Nachfrage nach alternativen Finanzierungsarten entgegen zu treten. Die Vorreiterrollen nehmen hier, wie so oft, die USA und Grossbritannien ein. Dabei reicht das Angebot von Peer-to-Peer Lending bis hin zu Invoice Financing. Neben diesen gibt es natürlich noch die etwas klassischere Form der Mezzanine-Finanzierung.

 

Peer-to-Peer Lending

Bei den «Krediten von Person zu Person», so die Übersetzung, tritt ein privater Investor als Kreditgeber auf und nicht eine Bank. Die wohl bekannteste und grösste Peer-to-Peer Plattform bietet LendingClub. Das Unternehmen fokussiert sich nicht direkt auf kleine und mittelgrosse Unternehmen, sondern steht grundsätzlich Privat- und Geschäftskunden zur Verfügung.

Hauptziel von LendingClub ist es, die Kreditvergabe nicht nur effizienter zu gestalten, sondern auch günstiger als Banken. Der Börsengang des Unternehmens Ende 2014 ist ein Indikator, der das rasante Wachstum der Firma wiederspiegelt.

Weitere Firmen, die ähnliche Dienstleistungen anbieten sind die US-amerikanische Kabbage oder die in England, Deutschland, Spanien und Polen tätige Iwoca. Dabei unterscheiden sich die Anbieter vor allem hinsichtlich ihrer Zielgruppe und der damit verbundenen Höhe der angebotenen Finanzierungsmittel.

 

Invoice Financing

Die Idee hinter Invoice Financing ist einfach: KMU können ihre offenen Debitorenrechnungen auf eine Plattform laden und direkt von Investoren vorfinanzieren lassen; also eine moderne Form des klassischen Factoring, das von Banken angeboten wird, nur zu günstigeren Konditionen.

Der derzeit grösste und bekannteste Anbieter dürfte das 2011 gegründete und in London ansässige Start-Up Marketinvoice sein. Seit der Gründung wurden bereits über 490 Millionen Pfund (rund 740 Millionen Franken) über die Plattform finanziert.

In der Schweiz steht KMU seit Ende 2014 die Plattform des jungen Zürcher Start-Ups Advanon zur Verfügung, das einen ähnlichen Service anbietet. Ziel ist es, KMU innerhalb von 24 Stunden Zugang zu liquiden Mitteln durch die Vorfinanzierungen offener Rechnungen zu ermöglichen.

 

Mezzanine-Finanzierung

Neben diesen neuartigen Möglichkeiten stehen KMU in der Schweiz auch klassischere alternative Finanzierungsmittel zur Verfügung, wie die Verwendung von mezzaninen Finanzmitteln. Diese Mischung aus Fremd- und Eigenkapital bietet sich häufig bei grösseren Summe von mehr als zwei Millionen Franken an, die für Restrukturierungen, Expansionen oder ein Management Buy-Out benötigt werden. Klassische Anbieter dieser Finanzierungsart in der Schweiz sind Banken und Beteiligungsgesellschaften. Die hybride Struktur der Mezzaninen ermöglicht es, dass die Zinsen steuerlich in Abzug gebracht werden können aufgrund der rechtlichen Betrachtungsweise als Fremdkapital. Jedoch ist zu beachten, dass mezzanines Kapital gegenüber klassischem Fremdkapital als nachrangig angesehen wird.

 

Auswahl in der Schweiz geringer

Abschliessend bleibt festzuhalten, dass KMU in der Schweiz bei der Suche nach alternativen Finanzierungsformen nicht so viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen wie ihren Kollegen in den USA oder in England. Jedoch zeigt die stark steigende Zahl an Fintech-Start-Ups, dass die Angebotspalette derzeit stetig erweitert wird und in Zukunft sicherlich weitere innovative Jungunternehmen auf dem Schweizer Markt begrüsst werden können.

 

Für interessierte KMU lohnt sich die Registrierung bei Advanon momentan besonders, da der Service bis Ende Jahr vergünstigt angeboten wird. Zudem ist dies eine gute Gelegenheit, gratis zu einem fundierten Rating der Firma zu kommen.

 


Autor:

Phil Lojacono ist Mitgründer des Start-Ups Advanon in Zürich. Er hat das Start-Up zusammen mit zwei Mitgründern aus Schweden und Holland nach dem gemeinsamen Praktikum bei Google in Dublin gegründet. Phil Lojacono hat ein Master Studium in Finance abgeschlossen und konzentriert sich nun komplett auf den Ausbau des jungen Unternehmens.

 

 

 


 

 

 

 

 

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