Mobile Payment

Wenn das Smartphone zum Portemonnaie wird

Mobile Payment, das Bezahlen mit dem Smartphone, wird längerfristig die klassische Kreditkarte und teilweise auch Bargeld ersetzen. In diesen Milliardenmarkt drängen grosse Anbieter wie Apple, Google und Samsung, aber auch Schweizer Anbieter. Eine Übersicht.

Mit dem Smartphone bezahlen ist auch in der Schweiz möglich.

 

Plastik ist out, zumindest in Form von Kreditkarten. Das Smartphone hat nicht nur unsere Einkaufsgewohnheiten verändert, sondern auch das Bezahlverhalten. Wenn wir schon das Smartphone und damit eine digitale Identität mit uns tragen, weshalb sollten wir damit nicht auch gleich bezahlen?

Diesen Trends entsprechend kamen und kommen derzeit viele Lösungen auf den Markt, die sich ums Mobile Payment kümmern, also das Bezahlen mit dem Smartphone. Die Ansätze sind unterschiedlich. Mal muss zur Bezahlung ein QR-Code gescannt werden, mal verbindet sich das Smartphone über eine Funkverbindung mit dem Bezahlterminal. Entsprechend sind die Lösungen untereinander inkompatibel. Das heisst, dass Kunde und Online-Shop oder stationäres Geschäft über die Lösung des jeweils gleichen Payment-Anbieters setzen müssen.

 

Bessere Kundenbindung dank Mobile Payment

Die Mobile-Payment-Lösungen vereinfachen aber nicht nur die Zahlungsabwicklung für den Käufer. Auch die Anbieter respektive Händler profitieren von der digitalen Abwicklung. Denn im Hintergrund bieten die Zahlungssysteme ein passendes Händermodul. Über diese POS-Lösung (Point of Sales) wird der Anbieter nicht nur tagesaktuell über die erzielten Umsätze informiert. Er kann die Informationen auch nutzen, um die Kundenbindung zu stärken. Ein Ansatz besteht darin, die Mobile-Payment-Lösung an ein Mehrwertprogramm zu binden, also mit Kundenkarten, Treuepunkten und dergleichen zusätzliche Kaufanreize zu bieten.

 

Paymit für den Handel

Paymit BusinessDer ideale Einstieg für Händler ins Mobile Payment: Paymit Business ist rasch eingerichtet, sofort einsatzbereit und braucht kein Kartenterminal.

 

Auf der anderen Seite liefern die Systeme detaillierte Informationen, wer wann wie viel einkauft. Die wertvollsten Kunden sind so auf einen Blick ersichtlich, ebenso die Kaufgewohnheiten. So lassen sich etwa Sonderaktionen für umsatzschwächere Tage planen oder das Mittagsmenü auf die Kundenbedürfnisse anpassen.

 

Wettlauf um die Kunden

Aus der aktuellen Ausgangslage heraus ist absehbar, dass sich nicht alle Lösungen, die derzeit angeboten werden, am Markt bestehen. Umso mehr, als die verschiedenen Anbieter aus grundverschiedenen Ausgangslagen starten. Da sind zum einen heimische Anbieter, die vom Lokalbonus und dem bestehenden Vertrauen profitieren können. Zum anderen engagieren sich mit Google, Apple und Samsung drei globale Schwergewichte mit ebenso globalen Ambitionen. Sie setzen auf ihre Grösse und die Kombination von Hardware-, Software- und Payment-Anbieter. So besitzt alleine Apple mit den iTunes- und App Stores rund 500 Millionen Kundendaten inklusive Kreditkarteninformationen. 

Es ist anzunehmen, dass sich Apple Pay und Googles Android Pay aufgrund der Marktmacht etablieren werden. Laut Simon Zwahlen, Leiter Paymit-Initiativen bei Swisscom, bleibt aber Raum für lokale Anbieter: «Es stimmt, dass der Druck auf Twint zunehmen wird. Auf dem Schweizer Markt hat es aber sicher Platz für zwei Lösungen. Der zusätzliche Wettbewerb wird mobile Bezahldienste insgesamt noch attraktiver machen.»

Um neben den grossen Anbietern bestehen zu können, müsse sich eine Schweizer Mobile-Payment-Lösung aber von der Konkurrenz abheben, was heute der Fall sei, so Zwahlen: «Mit der Schweizer Lösung Twint bleiben die Daten in der Schweiz. Zudem ist die Plattform offen und herstellerunabhängig. Für Endkunden bieten wir im Gegensatz zu ausländischen Anbietern neben der Schnittstelle zu den Banken in Zukunft auch die direkte Belastung und Gutschrift des Bankkontos.»

 

Die folgende Liste liefert einen Überblick über die aktuellen und geplanten Mobile-Payment-Angebote in der Schweiz.

 

Android Pay

Anbieter: Google

Funktionsweise: Mittels Kreditkarte, die in der Wallet App gespeichert wird, können Einkäufe bezahlt werden.

Einsatzgebiet: Online-Shops, Shopping-Apps, stationärer Handel mit speziellen Bezahl-Terminals. Mit Google Wallet existiert zudem eine App, mit der Benutzer direkt untereinander Geld überweisen können.

Voraussetzungen: Neueres Android-Smartphone

Verfügbarkeit: USA

Situation in der Schweiz: Nicht bekannt, mit Markteintritt ist aber zu rechnen

 

Apple Pay

Anbieter: Apple

Funktionsweise: Mittels Kreditkarte, die in der Wallet App gespeichert wird, können Einkäufe bezahlt werden.

Einsatzgebiet: Online-Shops, Shopping-Apps, stationärer Handel mit NFC Bezahl-Terminals (Near Field Communication).

Voraussetzungen: iPhone, iPad oder Apple Watch

Verfügbarkeit: USA, Kanada, Australien, China, Singapur, England; Frankreich und Spanien für 2016 geplant

Situation in der Schweiz: Seit Anfang Juli verfügbar

 

Paymit

Anbieter: Die Schweizer Lösung ist ein Gemeinschaftsprojekt von Six, Swisscom und UBS und wird unter anderem von der Waadtländer Kantonalbank, der Zürcher Kantonalbank und den Raiffeisen-Banken unterstützt. Paymit ist im Mai 2015 gestartet.

Funktionsweise: Vor Ort wird der QR-Code des Händlers gescannt, anschliessend der zu bezahlende Betrag auf dem Smartphone erfasst, an den Verkäufer übermittelt und bestätigt. Spezielle Bezahl-Terminals sind nicht nötig. Die Abrechnung erfolgt über die Kreditkarte oder direkt über ein Bankkonto.

Einsatzgebiet: stationärer Handel, Überweisungen zwischen Nutzern; eine Lösung für Online-Shops ist in diesem Quartal geplant.

Voraussetzungen: Android-Smartphone oder iPhone sowie Konto respektive Kreditkarte bei einem der Anbieter.

Verfügbarkeit: Schweiz

Situation in der Schweiz: Verfügbar und weiterer Ausbau geplant. Im Laufe des Herbst 2016 werden Paymit und Twint unter dem Namen Twint fusionieren. Nutzer und Händler können beide Lösungen bis dann wie gewohnt weiter nutzen, eine Lösung für eine allfällige Migration ist geplant.

 

Samsung Pay

Anbieter: Samsung hat seine Mobile-Payment-Lösung letzten Herbst in den USA lanciert.

Funktionsweise: Mittels Kreditkarte, die in der App gespeichert wird, können Einkäufe bezahlt werden. Auf geeigneten Smartphones simuliert Samsung Pay das Magnetsignal einer Kreditkarte, womit die Bezahlung an normalen Kreditkarten-Terminals möglich ist. Dazu unterstützt Samsung Pay auch Transaktionen über Funk via NFC.

Einsatzgebiet: Stationärer Handel

Voraussetzungen: Samsung-Smartphone ab Galaxy S6

Verfügbarkeit: USA

Situation in der Schweiz: Gemäss Recherchen der «Schweiz am Sonntag» ist ein Markteintritt geplant.

 

SwissWallet

Anbieter: Das Joint Venture Swiss One Wallet von Aduno, Netcetera und Swisscard ist als jüngster Vertreter im November 2015 gestartet.

Funktionsweise: SwissWallet bindet MasterPass ein, die digitale Bezahllösung von Mastercard. Dort sind die Kreditkarteninformationen hinterlegt.

Einsatzgebiet: Online-Shops, die MasterPass unterstützen; eine Lösung für den stationären Handel und die direkte Überweisung zwischen Nutzern sind für die zweite Jahreshälfte geplant.

Voraussetzungen: Smartphone oder Tablet, unterstützte Kreditkarte

Verfügbarkeit: Global via MasterPass

Situation in der Schweiz: Verfügbar in Online-Shops, die MasterPass integriert haben.

 

Twint

Anbieter: Die Mobile-Payment-Lösung wurde im Sommer 2015 von Postfinance lanciert und wird massgeblich von Post, Migros und Coop mitgetragen. Rund 15 Banken unterstützen Twint, darunter die Migros Bank, die Bank Coop, die Basler Kantonalbank und die St. Galler Kantonalbank.

Funktionsweise: Twint ist derzeit eine Prepaid-Lösung. Guthaben wird auf die App geladen und bei der Bezahlung abgebucht. Im stationären Handel erfolgt dieser Vorgang über spezielle Bezahl-Terminals, im Online-Shop über einen QR-Code. Für Sommer 2016 ist eine direkte Anbindung an ein Konto geplant.

Einsatzgebiet: Rund 100 Online-Shops, darunter brack.ch und starticket.ch sowie stationärer Handel wie Post- und Coop-Filialen. Ab 2017 sollen Kunden auch in Migros-Super- und Fachmärkten bezahlen können. Benutzer können einander auch direkt Geld überweisen.

Voraussetzungen: Android-Smartphone oder iPhone

Verfügbarkeit: Schweiz

Situation in der Schweiz: Verfügbar und weiterer Ausbau geplant; Im Laufe des Herbst 2016 werden Paymit und Twint unter dem Namen Twint fusionieren. Nutzer und Händler können beide Lösungen bis dann wie gewohnt weiter nutzen, eine Lösung für eine allfällige Migration ist geplant.

 

Weitere Anbieter

Daneben hegen weitere globale Anbieter Pläne für einen Einstieg ins Mobile Payment. Amazon bietet mit «Login and Pay» bereits ein webbasiertes Zahlungssystem für Online-Händler an, das für die Abrechnung auf die bei Amazon hinterlegten Kundendaten zurückgreift. PayPal bietet über die Smartphone-App die Möglichkeit, anderen Nutzern Geld zu überweisen oder in Online-Shops zu bezahlen. Hierzu kann nicht nur das Zahlungssystem von PayPal eingebunden werden, sondern auch eine technisch einfachere Lösung mittels QR-Code gewählt werden.

Gerüchte über einen Einstieg ins Mobile Payment ranken sich auch um Facebook. Das soziale Netzwerk hat letzten März in der USA über die Messenger-App Peer-to-Peer-Payment eingeführt, also den direkten Geldtransfer zwischen Benutzern. Über weitere Pläne ist nichts Konkretes bekannt.

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