Gastro-Start-up

«Wir möchten mittels Crowdfunding eine Verkaufslokalität eröffnen»

Das Start-up «Zum guten Heinrich» kocht aus krummem Gemüse gradlinigen Street Food und will mittels Crowdfunding einen Verkaufsstand finanzieren. Wie es um den Einsatz digitaler Hilfsmittel steht, erklärt Mitbegründer Lukas Bühler im Interview.

Das Team des «guten Heinrichs» (von links): Lukas Bühler, Thomas Lehmann, Remo Bebié und Fabian Langensteiner.

 

Welche Idee steckt hinter «Zum guten Heinrich»?

Lukas Bühler: Wir nehmen krummes Gemüse, also Gemüse, das aufgrund seiner Form und Grösse im Detailhandel nicht verkauft werden kann, und machen daraus feine Mittagsmenüs.

 

Seid ihr also eine Wohltätigkeitsorganisation?

Die Mission von «Zum guten Heinrich» ist, Food Waste zu reduzieren. Schliesslich werden in der Schweiz jährlich fast 300’000 Tonnen an landwirtschaftlichen Produkten beispielsweise alleine aufgrund ihres Aussehens entsorgt. Hinter unserer Mission steht aber klar ein Geschäftsmodell. Wir sind also keine Non-Profit-Organisation, sondern ein ambitioniertes Jungunternehmen in der Gastronomiebranche.

 

Wer ist eure Zielgruppe?

Zum guten Heinrich ist für jedermann, der gutes, gesundes Essen in der Mittagspause möchte. Um das ganze hip und urban zu machen, sind wir auf den Street-Food-Trend aufgesprungen und haben auf das Velo gesetzt.

 

 

Was ist eure grösste Herausforderung als Start-up in der Gastronomiebranche?

Was uns am lange beschäftigt hat, war die Stammplatzsuche. Die gestaltete sich in Zürich relativ schwierig, weil man nur als Eis- oder Maronniverkäufer einen Platz kriegt. Jetzt haben wir es so gelöst, dass wir eine Boulevardbewilligung vor einem Laden erhalten haben.

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Heutzutage fahren wir mit optimierten Autos und haben gut isolierte Fenster im Haus, beim Essen aber tun wir eigentlich nichts für den Klimaschutz. Das gab uns – zwei Klimawissenschaftlern (mir und Remo Bebié), einem Psychologen (Fabian Langensteiner)  und einem Ökonomen (Thomas Lehmann) – mächtig zu denken, besonders als wir bei uns in der WG feststellten, dass wir immer wieder Essen wegwerfen. Wenig später lernten wir einen Koch kennen, der bereits mit krummem Gemüse Menüs zubereitete. Wir schlossen uns zusammen und bewarben uns für den Social Impact Award 2014, der jährlich vom Impact Hub Zürich vergeben wird. Falls wir gewinnen würden, vereinbarten wir untereinander, dass wir uns ein Velo kaufen würden. Wir erhielten den Award, und sechs Monate später erwarben wir unser erstes (und bis jetzt einziges) «Zum guten Heinrich»-Velo. Mittlerweile ist dieses Velo – eine Massanfertigung – unser Markenzeichen geworden und der Auslöser für unsere Crowdfunding-Kampagne, die noch bis zum 19. Juni 2015 läuft.

 

Für eure Crowdfunding–Kampagne habt ihr auf digitale Kommunikationskanäle gesetzt. Worum geht’s und was sind die wichtigsten Kanäle für euch?

Wir möchten mittels Crowdfunding die erste festplatzierte Verkaufslokalität mit einem neuen Food-Bike an der Kalkbreite eröffnen. Wir erhoffen uns durch den Auftritt auf der Crowdfunding-Plattform wemakeit.ch das notwendige Kapital für das neue Food-Bike zusammen zu bringen. Wird das Finanzierungsziel erreicht, werden an einem Sommertag leckere Menüs per Food-Pedalo kostenlos an der Zürcher Seepromenade verteilen.

Die wichtigsten digitalen Kanäle für unsere Kampagne sind Facebook und Twitter, wo wir zurzeit täglich neue Inhalte bringen. Ebenfalls haben wir bemerkt, dass Newsletter sehr effektiv sind. Einerseits wenn wir einen selbst versenden, aber auch, wenn ein bestehender Newsletter über uns berichtet. Wir freuen uns über jede Unterstützung!

 

Wie sieht es mit der Digitalisierung aus? Welche digitalen Herausforderungen würdet ihr gerne lösen?

Für die Stundenabrechnung verwenden wir eine Excel-Tabelle. Auch unsere Kommunikation mit dem Koch läuft nach wie vor über Excel- und Word-Dokumente. Sprich, wenn wir eine Kundenbestellung erhalten, machen wir mittels eines Word-Dokuments eine Vorbestellung beim Koch. Dieses Dokument legen wir in einem Dropbox-Ordner ab, wo wir den Status im Dokumentnamen markieren («N» für neu, «Go» für bestätigt). Weil es aber dann doch oft hakt, telefoniere ich fast jeder Bestellung zur Sicherheit hinterher. Wenn es hier ein gutes Tool gäbe, würden wir das sicherlich nützen. 

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