Regeln fuer Fernsehen waehrend der Arbeit

Fernsehen während der Arbeit

Wenn Mitarbeiter in die Röhre gucken

Grosse Sportanlässe wie die Ski-WM verleiten das Personal dazu, während der Arbeit TV zu schauen. Was tun? Zurückpfeifen, Kulanz walten lassen oder die goldene Mitte?

Mitten am Nachmittag: Ski-Star Lara Gut steht im Riesenslalom an der Ski-WM in St. Moritz oben am Start für den zweiten Lauf. Und hoffentlich bald auf dem Podest. Nicht nur Ski-Begeisterte wollen jetzt mitfiebern – trotz Arbeit. Schnell kommt die Frage vor dem Kaffeeautomat, was rechtlich erlaubt ist? «Das Arbeitsrecht kennt diesbezüglich keine Regeln», erklärt Arbeitsrechts-Experte Thomas Geiser von der Uni St. Gallen (HSG). Entsprechend haben Arbeitnehmer laut Geiser keinen Anspruch, während der Arbeitszeit solche Ereignisse mitzuverfolgen, wenn dadurch die Arbeit gestört wird.

Regeln für Fernsehen bei der Arbeit

Sei es bei Lara Gut, dem Tennis-Ass Roger Federer oder bei der Bundesratswahl: Will ein Mitarbeiter Grossanlässe während der Arbeitszeit verfolgen, bleibt ihm nur eines: die Erlaubnis einzuholen. Doch Arbeitnehmer hielten sich tendenziell nicht an diese Vorgaben, sagt Caroline Hasler vom Verband Angestellte Schweiz. Und es sei schwierig zu kontrollieren. Die Anwältin empfiehlt, klare Regeln zu erlassen, unter welchen Bedingungen und wo es erlaubt sei. Als Beispiel nennt sie Pausen: «In dieser Zeit darf der Arbeitnehmer selbst über seine freie Zeit verfügen».

So handhaben es Rivella, Raiffeisen und Emmi

Wie gehen Unternehmen damit um? Pragmatisch! Die Raiffeisen-Banken vertrauen generell auf die Eigenverantwortung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. «Raiffeisen Schweiz hat diesbezüglich keine Regelungen», teilt die Bank aus St. Gallen mit. Der Sport-Sponsor habe damit bis anhin gute Erfahrungen gemacht.

Auch der Getränkehersteller Rivella setzt auf Eigenverantwortung – und auf Vertrauen. Als Sponsor von Swiss-Ski oder Swiss-Olympic interessiere es die Mitarbeiter, wie die Athleten an Wettkämpfen abschneiden, erklärt Kommunikationsleiterin Monika Christener. «Sportliche Grossanlässe wie die Ski-WM oder Olympische Spiele werden deshalb live übertragen auf einem Grossbildschirm im Personalrestaurant oder auf einer Grossleinwand im Eingangsbereich». Und die private Nutzung von PC oder Internet zum Fernsehen sei «verantwortungsbewusst» erlaubt. Sie dürfe aber weder die Arbeitsleistung noch die Sicherheit beeinträchtigen. «Sollte dies dennoch geschehen, so liege es in der Verantwortung des Vorgesetzten, zu intervenieren», fügt Christener hinzu.

IT-Infrastruktur: Bange vor Netzzusammenbruch?

Ob es bei Grossereignissen wegen mehr Klicks zu einer zusätzlichen Netzwerklast kommt, darüber besitzen die Firmen in der Regel keine Daten. Vereinzelt beobachten IT-Fachleute in der Praxis, dass bei Grossanlässen die beanspruchte Bandbreite und damit die Auslastung des Netzwerkes viel höher liegt, wie eine kurze Umfrage ergab. Das sei aber kein Problem. Bei Rivella kommt es praktisch zu keinen Netzwerkengpässen. Der Getränkehersteller kann die Leistung der Leitung überwachen und nötigenfalls einschränken. Und bei Emmi nimmt der Medienkonsum während Sport-Grossveranstaltungen keine solchen Dimensionen an, dass die Netzwerklast massiv zunimmt.

Ähnlich sieht es bei der Firma Emmi aus, die ebenso als Sponsor bei grossen Events auftritt. Dort ist ein zurückhaltender privater Gebrauch von PC und Internet in vernünftigem Mass erlaubt – nach Absprache mit dem Vorgesetzten. «Es geht darum, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen», sagt Esther Gerster. Nachmittagsspiel der Fussball-Nati oder der Spielstand bei einem Federer-Match? Bei Emmi drücke man hier sicher ein Auge zu, ergänzt die Leiterin Kommunikation beim Milchverarbeiter. Und auch hier laufen in den Personalrestaurants Live-Übertragungen für die Pausen. Etwas, was ebenso Rechtsprofessor Thomas Geiser von der Uni St. Gallen den Unternehmen empfiehlt.

Büro ist nicht gleich Baustelle

Eine Rolle spielt, dass bei Emmi nur etwa ein Viertel des Personals einen Büro- oder PC-Arbeitsplatz hat. Ausserdem ist der Gebrauch von privaten Smartphones in der Produktion aus hygienischen Gründen nicht erlaubt. Damit ist ein wichtiger Punkt angesprochen: Oftmals hängt das Vorgehen nicht nur von den Bräuchen und Sitten der Unternehmen ab. Sondern davon, ob es sich um ein Büro oder um einen Produktionsbetrieb handelt. Handwerker begnügen sich auf der Baustelle generell mit dem Radio, wie Heinz Beer von der Holzbaufirma Beer weiss. Für den Chef von rund 60 Mitarbeitern im bernischen Ostermundigen gilt: «Wenn jemand unbedingt an einem Anlass dabei sein will, hat bei Beer Holzbau jeder sechs Wochen Ferien und meistens auch Überzeit».

So oder so. Die Sache scheint in der Praxis nicht unumstritten zu sein, wie die Beispiele zeigen. Sollen Unternehmen nun auf Laisser-faire setzen und sportverursachte Bummelei riskieren – oder am anderen Pol stehen und Quellen wie Internet-TV sperren? Wie überall gilt es, ein vernünftiges Mass zu finden. Es ist klar, dass ein Sport-Fan als Vorgesetzter hier von Vorteil sein kann. Und warum schliesslich nicht ein Event für die ganze Belegschaft daraus gestalten? Caroline Hasler vom Verband Angestellte Schweiz empfiehlt den Unternehmen, klare Fenster für den Sportkonsum zu definieren – am besten gemeinschaftlich. Denn das gemeinsame Schauen von sportlichen Grossereignissen könne den Team-Spirit stärken und sei günstiger als mancher Motivationstrainer, sagt die Anwältin.

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