Checkliste: In 6 Schritten zur richtigen Weiterbildung

Das richtige Angebot finden

In sechs Schritten zur passenden Weiterbildung

Wer im Job weiterkommen will, drückt häufig wieder die Schulbank. Wie aber findet man die passende Weiterbildung? Diese Checkliste hilft dabei.

Die richtige Weiterbildung zu finden ist etwa gleich anspruchsvoll wie den Traumpartner, das Traumhaus oder den perfekten Job zu bekommen. Vorwissen, Zeit, Geld, Form und Anbieter, all das muss passen. Wer sich ohne klare Ziele durch den Weiterbildungsdschungel kämpft, landet vielleicht in der Wüste. Mit dieser Checkliste können Sie systematisch vorgehen, um ein wirklich passendes Angebot zu finden.

1. Die Bestandesaufnahme

Der Weg zum geeigneten Kurs, Seminar oder Lehrgang beginnt mit einer Bestandesaufnahme: Welche Qualifikationen bringen Sie bereits mit? Was sind Ihre Stärken und Schwächen? Wo bestehen Lücken im Fachwissen?

Für die Analyse ist direktes und indirektes Feedback nützlich, das Sie im Job von Kollegen und Vorgesetzten erhalten. Auch ein Blick in Arbeitszeugnisse hilft, die eigenen Kompetenzen herauszukristallisieren. Wenn Sie den Status Quo einmal kennen, können Sie im nächsten Schritt herauszufinden, welche Kompetenzen Sie neu erwerben möchten.

2. Das Ziel definieren

Damit die Suche zum treffenden Angebot führt, müssen Sie sich ein klares Ziel setzen. Wollen Sie sich im aktuellen Job verbessern, auf der Karriereleiter eine Stufe höher klettern, oder planen Sie einen Quereinstieg? Benötigen Sie anwendungsbezogene oder branchenspezifische Skills, die Sie gleich im Unternehmen anwenden können? Oder geht es für Sie um ein vertieftes und konzeptionelles Verständnis Ihrer Fachthemen?

Die Zielsetzung bestimmt massgeblich mit, welcher Weiterbildungstyp geeignet ist. Während für Software-Kenntnisse vielleicht ein kurzer Kurs ausreicht, möchten Sie die Management-Ausbildung sicher mit einem anerkannten Diplom abschliessen.

3. Online oder offline?

Lernen am Bildschirm

Bei E-Learning handelt es sich um ein reines Online-Angebot. Die Inhalte werden per Video vermittelt, seltener auch in einem Webinar. Der Vorteil von E-Learning liegt darin, dass die Teilnehmer Kurszeit und -intensität selbst bestimmen können. Dafür verlangt diese Kursform nach einer hohen Selbstdisziplin, und der direkte Austausch mit Gleichgesinnten fehlt.

Blended Learning kombiniert dagegen Präsenzunterricht vor Ort mit Online-Lektionen und einem Informationsaustausch über eine Online-Plattform. Dieser Mix ist oftmals zielführender, weil der Austausch mit den anderen Teilnehmern und Dozenten die Motivation und den Lernerfolg steigern kann. Zudem bietet der direkte Kontakt auch mehr Raum für persönliche Fragen und Anliegen.

Nicht jedes Kursformat eignet sich für alle Menschen gleich. Einige lernen am besten im Selbststudium, andere schätzen verbindliche Strukturen. Für Erstere sind daher E-Learning- oder Blended-Learning-Angebote geeignet. Zweitere sind in klassischen Formaten mit Präsenzunterricht besser aufgehoben. Für sie ist es motivierend, mit anderen regelmässig die Kurse zu besuchen, den Austausch zu pflegen und ein Netzwerk zu Berufskollegen zu knüpfen.

4. Zeitaufwand einkalkulieren

Wie eine Studie des Bundesamts für Statistik zeigt, ist Zeitmangel der häufigste Grund, warum Schweizerinnen und Schweizer keine Weiterbildungen besuchen. Eine Fortbildung muss daher mit den bestehenden beruflichen und persönlichen Pflichten vereinbar sein. Bevor Sie sich zu einer Weiterbildung anmelden, vergewissern Sie sich, dass Sie die Zeit für die Teilnahme an der Lehrveranstaltung als auch für die nötige Vor- und Nachbereitung freihalten können.

Bei Hochschul-Lehrgängen wie den Certificate of Advanced Studies (CAS) oder Master of Advanced Studies (MAS) geben die ECTS-Punkte Aufschluss darüber, mit wieviel Aufwand Sie für das Erreichen des Abschlusses rechnen müssen. Bei Kursen oder Seminaren finden Sie diese Informationen in der Kursausschreibung. Als grobe Faustregel rechnen Sie für die Selbstlernzeit – also für die «Hausaufgaben» – gleich bis doppelt so viel Zeit ein wie für den Präsenzunterricht.

5. Die Weiterbildung finanzieren

Grösste Hürde neben der Zeit sind oftmals die Kosten einer Weiterbildung. In der Regel sind die Arbeitgeber daran interessiert, dass ihre Mitarbeiter ihre Fähigkeiten frisch halten. Darum beteiligen sich Unternehmen häufig an den Kurskosten oder stellen Arbeitszeit zur Verfügung. Suchen Sie das Gespräch mit ihrem Vorgesetzten und zeigen Sie auf, was die Vorteile für beide Seiten sind.

Falls Sie selbst in Ihre berufliche Zukunft investieren und die notwendigen Mittel nicht flüssig haben, kommen unter Umständen auch alternative Finanzierungsformen in Frage wie ein Bildungskredit oder Crowdfunding. Zu berücksichtigen sind ebenfalls mögliche Lohnausfälle, falls Sie Ihr Pensum für die Teilnahme an den Lehrveranstaltungen reduzieren.

Hier finden Sie weitere Tipps, wie Sie Ihre Weiterbildung finanzieren können.

6. Kurs, Seminar oder Lehrgang finden

Egal, ob Sie eine Berufs- oder Laufberatung oder eine Messe besuchen, ob Sie das Internet nach Weiterbildungsmöglichkeiten durchforsten: Wenn Sie Ihre Möglichkeiten und Ziele kennen, laufen Sie nicht mehr Gefahr, sich im Weiterbildungsdschungel zu verlieren. Im Folgenden stellen wir Ihnen die wichtigsten Auswahlkriterien vor, auf die Sie vor einer Buchung achten müssen:

  • Kursausschreibung: Sind alle benötigten Informationen zu den Zielen, den Inhalten und Anforderungen sowie Gebühren und Durchführungsort enthalten und aktuell?
  • Dozenten: Wer sind die Dozenten? Gerade für die berufliche Weiterbildung ist es entscheidend, dass die Dozenten ausgewiesene Erfahrung aus der Praxis mitbringen und diese auch vermitteln können.
  • Methodik: Wie wird der Lernstoff vermittelt? Die Bandbreite reicht vom klassischen Frontalunterricht im Klassenrahmen bis zum reinen E-Learning. Die Methodik muss den eigenen Lernpräferenzen entsprechen.
  • Abschluss: Steht am Ende der Fortbildung ein Abschluss, der im Arbeitsmarkt anerkannt ist? Erkundigen Sie sich in der Branche oder bei Branchenverbänden.
  • Preis: Was ist inbegriffen? Was nicht?
  • Qualität: Aufschluss über die Qualität einzelner Anbieter geben Labels. Hierzulande geläufig sind Eduqua und EFQM. Wenn Sie erfahren möchten, wie zufrieden andere Absolventen mit ihren Kursen, Seminaren oder Lehrgängen sind, finden Sie zum Beispiel bei eggheads Bewertungen von Weiterbildungen.

Lebenslanges Lernen steht in jedem Beruf an der Tagesordnung. Mit den genannten Kriterien fällt es nun leichter, relevante Weiterbildungen zu finden und diese zu beurteilen. Der Erfolg hängt letztlich aber nicht nur vom Kursangebot ab, sondern auch vom eigenen Einsatz: bringen Sie sich ein, tauschen Sie sich aus, vertiefen Sie den Lernstoff. Eine Teilnahme wird Sie fordern. Aber wie schon Benjamin Franklin sagte: Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.

 

Pascal Rosenberger, eggheadsAutor:

Pascal Rosenberger ist Mitgründer und Geschäftsführer des Start-ups eggheads, dem digitalen Marktplatz für Kurse der beruflichen Weiterbildung aus der Schweiz.

 

 

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Ein Kommentar zu “In sechs Schritten zur passenden Weiterbildung

  1. Das obige Konzept stimmt wie auch die Vorgehensweise.
    Was jedoch leider nicht übereinstimmt ist das daraus gewonnene Resultat im Vergleich mit den heute angebotenen Stellen und deren konstruierten Titeln, die eine nie gekannte Spezialisierung verlangt die für viele sehr gut klassisch ausgebildete Personen eine nicht zu nehmende Hürde darstellen. Alle diese haben keine Chance in die Evaluation oder in ein Rekrutierungsgespräch einbezogen zu werden. Die Schuld liegt an den betreffenden Firmen die glauben, mit den spezifischen Anforderungen diese umgehend auf dem Arbeitsmarkt zu finden.
    Die Nachteile: Personen mit tatsächlich spezifischem Wissen jedoch danebendürfte nichts mehr zu holen sein. Die klassische, breit gefächerte Ausbildung wird damit obsolet.
    Besser wäre: Die gut ausgebildete Person intern entsprechend zu schulen und in das spezifische Umfeld einzuführen. Dies gilt vor allem der Pharma, Biotechnologie, Health Care.