Die wichtigsten Fragen zum Krankentaggeld (KTG)

Das Wichtigste zum Krankentaggeld

KTG: Bezahlen Sie die Löhne bei Krankheit korrekt?

Das Thema Lohnfortzahlung bei Krankheit ist für ein Unternehmen eine schwierige Herausforderung. Viele Unternehmer wissen nicht genau, wie eine korrekte Lohnfortzahlung bei unverschuldeter Verhinderung am Arbeitsplatz vorzunehmen ist. Was Sie über KTG wissen müssen.

Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, den Lohn eines kranken Arbeitnehmers für eine bestimmte Zeit weiter auszuzahlen (Krankentaggeld, KTG). Die Dauer der gesetzlichen Lohnfortzahlungspflicht ist nur im ersten Dienstjahr schweizweit einheitlich geregelt und beträgt drei Wochen. Bei Arbeitnehmern, die länger im Unternehmen tätig sind oder kein Gesamt- oder Normalarbeitsvertrag die Lohnfortzahlung explizit regelt und auch kein Personalreglement, tritt die sogenannte Basler, Berner und Zürcher Skala in Kraft.

Damit wird Anspruch und Dauer auf Lohnfortzahlung gesetzlich bei Angestellten mit unbefristetem Arbeitsvertrag geregelt. Sie wird pro Dienstjahr berechnet und beginnt mit jedem Dienstjahr von Neuem. So schreibt zum Beispiel bei Krankheit im dritten Dienstjahr die Basler und Berner Skala zwei Monate, die Zürcher Skala neun Wochen Lohnfortzahlung vor.

Eine KTG-Versicherung gehört heute zum Standard

Die abgedeckten Fristen bei Krankheit sind nach den gesetzlichen Vorgaben allerdings sehr kurz. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können mit der freiwilligen Krankentaggeldversicherung viel besser geschützt werden. Sie übernimmt die anfallenden Lohnkosten, und Arbeitgeber können alle ihre Angestellten mit einer kollektiven KTG-Versicherung absichern. Dies gehört heute zum Standard und ist für Arbeitgeber auch eine Imagefrage bei der Rekrutierung, denn gute Arbeitskräfte sind nicht einfach zu finden.

Bei den meisten KTG-Versicherungsmodellen wird der Lohn im Krankheitsfall zu 80 Prozent für 720 Tage innerhalb eines Zeitraums vom 900 Tagen ausbezahlt. Mehrere Absenzen im gleichen Jahr werden dabei zusammengezählt. Es ist aber auch möglich, einen Lohn zu 100 Prozent zu versichern. Das ist aber eher die Ausnahme.

Mit einer KTG-Versicherung ist die Leistungsdauer höher als gesetzlich vorgeschrieben. Während der vereinbarten Wartefrist muss der Arbeitgeber den Lohn selbst weiter bezahlen. Das Restrisiko beeinflusst die Höhe der Prämien, die gemäss Gesetz von Arbeitgebern und Arbeitnehmern je hälftig getragen werden. Der Arbeitgeber kann freiwillig natürlich auch die ganze Prämie übernehmen.

Was, wenn Lücken entstehen?

Bei längerer Krankheit hat ein Mitarbeiter laut Gesetz höchstens für vier Monate Anspruch auf Lohnzahlung. Bis eine IV-Zahlung fällig wird, dauert es in der Regel zwei Jahre. Bei Lücken muss der Arbeitnehmer auf sein Erspartes zurückgreifen. Wenn ein solches nicht vorhanden ist, wird er oft ein Fall für die Sozialhilfe. Aber auch diese bezahlt nicht sofort. Solche Fälle müssen zuerst geklärt werden, und das kann gut und gerne mehrere Monate dauern. Der Arbeitnehmer ist dann nicht nur krank, sondern steckt auch noch in grossen finanziellen Schwierigkeiten.

Es ist wichtig, dass Unternehmer ihre Mitarbeiter über den Umfang der Versicherung informieren, damit diese die Möglichkeit haben, allfällige Versicherungslücken durch Zusatzversicherungen selber abzudecken.

Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber müssen abklären, in welchen Fällen die Versicherung nicht bezahlt. So können zum Beispiel für Krankheiten, die wiederholt auftreten, Versicherungsvorbehalte beziehungsweise Leistungsausschlüsse bestehen. Arbeitgeber sollten Ihre Angestellten auch informieren, dass sie meist auch die Möglichkeit haben, nach dem Austritt aus der Firma die bestehende Kollektivversicherung als Einzelversicherung weiterzuführen. Dabei ist meist mit höheren Prämien zu rechnen.

Wichtig ist auch das Erstellen eines Personalreglements, das unter anderem die Lohnfortzahlung und die Versicherungssituation bei Arbeitsverhinderung regelt. Weiter sollte man unbedingt Offerten von verschiedenen Versicherern einholen, um den passenden Anbieter für das Unternehmen zu finden. Es gibt Versicherer, die auf die Bedürfnisse von KMU spezialisiert sind. Das ist wichtig, denn eine KTG-Versicherung sollte auf die Ansprüche abgestimmt sein. Je nach Branche ändern sich diese, und aufgrund des vorhandenen Budgets können entsprechende Anpassungen vorgenommen werden. Zum Beispiel kann man eine längere Wartefrist vereinbaren. Ab 60 Tagen zeigt sich dies in niedrigeren Prämien.

 

Weitere Infos: FAQ zum privaten Arbeitsrecht des SECO.

 


Autorin:

Priska Schoch, GrypsPriska Schoch ist Co-CEO bei GRYPS Offertenportal AG. Der Offertenservice Gryps.ch hat sich darauf spezialisiert, KMU bei der Beschaffung von Office-Equipment und Dienstleistungen zu unterstützen. Dazu nimmt Gryps den Unternehmen die Suche nach dem passenden Anbieter ab. Statt stundenlanger Recherchen im Netz finden Kaufinteressenten innert kurzer Zeit über Gryps.ch zu drei passenden Anbietern. Die Bandbreite von möglichen Produkten und Services, die man sich via Gryps offerieren lassen kann, reicht dabei von der Software-Entwicklung über Büroinfrastruktur bis hin zum HR-Outsourcing. Für Kaufinteressenten ist die Dienstleistung kostenlos.


 

Titelbild: Keystone

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