Beate Hoyer und Andreas Reichlin

Von Kunst leben

Kunst und KMU – ein Widerspruch?

«Das ist brotlose Kunst» ist eine bekannte Redensart. Sie gilt leider für das Schaffen unzähliger Künstler, deren Begabung allein für das Bestreiten des Lebensunterhalts selten reicht. Dass mit künstlerischem Können, gepaart mit kaufmännischen Grundlagen und viel Kreativität eine florierende Firma entstehen kann, zeigt die Feuerring GmbH.

2009 gründete der Schweizer Stahlplastiker Andreas Reichlin mit seiner Partnerin Beate Hoyer die Feuerring GmbH. Heute ist das KMU mit dem patentierten Original-Feuerring, einer gestylten Feuerschale mit indirektem Grill, auf einem guten Weg auf die europäischen Märkte. Im Interview erzählen die beiden Firmeninhaber, wie sie mit Kunsthandwerk Geld verdienen und weshalb sie trotz traditionellen Techniken nicht auf digitale Hilfsmittel verzichten können.

 

Andreas Reichlin, wie schaffen es Künstler, mit ihrer Kunst den Lebensunterhalt zu bestreiten?

Wer in der Kunstwelt ernsthaft, konsequent und kompromisslos arbeitet, hat schon einmal eine gute Basis. Auch spielt die Leidenschaft eine grosse Rolle. Als Künstler muss man ein Stück weit besessen und begeistert von seinem Handwerk sein; gleichermassen von der Schönheit und Einzigartigkeit seiner Idee sowie der perfekten Umsetzung. Dazu gehören die Ehrlichkeit zu sich selbst und der Respekt vor der schon bestehenden Kunst. Das heisst, dass man eben Neues kreiert und nichts nachmacht oder abschaut.

Danach steht stets die Authentizität im Zentrum. Ein Künstler sollte sich nichts vormachen und echt sein – zu sich und vor anderen Menschen. Denn das ist in den Arbeiten spürbar und wird geschätzt. Letztendlich geht es – wie im Privaten – auch hier um das Aufbauen guter, tragfähiger und langjähriger Beziehungen. Diese führen dazu, dass jemand mit Freude ein Kunstwerk kauft.

 

Welche Parameter sind entscheidend, damit ein Künstler sogar ein KMU aufbauen kann?

Beim Feuerring war das eher durch Zufall. Zuerst gehören eine Menge Mut und natürlich meine starke Partnerin dazu. Ohne sie hätte ich nie eine Firma gegründet, und vor allem könnte ich diese Firma ohne sie nicht führen. Überzeugt hat mich letztendlich die Aussage meiner Partnerin, dass wir selber so viel Freude mit dem Feuerring haben und deshalb versuchen könnten, diese Freude anderen Menschen weiterzugeben.

Firmentechnisch ist wichtig, dass das Team zu 100 Prozent hinter der Firmenphilosophie und dem Produkt steht. Die Philosophie scheint mir persönlich zentral für den Geschäftserfolg. Beim Feuerring geht es um Authentizität, Qualität, Achtsamkeit, Nachhaltigkeit, Transparenz und vor allem um Respekt vor dem Kunden. Wir erfreuen uns an Menschen, die unsere Werte teilen und es schätzen, dass wir unserer Linie treu bleiben.

Mit einer Feuerschale im Lifestyle-Geschäft

Mit dem Feuerring grillieren und kochen

Der gelernte Holzbildhauer und Stahlplastiker Andreas Reichlin entwickelte und designte den Feuerring; ein Grillgerät aus massiven Stahlplatten, gefertigt auf hohem handwerklichen Niveau. Diese Feuerschale eignet sich für Privatpersonen ebenso wie für Gastronomie- und Hotelleriebetriebe. Seine Lebenspartnerin Beate Hoyer animierte ihn zum Aufbau eines eigenen Unternehmens. Sie hat heute zusammen mit Andreas Reichlin die Geschäftsführung der Feuerring GmbH mit sechs Mitarbeitenden in Immensee inne.

Beate Hoyer, welche weiteren Werte sind für den Erfolg einer Firma entscheidend?

Für uns sind Ehrlichkeit und Transparenz wesentlich. Dazu gehört meiner Meinung nach eine grosse Offenheit und Neugier sowie viel Kreativität. Letzteres in jedem Zusammenhang – ob bei der Gestaltung neuer Projekte, im büroalltäglichen Handeln oder beim Finden von Lösungen. Wir haben hohe Ansprüche an uns und möchten diese auch mittels Feuerring auf dem Markt etablieren. Hohe Verkaufszahlen und schnelles Geld sind nicht im Fokus. Die Qualität am Produkt und im Arbeiten soll uns nachhaltig stärken.

 

Gerade wenn man ein künstlerisches Objekt erfindet, besteht immer die Gefahr von Nachahmern. Wie geht man damit um?

Das tut natürlich zuerst immer weh. Vor allem, wenn man realisiert, dass sehr viel Energie darauf verwendet wird, das Patent zu umgehen. Trotz bestehendem Patent haben wir uns entschieden, juristische Wege nur im Notfall zu gehen. Es kostet neben dem Geld sehr viel Energie, die wir lieber anderweitig einsetzen möchten: nämlich für den Feuerring, seine Qualität und die Verbreitung unserer Philosophie.

Letztendlich ist doch auch wichtig, welche Geschichte eine Firma trägt. Davon gibt es beim Feuerring sehr viele. Ein Nachahmer wird es schwer haben, den Interessenten eine überzeugende Antwort darauf zu geben, wie er denn auf diese tolle Idee gekommen ist. Wir haben Vertrauen in die Menschen, die sich am Markt schlau machen und Vergleiche anstellen.

 

Inwiefern spielen bei einem handwerklichen KMU wie Feuerring digitale Hilfsmittel eine Rolle?

Digitale Hilfsmittel spielen eine Rolle. Weniger in der Produktion selbst, denn das Schweissen und Schleifen ist nach wie vor Handarbeit. Auch das Geniessen des Lebensgefühls rund um den Feuerring passiert auf analoge Weise. Allerdings gehen auch Handwerksbetriebe wie wir mit der Zeit: So sind wir auf den sozialen Medien präsent, um unsere bestehenden und potenziellen Kunden stets mit Neuigkeiten zu versorgen. Zudem setzen wir auf Online-PR, da wir eine crossmediale Strategie verfolgen und diverse relevante Medien im In- und Ausland abdecken.

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