Mitarbeiter? Mitunternehmer!

Mehr Innovationen dank kooperativer Führung

Was KMU von der Führungswirklichkeit in Hochschulen lernen können.

Von Janine Jäger

Dies gleich vorweg: Es ist ein Mythos, dass Hochschulen Orte sind, wo der Handlungsspielraum für die Mitarbeitenden quasi unbegrenzt ist, dass sie Stätten der uneingeschränkten Ideenverwirklichung und Persönlichkeitsentfaltung sind. Solche Ideen werden ebenso hartnäckig gehegt und gepflegt wie jener der «verwöhnten» Lehrerschaft, die 13 Wochen pro Jahr die Füsse auf den Tisch legen können.

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Hochschulen befinden sich in einer Phase des Wandels hin zu stärker unternehmerisch ausgerichteten Organisationen. Dennoch unterscheidet sich ihre Führung in einigen Punkten von derjenigen, die klassischerweise in Unternehmen etabliert ist.

In Unternehmen liegt der Fokus in der Regel darauf, mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen (einschliesslich des vorhandenen Humankapitals) den Gewinn zu maximieren. Das Ziel von Hochschulen hingegen ist es, das intellektuelle Kapital zu maximieren, um exzellente Forschung und Lehre gewährleisten zu können. Dies mit den vorhandenen Ressourcen und meist unter engen finanziellen Rahmenbedingungen.

Mitarbeiter stärker einbinden

Die Führung von Hochschulen basiert zu einem grossen Teil auf der Autonomie der Mitarbeitenden und konstruktiver Zusammenarbeit zwischen Vorgesetztem und Mitarbeitenden. Dieser sogenannte kooperative Führungsstil fördert die Leistungsbereitschaft, Selbständigkeit und intrinsische Motivation. Um Ideen und Innovationen anzustossen, ist es für das Hochschulmanagement von zentraler Bedeutung, für die Mitarbeitenden Freiräume zu schaffen. Eine streng getaktete Agenda und ein Berg mit administrativen Aufgaben verhindern Innovationen geradezu. Und ohne Innovation ist jede Forschung zum Scheitern verurteilt.

Innovationen sind auch für Unternehmen matchentscheidend. Die Konkurrenz schläft nicht und nur wer wendig ist und auf die rasanten Entwicklungen der Zeit angemessen reagieren kann, bleibt längerfristig bestehen.

Unter Berücksichtigung der Firmenziele ist es auch in Unternehmen möglich, den Mitarbeitenden gewisse Freiräume zu gewähren und sie stärker in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Eigenverantwortung, Entscheidungsfreiheit und Entwicklungsmöglichkeiten sind wichtige Faktoren, welche die Motivation steigern und die Zufriedenheit fördern. Wer die Mitarbeitenden als wichtige Kooperationspartnerinnen und -partner einbezieht und ihnen Raum für freies Denken und die Weiterentwicklung ihrer Ideen lässt, legt den Grundstein für Innovationen.

Was heisst situative Führung?

In Unternehmen könnte eine situative Führung eine Option sein: Grundsätzlich wird ein kooperativer Führungsstil angewendet und wenn nötig – etwa im Krisenfall – wird dieser zwischenzeitlich durch einen autoritären Führungsstil abgelöst.

Wer Mitarbeitende zu Mitunternehmerinnen und -unternehmer macht und ihnen Freiräume zugesteht, ihnen Verantwortung überträgt, der schöpft vorhandene Potenziale besser aus. Potenziale, die vom Alltagsgeschäft nicht selten ausgebremst werden. Gerade in KMU, in denen die Prozesse in der Regel schneller abgewickelt werden können und wo die Kommunikation direkter ist, könnte ein kooperativer Führungsstil viel zur Beweglichkeit eines Unternehmens und zu einer beschwingten Unternehmenskultur beitragen.


Janine Jäger ist Betriebsökonomin und arbeitet am Institut für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW im Kompetenzschwerpunkt News Trends & Innovations.


Bild: Maryland GovPics, Flickr

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