Junge im Arbeitsalltag

Wie die «Generation Y» tickt

18- bis 35-jährige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gelten als bequem, idealistisch und wenig karriereorientiert. Eine Studie relativiert nun diese Klischees und offenbart die grösste Angst der Schweizer «Millennials».

Von Stefan Mair, Handelszeitung

 

Viele Klischees haben sich über die jungen Arbeitnehmer festgesetzt. Beispielsweise, dass sie nur darauf achten würden, einen guten Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben zu finden, oder dass sie ihre Karriere nur auf Selbstverwirklichung ausrichten.

Eine neue Studie kommt nun jedoch zu verblüffenden Ergebnissen über die Generation Y – also jene jungen Menschen, die zwischen 1980 und 1998 geboren wurden. Aufgewachsen mit digitaler Technologie und Social Media stellen sie oft ein Rätsel für viele HR-Abteilungen dar. Das ist gefährlich: Nach Angaben der Employer Branding Firma Universum macht die Generation Y heute ein Viertel der Arbeitskräfte in Firmen aus und in zehn Jahren bereits 75 Prozent der Arbeitstätigen.

 

Millenials sind bereit zu harter Arbeit

Die oft gehörten Vorurteile über die Generation Y unterzieht eine Studie der Insead Business School, der Employer Branding-­Firma Universum und des Thinktanks The Head Foundation einer umfassenden Revision. Dabei trifft die Untersuchung auch eine regionale Unterscheidung. So werden etwa die Ergebnisse für die Schweiz mit denen in anderen Ländern verglichen. Und prompt wurden einige bekannte Annahmen widerlegt.

So etwa jene, Millennials scheuten harte Arbeit. Die Millennials würden sehr wohl Überstunden und ein hohes Mass an Stress akzeptieren, so die Studienautoren. Aber sie forderten dafür einen schnelleren Aufstieg als die Generationen vor ihnen. Ein weiteres Vorurteil über Millennials sei, dass sie in Karrierefragen stark auf die Meinung und 
den Einfluss von nahestehenden Personen wie Freunden oder der Familie ­vertrauten. Auch das sei falsch, so die Ergebnisse der Studie, bei der in 43 Ländern 16’600 junge Menschen befragt wurden.

 

«Grösste Angst ist ein Job ohne Entwicklungsmöglichkeit»

Besonders Schweizer Millennials involvieren ihre Freunde und Familie noch weniger in Karriereentscheidungen als Altersgenossen in anderen Ländern. Eine verbreitete Annahme über Millennials, nämlich dass sie persönliche Weiterentwicklung gegenüber finanziellen Anreizen vorziehen, sei hingegen korrekt. «Die grösste Angst der Millennials ist es, in einem Job ohne Entwicklungsmöglichkeiten festzustecken oder überhaupt keinen Job zu finden, der zu ihrer Persönlichkeit passt», so die Studie. 

Gerade dieser Aspekt sei typisch für die Generation, so die Studienautoren. Babyboomer und Vertreter der Generation X hatten noch keinen so starken Anspruch, ihre Persönlichkeit in ihre Arbeit einzubringen.

 

Finanzielle Anreize für Schweizer weniger relevant

Aber was unterscheidet Schweizer Millennials grundsätzlicher von jenen in anderen Ländern? «In vielen Bereichen stimmen die Schweizer Millennials mit ihren Gleichaltrigen weltweit überein», erklärt Universum-Schweiz-Chef Yves Schneuwly. «Es gibt aber auch klare Unterschiede. So sind finanzielle Anreize für die Schweizerinnen und Schweizer weniger relevant, dafür ist es ihnen besonders wichtig, dass ihre Vorgesetzten ihnen Eigenverantwortung übertragen.»

Was Work-Life-Balance angehe, hätten die Schweizer Millennials auch andere Prioritäten: Teilzeitarbeit wird viel höher gewertet als im internationalen Vergleich, ebenso ­flexible Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen sowie die Möglichkeit, Überstun­den zu kompensieren.

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