Wie KMU Prototyping nutzen können

Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen

Prototyping geht überall

Ausprobieren – Feedback einholen – weiterentwickeln und wieder Rückmeldungen einfliessen lassen. Dieser Prozess des Prototypings verhindert kostspielige Fehlentwicklungen und funktioniert auch in überraschenden Bereichen.

Bekannt ist das Verfahren aus der Produkte- und Softwareentwicklung: Zuerst wird ein Prototyp gebaut, also ein Modell des geplanten Produkts. Dieser erste Entwurf wird einer ausgewählten Zielgruppe unterbreitet und anhand deren Feedback in mehreren Zyklen immer weiter verfeinert bis zu einem marktreifen Produkt. Prototyping ist auch Bestandteil des Design-Thinking-Prozesses. Hierbei entwickeln Menschen aus verschiedenen beruflichen Richtungen gemeinsam ein neues Produkt oder Konzept. Dahinter steht die Idee, dass dadurch eine breitere und umfassende Sicht auf die Problemstellung entsteht und dadurch die Lösung besser funktioniert.

Prototyping am Menschen

Doch Prototyping funktioniert nicht nur in der Produkteentwicklung, sondern auch in Bereichen, in denen es überraschen mag. Ein Beispiel dafür ist die Physiotherapie. Wie das funktioniert, erläuterte Carmela Flury, Leiterin Physiotherapie am Luzerner Kantonsspital Wolhusen, am Swisscom Customer Experience Day vom Mai 2017.

Denn eine pyhsiotherapeutische Behandlung, beispielsweise bei Rückenschmerzen, erfolgt anhand der Prinzipien des Prototypings. Aufgrund der Diagnose empfiehlt der Therapeut eine Behandlung. Deren Wirkung wird mit dem Patienten diskutiert. Aufgrund dessen Feedback wird die Therapie allenfalls angepasst, bis sie die gewünschte Wirkung erzielt.

Was so einfach tönt, bedingt laut Carmela Flury in der Praxis einige Voraussetzungen. Das Fachwissen und die Erfahrung des Therapeuten ist gefragt, um die Bedürfnisse des Patienten zu verstehen, eine Therapieform zu entwickeln und aufgrund des Feedbacks anzupassen. Der Patient wiederum muss bereit sein, aktiv auf das Ziel der Genesung hinzuarbeiten. Wichtigstes Instrument bei diesem «Prototyping am Menschen» ist laut Flury die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient. Der gegenseitige Austausch ist zentral, um die Therapie in die richtige Richtung zu lenken.

Über viele Ecken zum Erfolg

Ob in der Physiotherapie oder in der Produkteentwicklung, der Prozess ist nicht gradlinig. Als Ausgangslage dienen das zu lösende Problem und eine erste Hypothese für einen Lösungsweg. Doch wie dieses Ziel erreicht werden kann, zeigt sich oft erst im Verlaufe des Prototypings und des Kundenfeedbacks. Das kann dazu führen, dass sich ein Produkt in eine ganz andere Richtung entwickelt als ursprünglich angenommen.

Ein grosser Vorteil des Prototyping ist aber gerade, dass mögliche Fehlüberlegungen früh erkannt und kostengünstig korrigiert werden können – «fail early, fail cheap» lautet das englische Motto dazu. Um aus dem Feedback zu lernen und Korrekturen in die richtige Richtung vornehmen zu können, müssen aber die Rahmenbedingungen klar definiert sein. Das betrifft diese Aspekte:

  • Die Zielgruppe muss eindeutig sein, beispielsweise «Eltern mit Kindern im Vorschulalter» statt nur «Eltern».
  • Das Feedback muss qualitativ messbar sein. Dazu helfen Fragen beispielsweise nach Funktionsumfang, Bedienbarkeit oder Verständlichkeit.
  • Es braucht eine «Kultur des Scheiterns», also die Bereitschaft, aufgrund des Feedbacks ein Produkt oder eine Dienstleistung in eine andere Richtung weiterzuentwickeln.

Wie können KMU Prototyping nutzen?

Die Digitalisierung verändert die Ansprüche der Kunden. Sie möchten beispielsweise Ware online bestellen oder eine Rechnung als PDF erhalten. Oder beim Streichen einer Wohnung selbst Hand anlegen, weil sie sich vorgängig im Web über Maltechniken informiert haben.

Prototyping ist ein Ansatz, um schnell die effektiven Kundenbedürfnisse zu erkennen, indem Feedback schon anhand einer «Rohversion» eingeholt wird. Ein Maler könnte etwa einen Probekurs durchführen, während ein Verkaufsgeschäft die Stammkunden nach ihren Online-Bedürfnissen befragt.

Falls das jetzt alles nicht besonders neu tönt und Ihnen bekannt vorkommt: Oftmals nutzt man Prototyping bereits intuitiv, ohne es aber so zu benennen. Manchmal könnte der Prozess aber besser strukturiert werden, um den grösstmöglichen Nutzen aus dem Kundenfeedback zu ziehen.

 

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