Positionierung im Markt

Braucht ein KMU überhaupt eine Strategie?

Um gezielt Erfolg zu suchen und zu finden, benötigen auch kleine Firmen eine Strategie. Doch viele strategische Werkzeuge richten sich an Grossunternehmen. Es stellt sich also die Frage nach dem passenden ersten Schritt.

«Wohin wollen wir mit unserem KMU, und wie wollen wir dorthin gelangen?» Eine gute Strategie – und nur mit einer solchen wollen wir uns in der Folge befassen – besteht nicht aus übermässiger Anstrengung, sondern aus einem gezielten und möglichst ressourcenschonenden Einsatz der Mittel. Wer also nach dem Motto «grosser Erfolg braucht grosse Anstrengung und übermässigen Einsatz» lebt, wird lernen, dass es auch mit weniger Aufwand funktioniert. Voraussetzung dafür ist aber eine durchdachte und unternehmensspezifische Strategie mit klarer Marktpositionierung.

 

Werkzeuge müssen passen

Das strategische Management wurde und wird in der Wissenschaft und Literatur fast ausschliesslich für grosse Unternehmen und Konzerne entwickelt und beschrieben. Das hat zur Folge, dass die üblichen Instrumente, Tools und Leitfäden an den praktischen Anforderungen von KMU vorbei zielen. Die Werkzeuge sind zu kompliziert, zu abstrakt, zu umfangreich, zu aufwändig und oftmals zu stark auf einzelne Aspekte reduziert. KMU, die sich trotzdem damit beschäftigen und darauf aufbauend versuchen, eine Strategie zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen, scheitern meistens. Gelegentlich erblickt eine neue Strategie zwar das Licht der Welt, wird dann aber infolge viel zu mächtiger Umsetzungssysteme schubladisiert. Nach anfänglicher Euphorie entsteht rasch Frust, man konzentriert sich wieder auf das Tagesgeschäft und kommt schnell zur Erkenntnis, dass Strategie nichts für KMU sein kann.

Das ist schade und falsch zugleich. Denn Erfolg braucht zweifellos Strategie. Und zwar genauso dringend in einem KMU wie in jedem anderen Unternehmen auch. Wer nicht weiss, wohin er mit seinem Unternehmen steuern will, wird sich zwangsläufig «verfahren» und weit hinter seinen und den Möglichkeiten seines Unternehmens zurück bleiben. Wenn er Pech hat, dann wird er sogar durch die sich rasch ändernden Märkte, Bedürfnisse und Problemstellungen seiner Kunden irgendwann verschwinden – sprich, sein Unternehmen geht in Konkurs oder wird geschluckt. Wenn er Glück hat, dann macht er viele Dinge «intuitiv richtig» und wird auch – mindestens kurzfristig – Erfolge verbuchen können.

Wie viel schöner wäre es aber, könnten wir den Erfolg «fest einplanen» und dauerhaft und nachhaltig sicherstellen, und müssten uns nicht auf Intuition und Zufälle verlassen. Die Frage ist also nicht, ob wir als KMU eine Strategie brauchen, sondern vielmehr, wie wir zu einer guten Strategie gelangen und wie wir sie praxis- und KMU-tauglich in die Tat umsetzen können.

 

Standortbestimmung als Anfang

Strategisches Management für KMU muss einfach, resultatbezogen, für alle nachvollziehbar, direkt praxisbezogen und ganzheitlich sein. Es darf keinen Anspruch an mathematische Genauigkeit und höchste Präzision erheben, sondern muss vielmehr das Unternehmen mit seinen Kunden und seiner Umwelt in den grossen Zusammenhang bringen und aus den Einzelteilen ein «Big Picture» formen. Dazu braucht es wenige, aber KMU-taugliche Tools und eine Vorgehensweise, die rasch und sicher die gewünschten Ergebnisse bringt.

Ausgangspunkt einer zielführenden strategischen Auseinandersetzung sollte immer eine umfassende Standortbestimmung sein, welche der Führung einem Spiegel gleich den aktuellen «Fitness-Zustand» des KMU aufzeigt.

 


Urs PrantlAutor:

Urs Prantl ist Spezialist für nachhaltige Zukunftsgestaltung und Inhaber der KMU Mentor GmbH. Seit Ende 2011 unterstützt er insbesondere IT-, Software- und Hightechfirmen und ihre Unternehmer bei ihrer strategischen Ausrichtung mit Hilfe einer Alleinstellungspositionierung. Davor arbeitete er über 20 Jahre als Softwareunternehmer im DACH-Raum.

 


 

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