Die Digitalisierung, ein anspruchsvoller Gast

Das Tagesgeschäft lässt Gastronomen wenig Zeit, um sich auch noch um Verbesserungen im Betrieb zu kümmern. Doch die Digitalisierung kommt, als anspruchsvoller «Gast» zwar, aber mit viel Potenzial.

Der Einzug der Digitalisierung in der Schweizer Gastronomie ist in verschiedenen Bereichen schon seit einigen Jahren im Gange. Jedoch stösst diese immer wieder auf Respekt, Unwissen oder gar Angst. Nicht, weil Sie wissen was Sie tun, sondern eben, weil die Geschwindigkeit, die Innovationen, die Möglichkeiten und Trends in einem schnellen Tempo auf die Gastronomie zukommt. Und dies auch in diversen Bereichen, welche die Gastronomie betreffen. Vom 3-D-Drucker in der Küche bis zum Online-Reservationssystem an vorderster Front.

 

Das Gewohnte suchen

Und dies in einem schnellen Tempo, das sich die Gastronomie nicht gewöhnt ist, respektive das nicht erste Priorität hat im operativen Alltag. Die Eröffnung eines Gastronomie-Lokals in der Schweiz – von der Firmengründung bis zur Definition der Speisekarte – kennt viele Hindernisse und Fragen, die beantworten werden müssen. Und ist das Restaurant dann mal offen, will man noch ein paar Korrekturen anbringen. Aber dann soll es so laufen wie es läuft. Nichts mehr ändern, Qualität steigern, ein wenig Routine integrieren und zuerst mal einen Income in der Kasse haben.

Das ist eigentlich genau die Einstellung, die wir als Konsumenten ja auch von unseren Gastgebern verlangen und erwarten. Denn bin ich als Gast mal in einem Lokal gewesen, habe mich wohl gefühlt, Speis und Trank waren mir genehm, und der Gastgeber hatte auch ein wenig Zeit für einen kurzen Besuch am Tisch – dann gehe ich wieder dahin und erwarte – was? Genau dasselbe wie beim letzten Mal. Womöglich sollte sich der Gastgeber noch an den von ihm empfohlenen Wein erinnern, den ich vor beinahe fünf Wochen konsumiert habe, und auch den gleichen Tisch möchte ich wiederum. Wichtig ist aber bei meinem Besuch, dass alles so ist wie immer – zum Glück ist dies so, denn vom stetigen Wechsel will ich mal pausieren und mich wohlfühlen, entspannen, geniessen und dinieren. Den Tag hinter mir lassen und all die Änderungen im System und die Wünsche vom Chef vergessen – meine Kunden ebenfalls.

 

Gäste bewirten statt Administration erledigen 

Genau so stelle ich mir die Situation in einem klassischen (Kleinst)-KMU in der Gastronomie vor. Sechs Tage geöffnet, zwei Service pro Tag, Mitarbeiter-Koordination, Menüplan anpassen, Bestellungen per Fax senden für morgen, Offerte für die Anfrage des Firmenessen schreiben, und neben den ganzen Telefonaten, der Tisch-Koordination und den «No Shows» im Betrieb auch noch den «Pass» in der Küche schmeissen.

Wenn ich als Wirt das heute im Griff habe und der Tag auch erfolgreich verläuft, werde ich alles einfach so lassen. Morgen läuft’s dann hoffentlich wieder so – ohne Probleme, zufriedene Gäste, kompetente Mitarbeiter, qualitative Produkte von meinen Lieferanten. Genauso und nichts anderes. Ich hab mein Glas Wein am Feierabend verdient und schliesse die Türe um Mitternacht hinter meinem letzten Gast – Feierabend.

Sonntag, Montag geschlossen, Dienstag und Mittwoch noch ein paar Anlauf-Schwierigkeiten und ab Donnerstag läuft der Laden. Wann dann noch im Büro die lästige Administration erledigen – nicht lästig weil unangenehm, sondern lästig weil eigentlich gar keine Zeit. Und  genau sollte die Digitalisierung in der Gastronomie ansetzen. Keine weitere Hardware und Einzellösungen anbieten, sondern die Probleme lösen und eine Dienstleistung liefern. Zeit schaffen, Übersicht und Kontrolle geben – und damit Freude in den lästigen Teil des Arbeitsbereiches bringen.

 

 

Lösungen, nicht Produkte gesucht 

Rund 25‘000 Gastronomiebetriebe, darunter viele Kleinunternehmer, warten auf Lösungen, welche Ihnen Zeit abnehmen in den verschiedensten Bereichen der Administration und der Kommunikation mit den Gästen. Genau hier liegt die Chance, die vor allem uns als Gast zugute kommt. Denn so hat der Gastgeber mehr Zeit für uns und ist damit beschäftigt, ehrliche Qualität auf den Teller und zum Gast zu bringen. Dies bringt uns als Gast, aber auch dem Gastgeber freudige Momente und Erlebnisse, die ihn zum Weitermachen motivieren und um Optimierungen zu finden – denn die Zeit beim Gast ist die wichtigste. Also muss ich meine Administration optimieren, und dies auf einem digitalen Weg. Herrlich. Es lebe die Gastronomie 2.0.

Wahrscheinlich stehen die meisten Gastronomen schon mit einem Bein in der Digitalisierung. Diese aber weiter zu fördern, zu nutzen und auszubauen ist nicht ganz einfach. Denn neben dem Aufwand an Zeit und Geld tauchen auch immer wieder Fragen auf, die nicht auf die Schnelle beantwortet werden können. Daher ist es wichtig, Ziele zu definieren und herauszufinden, wie weit man sich in die Digitale Welt stürzen will, in welchen Bereichen dies sinnvoll ist und was eher als «Spielzeug» abgetan werden kann.

Ein guter Start ist, ein Blatt Papier in die Hand zu nehmen und aufzuzeichnen, was bereits existiert, was man braucht und in welchen Bereichen Probleme und Aufwände zu beseitigen sind. Diskutieren Sie darüber auch mit Ihren Mitarbeitern, welche tagtäglich mit solchen Aufwänden konfrontiert werden und vielleicht auch Ansätze haben, um die Arbeit zu erleichtern.

 


Georg TwerenboldAutor:

Georg Twerenbold ist Gründer und Partner von Best of Swiss Gastro sowie Inhaber der Freshbox Switzerland GmbH und t’nt events gmbh. Er ist seit über 20 Jahren im Bereich der Gastronomie und im Eventmarketing tätig.

 

 

 


 


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