Wie Schweizer KMU Fringe Benefits handhaben

Fringe Benefits: Was KMU Vorteile verschafft

Auch Schweizer KMU nutzen Lohnnebenleistungen, sogenannte Fringe Benefits. (Bild: startupstockphotos.com/CC)

 

Für KMU kann es sich lohnen, Zusatz- und Nebenleistungen (Fringe Benefits) in die (Personal-)Strategie zu integrieren. Doch wie sieht das konkret in der Praxis aus? Die Berlinger-Gruppe aus dem toggenburgischen Ganterschwil entwickelt Systeme zur Temperaturüberwachung und für Dopingkontrollen. Sie bietet unter anderem Dienstjubiläums-, Hochzeits- und Geburtsgeschenke für ihre Mitarbeiter an. «Wir haben auch ein tolles Personalrestaurant mit Viergangmenu und Getränk für zehn Franken – frisch gekocht und aus regionalen Produkten», sagt CEO Andrea Berlinger Schwyter. Hinzu kommen Ausbildungs- und Weiterbildungsbeiträge an Sprachaufenthalte, Managementweiterbildungen oder Fachkurse. Wöchentlich bietet die Firma auch Englischlektionen an. Dafür kommt extra eine Lehrerin ins Haus.

Schliesslich bietet das Unternehmen eine grosszügige Lösung bei der beruflichen Vorsorge (BVG) für die ganze Belegschaft. «Für das Kader gibt es eine Speziallösung», so die Chefin. Wie genau solche Zusatzleistungen zum Gesamterfolg beitragen, ist schwierig zu ermitteln. Klar ist: Berlinger ist als KMU erfolgreich unterwegs. Vor kurzem hat die Firma mit 70 Mitarbeitern den «Prix SVC Ostschweiz 2016» abgeräumt. Ein Preis, der für Schweizer KMU-Perlen steht.

 

BVG-Leistungen als Anreiz

Eine wichtige Rolle bei Fringe Benefits spielen Versicherungen. Anbieter wie die Zurich Schweiz empfehlen KMU, sich insbesondere mit freiwilligen oder überobligatorischen Leistungen in der beruflichen Vorsorge einen Vorteil im Wettbewerb um die besten Talente zu sichern. Gerade in der derzeitigen Tiefzinsphase und in der Diskussion um die Höhe der künftigen Renten interessieren sich laut Zurich die Menschen in der Schweiz viel stärker für die teilweise sehr unterschiedlichen Leistungen der Pensionskassen.

Ähnlich tönt es bei Helvetia: Auch hier stellt die Versicherungsgruppe fest, dass den Unternehmen zunehmend die «flexible Gestaltung» über das rein obligatorische BVG wichtig sei. Die Versicherer nennen etwa Risikoleistungen wie Invaliden- oder Ehegattenrente, höhere Sparbeiträge oder zusätzliche Leistungen wie Todesfallkapital im Rahmen der beruflichen Vorsorge – aber auch die private Vorsorge wie beispielsweise die Prämienübernahme einer Lebensversicherung.

Ergänzend für das Gesamtpaket kommt die Palette an freiwilligen Unfallversicherungen hinzu, sei dies beispielsweise für Heilungskosten oder für Spitaltaggelder mit grosszügigen Prämienübernahmen. Dasselbe gilt für die Krankentaggeldversicherung, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit unterstützt.

 

Gewerbeverband: «KMU haben hier zwei Vorteile»

Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) sieht für kleinere und mittlere Unternehmen zwei Vorteile, sich mit Sozialleistungen und Fringe Benefits auf dem Arbeitsmarkt zu profilieren.

  1. Die hohe Flexibilität bei der Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse: «Sehr häufig sind diese Unternehmen so aufgestellt, dass die persönliche Situation und die Organisation im Unternehmen aufeinander abgestimmt sind», sagt Bernhard Salzmann vom SGV. Das heisst konkret: Teilzeitarbeit, Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie sowie Vereinbarkeit zwischen Beruf und Ausbildung.
  2. Mitarbeiter sind laut Salzmann in KMU oftmals direkt am Geschäft beteiligt, beispielsweise im Rahmen der Vorbereitung einer Nachfolgeregelung. In solchen Situationen seien die Mitarbeiter oder die künftigen Kader direkt in den Unternehmenserfolg eingebunden. «Diese Verbindung besteht insbesondere auch bei Familienunternehmen, wo die mitarbeitenden Familienmitglieder viel direkter involviert sind, als das bei grossen Unternehmen überhaupt möglich ist», so der Sprecher des Verbandes, der rund 300’000 KMU vertritt.

Jetzt lesen