So punkten KMU mit Zusatzleistungen

Attraktive Arbeitgeber profilieren sich auf dem Jobmarkt gezielt mit Zusatzleistungen. Dies ist längst nicht nur ein Privileg von Grossunternehmen. Wie aber sichern Sie sich als KMU mit dem richtigen Korb die besten Mitarbeiter?

Firmenauto und Smartphone – im Wettbewerb um die besten Köpfe richten «die Grossen» mit der grossen Kelle an. Bei KMU heisst es dagegen: kein Geld, keine Zeit oder kein Know-how. KMU stehen vor dem Dilemma: Zückerchen bieten und auf Gewinne verzichten oder keine Zusatzleistungen und vielleicht die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren.

Die Vorteile von Extraleistungen liegen nicht nur darin, gute Leute zu finden und zu binden. Studien zufolge bringen Leistungen über das gesetzliche Minimum und über den Lohn hinaus den Firmen mehr Motivation, bessere Arbeitszufriedenheit, mehr Produktivität oder weniger Fehlzeiten. Das hilft, die Gesamtperformance zu verbessern.

Vor diesem Hintergrund lohnt es sich für KMU, das Thema rund um Sozialleistungen genauer zu prüfen. Welche «Goodies» sind wichtig, welche «nice to have» und welche können Sie getrost überspringen? Um es gleich vorwegzunehmen: Ein einheitliches Regelwerk gibt es nicht.

 

So sieht der richtige Benefit-Korb aus

Anstelle von Sozialleistungen ist häufig von Lohnnebenleistungen die Rede – in der Fachsprache «Fringe Benefits» genannt. Doch Vorsicht: Eine klare Zuordnung zu den Sozialleistungen oder zu den Fringe Benefits ist auf den ersten Blick nicht möglich. Am Ende hängt eine trennscharfe Abgrenzung von den Absichten, Motiven und Begründungen für die Leistungen ab.

 

Auch ein Motivationsfaktor: ansprechend gestaltete Büroräume. (Bild: startupstockphotos.com/CC)

 

Die Palette an freiwilligen Zusatzleistungen ist vielfältig. Entscheidend ist, Fringe Benefits und Sozialleistungen der Firmenkultur anzupassen. Das Beliebtheits-Ranking für Lohnnebenleistungen sieht in der Schweiz grob und statistisch gesehen wie folgt aus (siehe auch Kasten zu Fringe Benefits):

  1. Arbeitszeitreduktion
  2. Soziale Sicherheit
  3. Vergünstigungen
  4. Mitarbeiteraktien / Sparpläne
  5. Vaterschaftsurlaub

 

Von entscheidender Bedeutung ist – trotz aller Statistik – das Paket an die individuellen Bedürfnisse, Vorlieben und an den persönlichen Lebensstil der Belegschaft anzupassen. Kinderbetreuungsgutscheine oder Firmenparkplätze zum Beispiel sind nicht für alle relevant. Sind die Vorteile zu allgemein, verpuffen positive Effekte schnell. Mehr noch: Einige Mitarbeiter sind zufrieden mit einem guten Gehalt und scheren sich weniger um Leistungen der Arbeitnehmer. Andere würden nur für eine Firma arbeiten, die ein wettbewerbsfähiges Paket zur Verfügung stellt. Und dann gibt es noch die zwischendrin.

Gerade für kleine Unternehmen kann dieser Prozess schnell kompliziert, zeitaufwendig, unübersichtlich und teuer werden. Hier kann es sich lohnen, das Ganze mit einer professionellen Firma zu besprechen. Manchmal hilft auch ein Blick auf die Benefit-Pakete der Konkurrenz und auf branchenbedingte Eigenheiten. Und schliesslich dürfen Sie nicht vergessen: Auch Sie sind ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin und wissen, was Ihnen gut tut.

 

Flexibles Anreizsystem schaffen: «Cafeteria-Modell»

Hilfreich für die Individualisierung sind vor allem sogenannte «Cafeteria-Systeme». Dieses in den USA entwickelte Vergütungsmodell gestattet den Leuten, aus einem breiten Angebot von Zusatzleistungen zu wählen. Der Grundgedanke in der Praxis: Jeder Mitarbeiter stellt sich ein individuelles Paket zusammen, das auf seine gegenwärtigen Bedürfnisse und auf seine besondere Situation zugeschnitten ist. Die Firma richtet für jedes Firmenmitglied ein «flexibles Ausgabenkonto» ein.

Gleichzeitig soll mit dem Cafeteria-System regelmässig in Erinnerung gerufen werden, dass Fringe Benefits keine milden Gaben sind, sondern substantielle Zusatzleistungen zum Salär. Das ist entscheidend. Denn Arbeitskräfte empfinden nicht direkt sichtbare «Goodies» nach kurzer Zeit als selbstverständliche Lohnbestandteile und nicht mehr als besondere Extraleistungen.

Von Zeit zu Zeit ist es ratsam, Nebenleistungen auf ihre Zweckmässigkeit und Aktualität zu überprüfen. Gründe könnten unter anderem neue Rechtsgrundlagen oder eine veränderte Nachfragesituation auf dem Arbeitsmarkt sein. Gleichzeitig sollte ein Unternehmen sicherstellen, dass das Personal weiss, was ihnen an Zusatzleistungen zur Verfügung steht. Am besten kommunizieren Personalverantwortliche dies bereits während des Vorstellungsgesprächs. Später sind etwa Broschüren oder Informationen im Intranet hilfreich. Nicht zu vergessen ist, dass der Arbeitgeber gewisse nicht geldwerte Leistungen im Lohnausweis ausweisen muss. Ob und inwieweit eine Steuerpflicht vorliegt, ist im konkreten Einzelfall zu prüfen.

 

Mehr als bloss Personalmarketing-Instrument

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten können KMU Gehälter nicht einfach erhöhen. Dann bieten Zusatzleistungen eine Chance, sich für das Personal sowie für Kandidaten als attraktiver Arbeitgeber zu zeigen. Aber nicht nur. Dies ist auch der Fall, wenn die Firma generell nicht die besten Löhne der Branche zahlt oder Karrieremöglichkeiten begrenzter als in einem grösseren Unternehmen sind.

Wer über gute Qualifikationen verfügt und zwischen verschiedenen Jobangeboten auswählen kann, achtet auf die kleinen, aber wertvollen und vielleicht entscheidenden Zusatzleistungen. Solche Nebenleistungen bilden dann das Zünglein an der Waage. Deshalb lohnt es sich für KMU, ein entsprechendes Konzept in die firmeninterne (Personal-)Strategie zu integrieren.

 

Mehr zum Thema lesen Sie im Artikel «Fringe Benefits: Was KMU Vorteile verschafft».

 


Einige gängige Fringe Benefits

Lebensqualität:

  • Flexible Arbeitszeiten / zusätzliche Ferien
  • Sabbaticals 
  • Freistellung für Aus-, Weiterbildung (z.B. Sprachaufenthalt)
  • Gelegenheit, Lehraufträge anzunehmen
  • Corporate Volunteering (betriebliche Freiwilligenprogramme)
  • Pflege eines nahen Familienangehörigen (Ehepartner, Kinder, Eltern), bei schweren gesundheitlichen Zustand

 

Monetäre oder unentgeltliche Leistungen

  • Geschäftsauto (inkl. Privatgebrauch)
  • Mobiltelefon (inkl. Privatgebrauch)
  • Abos (z.B. Gratis-GA für SBB)
  • Fahrtkostenzuschüsse
  • Finanzielle Unterstützung Ausbildung/Weiterbildung (inkl. Konferenzen, Seminare)
  • Kinderbetreuung (z.B. Beiträge an Krippe)
  • Pauschalspesen
  • Dienstaltersgeschenk / Heiratsgeschenk / Geburtsgeschenk etc.
  • Sonderzulagen für Alleinerziehende
  • Vorzeitige Pensionierung
  • Gratis-Berufskleider
  • Fahrzeug-Leasing
  • Beratungsleistungen (z. B. Steuern, Recht, Sekretariatsbenützung für politische Aufgaben)
  • Benutzung der Unternehmensinfrastruktur für private Zwecke (z. B. Garderoben und Duschen für Sporttreibende)
  • Fitnessclub-Beiträge, Sport-, Wellness- und Freizeitangebote
  • Zeitungs- und Zeitschriften-Abos
  • Pausenraum mit z.B. Billard-Tisch, Tischfussball oder Gaming-Computer
  • Freies Früchteangebot, gesunde Snacks und Getränke
  • Liegeraum für den kurzen Erholungsschlaf
  • Kostenlose Visitenkarten mit Namen und Titel

 

Anstellungsbedingungen

  • Firmenparkplätze oder Beiträge
  • Flugmeilen zur Verfügung stellen
  • Verpflegungsentschädigung, zum Beispiel Lunchchecks

 

Soziale Sicherheit

  • Grosszügige Zusatzleistungen für berufliche Vorsorge (BVG)
  • Verlängerte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
  • Krankenversicherung/Krankenversicherungsprämien
  • Zusatzversicherung UVG
  • Nichtberufsunfallversicherungs-Prämien
  • Lebensversicherungsprämien
  • Erweiterte Kinder- und Familienzulagen
  • Erweiterter Mutterschaftsurlaub/Weiterbeschäftigungsgarantie
  • Vaterschaftsurlaub
  • Gesundheits-Checks

 

Vergünstigungen

  • Aktienbeteiligungspläne/Aktienoptionen
  • Gewährung von zinsgünstigen Darlehen oder Hypotheken
  • Sparpläne
  • Arbeitnehmerwohnungen
  • Nutzbarmachung von Flottenrabatten
  • Rabatte und Sonderkonditionen für Produkte und Dienstleistungen des Arbeitgebers (Mitarbeiterrabattsysteme, auch für Familienangehörige)
  • Vergünstigte Personalkantine (evtl. auch für Familienangehörige)
  • Reka-Checks
  • Übernahme Kreditkartengebühren
  • Weitere extern eingekaufte Vergünstigungen

 

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