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Warum Sie das Bewerbungsdossier von unten nach oben lesen sollten

Was ist ein gutes Dossier für eine Stellenbewerbung? Worauf kommt es an? Hier sehen Sie, worauf der oberste Personalchef des beliebtesten Arbeitgebers der Welt achtet.

In welcher Firma möchten Sie arbeiten? Die Chance ist gross, dass Sie jetzt den Namen Google nennen. Auch in der Schweiz wird der Internetriese bei Umfragen unter Arbeitnehmern oder Studienabgängern stetig als begehrtester Arbeitgeber genannt. Und soeben zeigte es wieder eine Auswertung von 300 Millionen Profilen des Job-Netzwerks Linkedin: Unter Stellensuchenden ist Google die mit Abstand am häufigsten gesuchte Firma. 

Eine Person weiss also bestens, wie man sich in einem Stellenbewerbungsverfahren durchsetzt: Laszlo Bock. Denn er ist seit sechs Jahren der oberste Personalchef von Google. Ihm unterstehen bis zu 50’000 Bewerbungen pro Woche, er selber hat inzwischen laut eigenen Angaben über 20’000 Dossiers geprüft. Vor seiner Zeit bei Google war er einer der Personalchefs von General Electric.

In einem Blog-Post für Linkedin listete Bock nun die entscheidenden Fehler auf, die ihm immer wieder bei Stellenbewerbern über den Weg laufen. Er sei sicher, schreibt der Personalchef, dass mindestens die Hälfte der Leute in ihrer nächsten Bewerbung mindestens einen dieser Fehler machen werden.

1. Die Tippfehler: «Ich sehe das die ganze Zeit»

Tönt banal, aber bleibt offenbar ein grosses Thema. Im Herbst 2013 ergab eine umfangreiche Erhebung im Auftrag eines amerikanischen Karriereportals, dass satte 58 Prozent der Bewerbungsunterlagen Tipp- oder Druckfehler aufweisen.

Das Problem: Gerade sehr sorgfältigen Menschen passieren solche Ausrutscher. Denn sie ändern immer noch ein Detail und noch eines – und dann übersehen Sie am Schluss den kleinen Orthografiefehler, der deswegen passiert ist.

Laut Bock sind und bleiben solche Fehler «tödlich», denn immer werden sie interpretiert als mangelndes Qualitätsbewusstsein.

Sein Tipp an Bewerber: Lesen Sie am Schluss Ihre Unterlagen von unten nach oben. Die verdrehte Tour zwingt einen dazu, weniger auf den Inhalt zu achten und jede einzelne Zeile spezifisch zu lesen. Ein Tipp, der bei jedem wichtigen Schreiben nützlich sein dürfte…

2. Die Länge: «Kürze deinen Lebenslauf!»

Viele Lebensläufe sind laut dem Google-Personalchef viel zu lang. Lazlo Bocks Faustregel: Eine A4-Seite pro 10 Jahre Berufserfahrung. Die Personalchefs würden sich einfach nicht die Zeit nehmen für mehr – und für Bewerber sei es eine entscheidende Fähigkeit, sich fokussieren zu können.

«Das einzige Sinn eines Lebenslaufs ist es, Ihnen ein Bewerbungsgespräch zu verschaffen», so der HR-Spezialist: «That’s it.» Und dort, bei diesem Gespräch, könne man dann schon noch den Rest erklären.

3. Die Darstellung: «Kontaktdaten auf jede Seite»

Wie soll eine Bewerbung aussehen? Sauber und lesbar – mehr nicht. Für den Google-Personalchef bedeutet das: Keine grafischen Kinkerlitzchen, weisses Papier, schwarzer Druck, genügend grosse Schrift, Kontaktdaten auf jeder Seite – fertig.

Und zu beachten sei, dass es bei Format-Änderungen Verschiebungen und Verzerrungen geben kann; eine Formatierung als PDF – so Bocks Tipp – sei eine gute Lösung.

4. Vertrauenswürdigkeit: Der «New York Times»-Test

Natürlich muss und möchte man dem neuen Arbeitgeber möglichst viel über sich erzählen. Aber zugleich darf man keine Geheimnisse des alten Arbeitgebers verraten.

Diesen Konflikt lösen viele Bewerber offenbar falsch: Sie halten sich zwar an die Buchstaben aller Vertraulichkeitserklärungen, aber nicht an deren Geist.

Bei Google verraten etwa 5 bis 10 Prozent der Kandidaten Interna aus ihren ehemaligen Firmen. «Dies sagt mir als Arbeitgeber, dass ich diese Kandidaten niemals anstellen soll», so Bock. «Es sei denn, meine eigenen Geschäftsgeheimnisse sollen dereinst auch an Konkurrenten gemailt werden.»


Siehe auch: «So machen Sie eine perfekte Präsentation»


Was darf man also verraten? Bock empfiehlt dafür den «New York Times»-Test: In eine Bewerbung dürfen nur jene Informationen, die mit Ihnen als Quelle selbst auf der Frontseite der «New York Times» erscheinen dürften.

5. Lügen: «Nie, nie, nie!»

Eine Lüge im Bewerbungsverfahren sei den Preis und das Risiko niemals wert, schreibt Bock: «Never, ever, ever.» Doch die Erfahrung zeige, dass Kandidaten über alles und jedes lügen – Abschluss, Noten, Anstellungsdauer, Resultate…

Das Problem dabei sei nicht nur, dass man auffliegen kann (und heutzutage auch rasch auffliegt). Sondern obendrein wird man die Lüge niemals wieder los – selbst wenn man das Verfahren durchlaufen hat und am Ende eingestellt wird. Denn jede Fälschung kann Jahre später noch entdeckt werden. Und dann wird man ein Leben lang verfolgt davon.

Insgesamt ist Bocks Liste ziemlich tröstlich: Die genannten Fehler sind einfach zu vermeiden – und offenbar doch recht häufig. So dass man im Bewerbungsverfahren schon herausragt, wenn man es besser macht.

Zusatztipp: Die Formel für die Erfolgs-Bewerbung

Und fehlt lediglich noch ein kleiner Kick, um endgültig wieder eine Runde weiterzukommen. Welcher? In einem weiteren Post verrät der oberste Google-Rekrutierer, wie man sich im Résumé-Wettbewerb definitiv durchsetzen kann.

Der Tipp: Man folge bei der Darstellung jeder Leistung einer einfachen Formel. Sie lautet: 

Erreicht (X) – gemessen an (Y) – durch Massnahme (Z)

Tönt kompliziert. Aber was bedeutet das?

Bock erklärt seine Formel selber so: «Starten Sie mit einem aktiven Verb, zeigen Sie mit konkreten Daten, was sie erreicht haben; liefern Sie eine Grundlage, um dies zu vergleichen; und detaillieren Sie aus, was Sie getan haben haben, um das Ziel zu erreichen.»

Und was bedeutet dies wiederum konkret? Dazu liefert der Google-Personaler eine ganze Reihe von Beispielen. So eine Bewerbung für die Stelle eines Marketing Manager:

  • Gängig: «Leitung der Branding- und Marketing-Strategien von ABC. Analyse der Preisstrategien für ABC im Vergleich zu Konkurrenten.»
  • Präziser: «Ich leitete ein 10-Mann-Team zur Entwicklung und Umsetzung der globalen Werbestrategie für X Millionen Dollar für die Marke ABC.»
  • Bocks Vorschlag: «Ich leitete ein 10-Mann-Team zur Entwicklung und Umsetzung einer globalen Werbestrategie für X Millionen Dollar für die Marke ABC. Dies resultierte in einem 25-prozentigen Anstieg der Markenbekanntheit und trug bei zu einem 18-prozentigen Anstieg der Verkäufe innert eines Jahres.»

Weitere Beispiele finden Sie in Laszlo Bocks Post auf Linkedin (auf Englisch).

 

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