Tipps aus der Praxis

Wie Traditionsfirmen auch heute Erfolg haben

Nicht nur Start-ups, auch alteingesessene Unternehmen gehen mit der Zeit. Wie sie fit für den Markt bleiben, zeigt Manuel Wiesendanger, Geschäftsführer des Haushaltsgeschäfts Sibler in Zürich.

Sibler besteht bereits seit gut 185 Jahren. Das Sortiment der Traditionsfirma umfasst über 7000 Produkte – von Haushaltswaren über Design- und Küchenartikel bis zu Geschenkideen. Geschäftsführer Manuel Wiesendanger gibt Tipps, worauf es ankommt, damit auch ein alteingesessenes Unternehmen im 21. Jahrhundert gut überlebt.

 

1. Bleiben Sie jung

Sibler ist von der Geschichte her ein sehr altes, der Tradition verbundenes Geschäft. Gerade deshalb muss man als Geschäftsführer stets darauf achten, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. In meinen Augen sollte man als Firmenverantwortlicher die eigene Geschichte nie vergessen oder verdrängen. Dennoch empfehle ich, gerade punkto Produktesortiment, visuellem Auftritt und Marketing stets à jour zu sein und am Puls der Zeit zu bleiben.

 

2. Befolgen Sie nicht blind BWL-Theorien

Nach vielen Jahren der Unternehmensführung kann ich sagen: Als Firmeninhaber muss man regelmässig aus den gewohnten Strukturen ausbrechen und etwas Unerwartetes wagen. Gehen Sie also Ihren eigenen Weg. Nur weil er in keinem Lehrbuch erwähnt wird, heisst das noch lange nicht, dass er für Ihr Unternehmen falsch ist. Hätte Sibler sich immer stur an die Regeln der klassischen Betriebswirtschaftslehre gehalten, würde die jetzige Bilanz nicht so positiv ausfallen. Wir haben beispielsweise 7000 Artikel im Angebot – dafür zuständig sind über 250 verschiedene Lieferanten. Rein von der Schulmeinung her macht eine solche Anhäufung an Zulieferern keinen Sinn. Da wir jedoch genau konkrete Produkte anbieten wollen (mehr dazu unter Tipp 5), geht für uns die Kalkulation auf.

 

3. Keine 0815-Produkte

Ein wesentlicher Faktor ist der Artikel selber. Es ist von Vorteil, auf qualitativ hochstehende, nicht alltägliche Produkte zu setzen. Nur wenn die bisherigen und potenziellen Kunden das Gefühl und später die Gewissheit haben, dass sie in Ihrem Unternehmen etwas Spezielles, Aussergewöhnliches erhalten, kommen sie wieder.

 

4. Seien Sie authentisch

Es gibt immer wieder Vertreter und Lieferanten, die Ihnen «irgendwelche» Produkte schmackhaft machen wollen, obwohl diese offensichtlich nicht in Ihr Sortiment passen. Mein Ratschlag: Verfolgen Sie Ihre Linie, bleiben Sie authentisch und sagen Sie auch einmal: «Nein danke, das wollen wir nicht.»

 

5. Verkaufen Sie nur, was Sie selber mögen

Wer von sich und seinen Produkten überzeugt ist, hat mehr Erfolg. Wir verkaufen deshalb nur Gegenstände, die wir selber mögen. Die Auswahl und Sortimentsbestimmung braucht deshalb manchmal viel Zeit, doch es ist die Mühe wert. Denn nur so sind wir imstande, mit unserer Freude am Produkt unsere Kunden zu begeistern.

 

6. Keine Nice-to-have-Artikel

Unternehmen, die viele austauschbare Artikel haben, werden schnell selber ausgetauscht. Die Kunden suchen oft Exklusivitäten, Neuheiten, Raritäten, die sie in vielen anderen Geschäften nicht erhalten. So macht man sich als Firma einen Namen und setzt sich am Markt durch.

 

7. Eine zweckmässige Auswahl genügt

Es gibt Unternehmen, die rund 50 verschiedene Typen desselben Produkts in ihrem Sortiment haben, wobei die Unterschiede minim sind. Unserer Meinung nach braucht es sicher von allen nützlichen Produkten eine gewisse Auswahl. Aber der Fokus sollte klar auf den Zweck gerichtet sein. Manchmal reichen deshalb auch weniger Produkte einer Art.

 

8. Produkte produzieren lassen

Falls Sie absolute Wunschprodukte haben und diese nirgends finden, rate ich Ihnen, diese extern produzieren zu lassen – trotz teilweise hoher Kosten. Der Vorteil: Sie können sich so die Exklusivität der Artikel für Ihre Zielregion sichern.

 

9. Personal kennt Geschichte der Produkte

Wenn man als Unternehmen über eine schöne Auswahl an Produkten verfügt, muss man sie auch in- und auswendig kennen. Ich empfehle allen Geschäftsführern, dass sie das Personal schulen, damit dieses den an einem Artikel interessierten Kunden die passende Geschichte erzählen kann.

 

10. Eigene Trends setzen

Legen Sie gerade als Traditionsunternehmen Ihre Trägheit ab! Ich rate Ihnen, bezüglich Entwicklungen und Tendenzen die Nase immer im Wind draussen zu haben. Noch besser ist es, eigene Trends zu suchen und zu setzen, anstatt der Konkurrenz hinterherzurennen.

 


Manuel Wiesendanger, Geschäftsführer SiblerAutor:

Manuel Wiesendanger (58) ist seit 1985 Geschäftsführer des traditionsreichen Haushaltsgeschäfts Sibler und des Onlineshops Sibler.com. Was vor 185 Jahren mit dem Verkauf von Glaswaren begann, hat sich zu einem eigenen Mikrokosmos entwickelt, der neben dem Schwerpunkt Haushalt auch andere Sparten abdeckt wie Wohnbedarf, Büroaccessoires, Geschenkideen und Artikel für Familien und Kinder. Das Zürcher Unternehmen beschäftigt 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


 

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