Die Stressfrage

Wieviele Wochenstunden muss ich als Unternehmensgründer arbeiten?

Alle wissen, dass es viele Stunden sind – aber was heisst das genau? Ein Jung-Gründer hat es nun gewagt, diese Frage an erfahrene Kapitalgeber zu richten. Denn die müssten es ja wissen.

Seien wir ehrlich: Diese Frage stellt sich jeder Entrepreneur. Aber keiner spricht sie laut auf. Also hat sie nun ein Jungunternehmer anonym auf der Beratungsplattform «Quora» gestellt. 

Genau genommen lautete die Frage also: «Was erwarteten die Investoren – wieviele Stunden pro Woche soll ein Firmengründer arbeiten?»

Nicht ganz erstaunlich ist, dass die antwortenden Experten sich kaum auf konkrete Stundenangaben festlegten; und viele spotteten lauthals über den jungen Mann mit der offensichtlich falschen Grundeinstellung. Aber eine ebenso klare wie überzeugende Antwort kam von Jason M. Lemkin, dem Chef der Kapitalgesellschaft Storm Ventures und selber einem erfolgreichen Firmengründer; unter anderen lancierte er einst EchoSign.

Die Frage sei gar nicht so naiv, wie sie auf den ersten Blick scheine, so Lemkins Antwort. Zwar sei es tatsächlich so, dass sich die Investoren nicht darum kümmern, wieviel einer arbeitet – Hauptsache die Firma wächst, die Ziele werden erreicht, und so weiter. Er selber sei als Gründer kein einziges Mal von einem Venture-Kapitalisten gefragt worden, wieviele Stunden er da hinlege.

Keine Zeit für Vertrauen

Aber Firmengründung – und die entsprechenden Investitionen – seien ein «big people risk»; der Erfolg steht und fällt also mit den Menschen, die dahinterstehen.

Und er als Financier habe etwa drei Wochen Zeit, um über ein Investment von einer oder zwei oder vier Millionen zu entscheiden, so Lemkins. Kurz: Meistens hat man gar nicht die Zeit, um Vertrauen aufzubauen.

Also achte er genauestens auf alle Signale, die etwas darüber sagen, ob ein Gründer auch alles tut, um sich durchzusetzen. Und diese Signale besagten so ziemlich das gleiche wie die Stunden, die einer arbeitet.

  • Schnelle Reaktionen auf Mails. Gute Firmenchefs antworten enorm schnell. Wenn es hier hapert, weckt dies bei einem Investor schon allerhand Zweifel.
  • Ethische Mängel. Es sei erstaunlich häufig, dass Unternehmer das Geld der Firma behandeln wie ihr eigenes. Zum Beispiel, indem sie Gesellschaftsvermögen für sich selber benutzen.
  • Offenheit. Wie gut kann ein Firmengründer zuhören? Ist er überhaupt bereit zuzuhören? Dies sei ein entscheidender Punkt dabei, Vertrauen aufzubauen.
  • Teamkämpfe. Kann das Team gut kooperieren? Wenn die Gruppe der Gründer intensiv zusammenarbeitet, ist das auch ein Zeichen dafür, dass sie viel arbeiten.

Kurz: Es geht um Vertrauen, und die Intensität, mit der sich einer mit der Firma beschäftigt, ist eine Grundlage für dieses Vertrauen. «Mein Punkt ist: Wenn ein Investor sieht, dass du ständig an dein Unternehmen denkst, dann gibt das wirklich ein Gefühl der Sicherheit – ganz gleich, wieviele Stunden du arbeitest», so Lemkins Fazit.

 

Mehr/weitere Antworten: «How many hours per week does a venture capitalist expect startup founders to work?», in: «Quora»

Jetzt lesen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.