Work Smart Schafft Flexibilität

«Work Smart» schafft entscheidende Wettbewerbsvorteile

Arbeiten im «Biorhythmus»

In der digitalen Welt organisieren die Angestellten ihre Arbeit im Team weitgehend selbst. Das neue Modell «Work Smart» sehen Arbeitnehmer ebenso positiv wie Arbeitgeber: Die einen gewinnen Flexibilität, die andern Wettbewerbsvorteile und Effizienz.

Ein bisschen Gartenarbeit als Pausenerholung? Wer bei der Klimschutzorganisation «MyClimate» eine Auszeit braucht, begibt sich auf die Terrasse und gärtnert im Dachgarten. Dabei können die Mitarbeiten (viele in Teilzeit) ihre Bürozeiten selber gestalten und ihren Arbeitsplatz täglich nach anfallenden Arbeiten selber wählen. Am neuen Standort der Organisation gibt es laute Bereiche für Besprechungen und leise für ruhiges Arbeiten. Als Erstunterzeichnerin der Schweizer «Work-Smart-Initiative» hat MyClimate sich im Anschluss an einen Standortwechsel neu aufgestellt.

Von den rund 4,65 Millionen Erwerbstätigen der Schweizer Wirtschaft arbeiten bereits 1,12 Millionen, also rund ein Viertel, weitestgehend flexibel. Dies geht aus der Untersuchung «FlexWork Survey» hervor, welche die Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) durchgeführt hat. Grosse Unternehmen sind demnach tendenziell weiter in der Umsetzung von flexiblen Arbeitsformen als kleine.

Das birgt Potenzial: Denn rund 30 Prozent der Erwerbstätigen äussern den Wunsch, häufiger mobil zu arbeiten. Sie erhoffen sich mehr Selbstbestimmung, die Schaffung von Freiräumen und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

«Work Smart schafft Wettbewerbsvorteile»

Auch der Arbeitgeberverband betont den Nutzen der flexiblen Arbeit: «Wenn Unternehmen vermehrt die Vorteile von mobiler Arbeit nutzen, wirkt sich das positiv auf die Innovationskraft der Schweiz aus und steigert die Produktivität», heisst es, «flexible Arbeitsbedingungen sind ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und kommen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zugute.»

Angeklopft hat die Zukunft bei mittlerweile 120 Unternehmen, die sich in der «Work-Smart-Initiative» engagieren. Diese wurde vor zwei Jahren von der Schweizerischen Mobiliar, der Post, den SBB, der Swisscom sowie «Witzig The Office Company» gegründet. Die Mitglieder verpflichten sich, motivierende Rahmenbedingungen für Mitarbeitende zu schaffen und flexible und ortsunabhängige Arbeitsformen zu fördern.

Wie flexibel ist Ihre Firma?

Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat zusammen mit der «Work Smart-Initiative» ein Modell entwickelt, mit dem sich Mitarbeitende, Teams oder ganze Unternehmen über den Stand der flexiblen Arbeitsweise einordnen können. Die Einstufung in die fünf verschiedenen Phasen geschieht durch eine Selbsteinschätzung. Sie ist der Ausgangspunkt für eine Diskussion, wohin sich die Organisation weiterentwickeln will. Noch schätzen sich erst ganz wenige Unternehmen in Phase 5 ein.

Pulte auf Rollen für flexible Gruppierung

Wie «MyClimate» auf Selbstorganisation setzt die Softwarefirma Afca; sie war mit der klassischen hierarchischen Organisation zu langsam und zu wenig flexibel. Heute sitzen Teams, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten, nahe beieinander, um den Austausch zu fördern. Gleichzeitig wurden aber die individuellen Arbeitsplätze erhalten: Alle Pulte haben Räder und können an den Ort gerollt werden, wo sie gerade gebraucht werden.

Auch in der AdWords-Agentur Wortspiel arbeitet jeder Beschäftigte dort, wo er am zufriedensten und produktivsten ist. Um den sozialen Kontakt aufrechtzuerhalten, gibt es wöchentliche Videocalls für alle, in denen bewusst auch zwischenmenschliche Themen angesprochen werden. Auch regelmässige Retraiten sorgen für den Austausch und den Zusammenhalt im Team.

Führungskräfte sind gefordert

Mobiles und flexibles Arbeiten im Unternehmen zu verankern, ist kein einfaches Unterfangen. Es bringt zunächst einmal Unruhe: Wie entsteht ein Team-Spirit, wenn alle ständig in Bewegung sind? Wie viel Nähe und Distanz braucht es? Wie steht es um die Vertraulichkeit? Was machen wir mit der ständigen Erreichbarkeit? Dies sind Fragen, die es zu klären gilt.

Vor allem die Führungskräfte müssen sich damit auseinandersetzen. Laut Manuel Keller, Leiter Beruf und Beratung KV Schweiz, braucht es für die Umsetzung «ein Minimum an unternehmensinternen Richtlinien sowie an Unterstützung für Mitarbeitende und Führungskräfte». Eine zentrale Rolle für die Umsetzung neuer Arbeitsmodelle spielt die mittlere Führungsebene, denn diese ist am dichtesten dran.

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