Online-Marketing

Kann ich mit einem kleinen Budget überhaupt sinnvoll im Internet werben?

Und falls ja: Wie finde ich die passenden Medien dafür? Online-Marketing-Experte Mateo Meier beantwortet Kernfragen vieler KMU.


Die Leser-Anfrage: Wie kann ein kleines Startup aus Zürich mit einem Budget von 50 Franken Displaywerbung betreiben, wenn die Mindestbuchung in den lokalen Onlinemedien 3000 Franken kostet?

Wir haben auch schon Werbung via Google AdWords aufgeschaltet, jedoch ist dies eine reine Geldvernichtungsanlage. Diesen Schluss ziehen wir aufgrund der schlechten Klickzahlen, die uns «Google Analytics Real Time» liefert.

Welche Online-Plattform würden Sie konkret empfehlen, um eine Bannerwerbung darauf zu platzieren? Oder wäre gar klassische Printwerbung von Vorteil?


Die Antwort von Mateo Meier, Geschäftsführer Online Marketing AG in Zug:

Wir holen zuerst etwas aus: Displaywerbung ist ein wichtiges Element, um das Kaufverhalten der Kunden beeinflussen zu können. Denn rund ein Drittel der Onlineverkäufe sind direkt oder indirekt auf diese Werbeform zurückzuführen.

Unter Displaywerbung versteht man alle Arten von Onlinewerbung, bei der grafische Werbemittel wie Videos, Animationen oder Bilder verwendet werden. Damit grenzt sich Displaywerbung vor allem von bei Google erscheinenden Textanzeigen ab.

Die bekannteste Form ist die Bannerwerbung mit Formaten wie Skyscraper, Rectangle oder Bigsize-Banner. Man unterscheidet «Image Ads» (Werbung basierend auf einem Bild), «Rich Media Ads» (Animierte Werbung) und «YouTube Ads» (kurzer Intro-Spot vor einem Video).

Bei Ihrem genannten Beispiel fällt auf, dass das gewünschte Medium einen sehr hohen Mindestpreis (3000 Franken) und Preis-pro-1000-Impressionen hat. Wenn Sie hier Ihre Werbung buchen und sich auf diesen Pauschalpreis einlassen, kaufen Sie die Katze im Sack, denn Sie wissen nicht, wie die Kampagne läuft und welchen konkreten Mehrwert Sie erhalten.

Gerne beantworten wir nachfolgend alle Ihre Fragen – beginnend bei Ihrer letzten:

Klassische Printwerbung: Ja oder Nein?

Für lokal tätige KMU, zum Beispiel ein neues Restaurant oder ein neuer Club, ist die traditionelle Printwerbung nach wie vor ein durchaus probates Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings mit dem Beigeschmack, dass man den Werbeeffekt nicht messen kann. Ist Ihre Zielgruppe indes zwischen 18 und 50 Jahre alt, verwenden Sie besser Online-Displaywerbung, weil diese Alterskategorie über das Internet besser abgeholt werden kann.

Geldvernichtungsmaschine Google?

Hier müssen wir Ihnen – aufgrund unserer vielfältigen und jahrelangen Erfahrungswerte – klar widersprechen. Wir haben bemerkt, dass Sie, um Ihre Aussage zu belegen, schlicht das falsche Analysetool verwendet haben, denn «Real Time» zeigt nur die Zugriffsstatisiken der letzten 15 Minuten an.

Wenn Sie jedoch aussagekräftige Zahlen – zum Beispiel historische Daten der letzten sieben bis 30 Tage – erhalten möchten, können Sie bei Google Analytics die Resultate beobachten und Ihre Kampagne bei Bedarf entsprechend anpassen. Sagen Ihnen die Werkzeuge von Google per se nicht zu, gibt es auch andere Tools wie zum Beispiel die Open-Source-Analyseplattform Piwik.

Wie werbe ich am besten?

Ein Vorteil von Google AdWords ist es, dass man die Bezahlart selber wählen kann. Für Ihre Ansprüche eignet sich die Pro-Klick-Bezahlung am ehesten. Diese hat im Gegensatz zu den von Ihnen genannten Impressionen den grossen Pluspunkt, dass Sie den effektiven Mehrwert bezahlen, den Sie erhalten; sprich die Anzahl Leute, die sich für Ihr Unternehmen interessieren und deshalb auf Ihr Banner klicken. Und nicht nur die Anzahl Erscheinungen auf einer Website.

Was kann man mit einem kleinen Budget von 50 Franken machen?

Im Gegensatz zu anderen Werbeformen lässt sich mit diesem Betrag beim Performance-Marketing durchaus was erreichen. Die Kosten pro Klick betragen im Schnitt einen Franken (meistens 50 Rappen bis zwei Franken). So erhalten Sie für Ihr Geld immerhin zirka 50 Klicks von interessierten Personen, wodurch Leads oder sogar Sales resultieren können.

Fake-Klicks gibt es zwar, aber im Regelfall werden sie von Google erkannt und umgehend zurückerstattet.


Mateo Meier ist Geschäftsführer der Internet- und PR-Agentur Online Marketing AG in Zug. Das Start-up-Unternehmen ist spezialisiert auf nachhaltige Online-Marketing-Kampagnen. Es verbindet dabei die Bereiche Google-Platzierung, Online-PR, Social-Media-Marketing und Conversion-Optimierung.

Mateo Meier setzt seit dem 19. Lebensjahr auf Selbständigkeit. Berufsbegleitend studierte er an der Miami International University. 


Welches ist das ideale Onlinemedium?

Die Beantwortung dieser Frage ist unserer Meinung nach der Knackpunkt in Ihrem Fall. Denn um Erfolg zu haben, müssen Sie sich stets vor Augen führen, wer Ihre Zielgruppe ist (Alter? Interessen?) und wo sie sich im Netz aufhält.

Bei der Onlineausgabe einer Tageszeitung  – von dort stammt ja die Forderung nach einer Mindestbuchung von 3000 Franken –, müssten Sie auf jeden Fall einen recht grossen Streuverlust hinnehmen, da die Leserschaft heterogen ist und sich durch komplett unterschiedliche Themen in den Bann ziehen lässt.

Wenn sich für ein Unternehmen z.B. vorwiegend technikaffine Leute interessieren, ist es empfehlenswert, entsprechend zugeschnittene Blogs und Websites als Trägermedien zu wählen; sei dies aus dem Bereich Technik oder KMU. 

Weitere Empfehlungen

Falls Sie nicht selber nach idealen Online-Portalen suchen wollen, können Sie beim Keywordplaner von Google AdWords spezifische Themenfelder eingeben, zum Beispiel «Computer und Elektronik», «Webdienste», «Web-Apps und Online-Tools» und «Webportale», weshalb nachher passende Sites vorgeschlagen werden.

Eine weitere gute Möglichkeit, den Erfolg Ihrer Displaywerbung zu steigern, besteht mit Remarketing von Google AdWords. Damit können Sie Kunden nachverfolgen, die bereits auf Ihrer Website gewesen sind. Dies lohnt sich meistens, denn diese Leute haben ja schon mit dem Besuch der Website ihr ausdrückliches Interesse dokumentiert. Wo auch immer sie nachher hin surfen, die Werbung Ihres Unternehmens ist bereits dort.

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