Freerider und Weltmeister Fabian Bösch: Ich würde bei der Risikoeinschätzung von Lawinen von 5G profitieren.
5 min

«Beim Freeriden musst du immer das Risiko abschätzen»

Fabian Bösch, Freestyle-Ski-Weltmeister im Slopestyle und Big Air, liebt Skifahren und Freeriden. Wie er Risikobereitschaft und Sicherheitsbedürfnis unter einen Skihelm bringt und wie ihm neue Technologien helfen könnten, verrät er im Interview.

Anfang Februar 2019 gewann Fabian Bösch Gold an den Freestyle-Weltmeisterschaften in der Disziplin Big Air in Utah/USA. Für den 21-Jährigen Engelberger nicht der erste grosse Erfolg: Er war 2015 der jüngste Schweizer Weltmeister in einer Olympischen Disziplin. Als 16-jähriger wurde er als Freestyle-Skifahrer im Slopestyle im österreichischen Kreischberg Weltmeister. Zudem jumpte Fabian Bösch ein Jahr später an den X-Games in Aspen/USA in der Disziplin Big Air zuoberst aufs Podest. Fabian Bösch ist aber auch ein Artist, Freerider und Draufgänger. Im Gespräch erzählt Fabian Bösch von seiner Leidenschaft, von Freiheit und Risikoeinschätzung.

Vor sieben Jahren warst du ein ambitionierter Skifahrer und wurdest als 14-Jähriger im Slalom Junioren-Schweizermeister. Warum hast du vom alpinen Skifahren zum Freestylen gewechselt?

Fabian Bösch, Freerider und Weltmeister im Slopestyle.Fabian Bösch: Ich bin in Engelberg aufgewachsen und wurde schon früh Mitglied des Skiclubs. Das Skifahren ist für mich alles und das Beste, was es gibt. Und zwar jede Form von Skifahren. Jedoch fehlte mir in den alpinen Disziplinen die Freiheit. Denn ich finde es cool, Schanzen zu bauen, neue Tricks auszuprobieren und auf verschiedenen Geräten zu trainieren, wie beispielsweise auf dem Trampolin.

Was fasziniert dich am Freestyle-Skifahren?

Ich will immer neue Tricks lernen. Wenn ich der Erste bin, der das macht, ist das für mich schon sehr faszinierend, und macht mich auch stolz. Es gibt keine Regeln und es fühlt sich auch nicht als Training an, Grundausführungen der neuen Tricks auf dem Trampolin auszuprobieren. Es macht einfach Spass, diese Tricks an den Wettkämpfen zu zeigen.

Insbesondere bei den X-Games, wo du eine 60 Meter hohe Schanze überwinden musst und eine sichere Landung erst nach 30 Metern gewährleistet ist, braucht es viel Mut. Wie gross ist deine Risikobereitschaft?

Mit Trainings und einem langsamen Aufbau während Jahren kann ich das Risiko minimieren. Am Wettkampf zeige ich nur Sprünge, mit denen ich mich sicher fühle.

Die ganze Welt kennt dich auch wegen deines Rolltreppen-Videos, das in Südkorea während der Olympischen Winterspiele entstanden ist. Hast du mit dieser Aktion eine Woche vor dem Saison-Highlight nicht eine mögliche Verletzung provoziert?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe ein gutes Gefühl für solche Dinge und kann gut abschätzen, was möglich ist und was nicht. Auch dank meiner Erfahrung, die ich in den Trainings mit Balancieren gemacht habe. Ich nenne es Risikomanagement. Und wenn das Risiko zu gross ist, dann mache ich es einfach nicht.

Auch neben den Slopes bist du auf den Brettern unterwegs, beispielsweise beim Freeriden. Dadurch setzt du dich Gefahren aus. Welche Massnahme nimmst du vor, um das Lawinen- oder Schneebrettrisiko besser zu kalkulieren?

Obschon ich meistens in Engelberg unterwegs bin und die Hänge und das Skigebiet sehr gut kenne, konsultiere ich immer das Lawinenbulletin. Falls die Lawinengefahr in den Alpenhängen mit «erheblich» eingestuft ist, verzichte ich aufs Freeriden. Und wenn die Lawinengefahr gering ist, dann rüste ich mich optimal aus, wie beispielsweise mit LVS-Gerät, Airbag und Sonde.

Dein Entscheid fürs Freeriden machst du demnach abhängig vom Lawinenbulletin. Falls es eine Technologie geben würde, die die Lawinengefahr präziser vorhersagt, was würde sich bei dir verändern?

Da ich viel reise, möchte ich während der trainings- und wettkampffreien Zeit einfach Freeriden – und zwar mit meinen Freunden. Es macht am meisten Spass, wenn wir unsere Kurven in tiefverschneiten Hängen ziehen können. Die Bedingungen wären dann genial, aber leider erhöht sich mit dem Neuschnee auch das Lawinenrisiko. Wenn ich jedoch die Gefahrenstufe für einen spezifischen Hang und in Echtzeit kenne, dann steigen die Chancen für den perfekten Ride.

Mit dem 5G-Netz die Lawinengefahr besser beurteilen

Die lokalen Verhältnisse und einzelne Hänge werden heute im Lawinenbulletin nicht beurteilt. Darum müssen sich Schneesportler und Sicherheitsverantwortliche auf lokale Beurteilungen stützen. Diese Daten werden oft von Bergbahn-Mitarbeitenden manuell erhoben, die jeweils am Morgen die Situation beurteilen.

Mit neuen technischen Ansätzen könnten rund um die Uhr Informationen zur Schneehöhe, Neuschneezuwachs in Lawinenhängen, Schneebrettbewegungen oder zu anderen kritischen Stellen über das Handy abgerufen werden. Dazu werden in den Lawinenhängen Sensoren verbaut, die Schneehöhen und Bewegungen messen und über das 5G-Netz praktisch in Echtzeit übermitteln. Das Internet der Dinge – das Sensornetz – benötigt dabei die 5G-Verbindung, um die Datenmengen schnell und verzögerungsfrei zu übertragen.

Die Weltmeisterschaften in Utah/USA sind gerade vorbei. Was waren deine letzten Vorbereitungen vor dem grossen Event?

Kurz vor dem Wettkampf trainiere ich meine Tricks und die Abläufe der Tricks, damit ich auch die Sicherheit und das Vertrauen habe, dass alles gut kommt. Zur Ablenkung game ich ab und zu online.

Welche Ziele hattest du dir für die WM in Utah gesteckt?

Big Air ist neu eine WM-Disziplin und auf diesen Wettkampf habe ich mich sehr gefreut.  Einen neuen Trick, den ich letztes Jahr erfunden habe, zeige ich beispielsweise am Slopestyle-Wettbewerb.

Und es ist ja hervorragend gelaufen: Herzliche Gratulation zu deinem Sieg im Big Air. Wie fühlt man sich als Weltmeister?

Ich fühle mich einfach grossartig. Und ich bin stolz, dass alles so gut aufgegangen ist. Jetzt werde ich meinen Erfolg auch richtig feiern. Und dann bestimmt noch eine Runde Freeriden gehen.

 

Die Fotos wurden uns von Fabian Bösch zur Verfügung gestellt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Jetzt lesen