Assistenten für Office mit künstlicher Intelligenz
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«Clippy» erhält intelligente Nachfolger

Mit der unseligen Büroklammer aus früheren Word-Versionen haben die modernen Assistenten nichts mehr gemein. Dank künstlicher Intelligenz nehmen sie uns Routinearbeiten ab oder verbessern Texte. Doch das ist erst der Anfang einer Entwicklung, in deren Zentrum die Sprache steht.

Office-Assistent? Moment, da war doch mal… Gedanken an die Büroklammer «Clippy» kommen auf, die um die Jahrtausendwende Word-Anwender nervte. Doch mit dem eher hilflosen Drahtgestell haben heutige Assistenten nichts mehr gemeinsam. Stattdessen setzen sie auf künstliche Intelligenz (KI), um Anwendern Routinearbeiten abzunehmen und Texte zu verbessern. Auf dieselbe technische Errungenschaft also, die Autos selbstfahrend macht, Musik komponiert und medizinische Diagnosen stellt. Damit sollten Büroaufgaben eigentlich noch zu bewältigen sein. Doch Hilfe bei Office-Arbeiten ist nur ein Puzzleteil in der aktuellen Entwicklung der intelligenten Assistenten.

Der Dichter aus der Maschine

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Auch wer nicht als Schriftsteller geboren wurde, muss ab und zu geschäftliche Korrespondenz erledigen. Hier hilft Microsofts «Editor», quasi die intelligente Form von «Clippy». Er kümmert sich in Word und Outlook aus dem Office-365-Paket nicht nur um Rechtschreibung und Grammatik. Dank maschinellem Lernen und Sprachanalyse macht der Assistent auch Vorschläge zum Schreibstil. Der «Dichter aus der Maschine» erkennt unklare oder falsche Begriffe und führt Korrekturen an, mitsamt Begründung. Die Schreibstil-Überprüfung funktioniert allerdings derzeit nur auf Englisch.
Das Verständnis von menschlicher Sprache ist für diese Form der Stil-Beurteilung zentral. Solche Spracherkennung gehört zu den wichtigsten Trends bei Smartphones, Heimgeräten wie Amazon Echo oder Google Home und eben auch Computern. Offensichtlichstes Beispiel sind die Sprachassistenten, die gesprochene Befehle verarbeiten, wie etwa Microsofts «Cortana». Sie steuert nicht nur Windows 10, sondern erweitert auch Office-Anwendungen um Spracheingabe. Mit dem experimentellen Add-in «Dictate» lassen sich Texte in Word, Outlook und PowerPoint per Sprachbefehl eingeben – und wahlweise gleich übersetzen lassen. «Dictate» versteht 20 Sprachen und kann das Gesprochene mithilfe des Microsoft Translator in 60 Sprachen übersetzen. Auch lassen sich via Sprachsteuerung Satzzeichen diktieren, zuletzt erkannte Wörter löschen und Zeilenumbrüche machen. Zwar versteht Dictate deutsche Texte, die Steuerung muss aber auf Englisch erfolgen.

Die Sprache der Zukunft

E-Mails automatisch ordnen

Ein Posteingang, der automatisch sortiert wird – der Traum von jedem, der bei der Arbeit eine E-Mail-Adresse nutzt (also alle). In einem Pilotprojekt hat Swisscom eine Lösung entwickelt, die mit intelligenten Algorithmen eingehende Nachrichten automatisch weiterleitet. Das Verblüffende: Nach einer Lernphase arbeitet die künstliche Intelligenz dahinter nun präziser, wie wenn Menschen die E-Mail-Triage vornehmen würden.

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Wohin die Sprachreise geht, zeigt der «Presentation Translator». Das Add-in für PowerPoint untertitelt Präsentationen in Echtzeit und in 60 Sprachen. Die Zuhörer können über Microsofts Translator-App auf dem Smartphone die Präsentation in der Sprache ihrer Wahl mitverfolgen.

Es ist kein Zufall, dass Microsoft, Google, Apple, Amazon und viele andere KI bei der Spracherkennung und Sprachsteuerung vorantreiben. Wenn es nach den Herstellern geht, stehen wir vor einem Paradigmenwechsel bei der Bedienung von Smartphones, die sich auch auf klassische Notebooks und PC auswirkt. Laut dem amerikanischen Technologiemagazin «Wired» sollen Sprachassistenten wie Cortana einen Paradigmenwechsel in der Bedienung von Computern einläuten. Die Sprachsteuerung diene als zentrales Bedienelement für sämtliche Computeranwendungen. Und auch der deutsche Zukunftsforscher Gerd Leonhard ist sich sicher, dass Menschen schon in ein paar Jahren ganz natürlich mit Maschinen reden werden.

Die Unterstützung der digitalen Assistenten wird dann weit über stilsicheres Tippen in Word hinausgehen. Denn die Gerätegrenzen werden gesprengt. Die digitalen Assistenten werden dafür sorgen, dass wir ein auf dem Computer angefangenes E-Mail am Smartphone fertig schreiben – oder diktieren. Oder den unterwegs angefangenen Artikel aus dem Swisscom KMU-Magazin am Bürorechner fertiglesen können. Die Szenarien umspannen alle denkbaren Anwendungsbereiche und Geräte. Und die digitalen Assistenten werden die Klammer sein, die alles zusammenhält – hat da jemand «Clippy» gerufen?

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