Jobportrait Barbara Pytlik
4 min

«Die Schweiz ist ein Spielplatz für 5G»

Barbara Pytlik weiss, wann Swisscom das erste 5G-Gerät auf den Markt bringt. Bei der Computerwissenschaftlerin laufen alle Fäden für die neuen Devices zusammen und sie verhandelt mit den ganz grossen Herstellern der Welt – meist als einzige Frau im Raum.

«5G war lange Zeit ein Mysterium, sogar für uns». Das war der Einstieg ins Gespräch mit Barbara Pytlik. Sie und ihr Team sind hautnah bei der Entwicklung von 5G-tauglichen Geräten für die Swisscom dabei. Die studierte Computerwissenschaftlerin ist seit über zehn Jahren in der Telekommunikation tätig. Obwohl sie so einiges an Erfahrung mitbringt, ist die 5G-Technologie auch für sie Neuland. Ihr Ziel: Sobald das Netz kommerziell genutzt werden kann, muss auch ein 5G-taugliches Gerät bereitstehen. «In den letzten Wochen hat sich sehr viel getan und nun wissen wir, wer uns wann welche Art von Geräten liefern wird», so Barbara Pytlik. «Die Frage ist nun, wie schnell die Hersteller ein Endgerät für uns entwickeln können. Normalerweise dauert das zwei Jahre. Nun haben sie nur einige Monate dafür Zeit.»

5G ist seit 8 Jahren ein Thema

5G ist bereits seit 2010 ein Thema, damals begannen sich die Ingenieure überall auf der Welt mit der Technologie zu beschäftigen. Inzwischen läuft die Entwicklung des Swisscom-5G-Netzes auf Hochtouren. «Meine grösste Herausforderung ist es, den Bau des 5G-Netzes mit der Entwicklung von Endgeräten abzugleichen. Denn schlussendlich braucht es beides, ein Netz und Geräte, die auf dem Netz funktionieren», so Barbara Pytlik.

Dafür ist Barbara Pytlik seit letzten Sommer mit den ganz grossen Geräte-Herstellern in konkreten monatlichen Verhandlungen: «Je früher man das tut, umso besser. Wir waren von Anfang an sehr ehrlich und haben ihnen unsere Pläne offengelegt. Seither versuchen wir einen gemeinsamen Plan auszuarbeiten und rechnen von dem Punkt an rückwärts, bei dem wir anfangen müssen, die Geräte zu testen. So finden wir heraus, was überhaupt möglich ist.»

Weltweit erster 5G-Smartphone-Prototyp im 5G-Netz

Barbara und ihr Team haben es geschafft: Swisscom verbindet erstmals einen Smartphone-Prototypen mit 5G-Midband-Chipset von Qualcomm mit einem 5G-Livenetz. Auch ein Hotspot der taiwanesischen Firma WNC mit dem identischen Chipset wurde weltweit ein erstes Mal mit dem 5G-Livenetz verbunden.

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Die Vorteile, eine Frau in der Technik zu sein

Babara Pytlik ist eine zarte blonde Frau mit einer leisen Stimme. Seit ihrem Studium arbeitet sie in der Telekommunikation. Ihre erste Station war Nokia Networks in Kopenhagen, dann wechselte sie zu Nokia nach England. «Im Jahr 2010 zog ich in die Schweiz und bald darauf wurde Nokia von Microsoft übernommen. 2017 begann ich für Swisscom zu arbeiten.» Die gebürtige Polin ist sich gewohnt, die einzige Frau im Raum zu sein. Das hat für sie auch Vorteile: «Multitasking, der Beziehungsaufbau zu Kunden und Partnern und die Kommunikation fallen mir leicht. Manchmal ist es nämlich nicht nötig, in einer kaum verständlichen Fachsprache zu sprechen.» Gibt es auch Nachteile? «Vielleicht, dass ich es etwas leid bin, gefragt zu werden, wie es ist, immer allein unter Männern zu sein», sagt die Mutter von zwei Kindern (vier und sechs Jahre alt), die mit ihrer Familie in der Stadt Zürich lebt.

«Wir arbeiten mit Hochdruck daran, bis 2019 die ersten businesstauglichen Geräte präsentieren zu können.»

Barbara Pytlik

Am Anfang der Entwicklung eines 5G-tauglichen Gerätes steht immer ein Chipset, sozusagen das Herz des Gerätes. «Seit letztem Sommer arbeiten wir mit grossen Herstellern intensiv daran, ein solches für die speziellen Bedürfnisse des Swisscom-Netzes zu entwickeln», so Barbara Pytlik. «Zuerst werden die 5G Chipsets von unserem Netzbauer Ericsson in deren Labor getestet. Erst wenn diese Tests erfolgreich waren, werden Geräte auf der Grundlage dieser Chipsets von uns auf unserem Netz getestet. Erfahrungsgemäss brauchen Geräteanbieter dann drei bis sechs Monate, um ein Endgerät zu entwickeln. «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, bis 2019 die ersten businesstauglichen Geräte präsentieren zu können.»

Jobportrait Barbara Pytlik
So sieht ein typisches Chipset aus.

Standort Schweiz ist speziell

Hinzu kommt, dass die Schweiz ein kleines Land und Swisscom ein kleiner Anbieter ist. Warum wollen denn die grossen Firmen überhaupt mit uns arbeiten? «Ganz einfach: Die Swisscom ist sehr innovativ und technologiegetrieben und implementiert immer die neuste Technologie im Netzwerk. Die grossen Geräte- und Chiphersteller dieser Welt wollen ihre neusten Entwicklungen darum unbedingt auf unserem Netz testen. Sie nutzen die Schweiz als Spielplatz für ihre neuen 5G-Technologien» so Barbara Pytlik. Die Voraussetzungen in der Schweiz sind also gut, früh zuverlässige Geräte auf einem verlässlichen Netz nutzen zu können.

Erstes komplett standardisiertes 5G-Netz in Burgdorf

Swisscom baut in Burgdorf zusammen mit Ericsson ein komplettes 5G-Netz. Darüber konnten erfolgreich erste 5G-Datenübertragungen durchgeführt werden. Mit diesem Netz testet Swisscom die neuste Mobilfunkgeneration unter realen Bedingungen im urbanen Gebiet.

Im Video: So funktioniert das erste komplett standardisierte 5G-Netz in Burgdorf

 

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3 Kommentare zu “«Die Schweiz ist ein Spielplatz für 5G»

    1. Liebe Lilli,

      wir verstehen deine Sorge um die Menschen und ihre Gesundheit. Über die Jahrzehnte wurden mehr als tausend Studien zu Mobilfunk und dessen Auswirkungen auf Mensch und Natur gemacht und es konnte kein wissenschaftlicher Beleg für eine Schädlichkeit gefunden werden. Für 5G werden ähnliche Frequenzbänder benutzt, wie für die bereits bestehenden Technologien und darum ist davon auszugehen, dass auch 5G nicht schädlich sein wird. Ausserdem gelten in der Schweiz 10 Mal strengere Grenzwerte als in den meisten anderen europäischen Ländern, sprich die Schweizerinnen und Schweizer sind doppelt vorsorglich geschützt.
      Ein lieber Gruss, Tanja, für die Redaktion.

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