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Über diese Brille freut sich die Feuerwehr

Projekt Vizir

Mehr zum Projekt der beiden Entwickler finden Sie auf Twitter.

Erweiterte Realität

Mit Augmented Reality (AR, zu Deutsch: «erweiterte Realität») wird die reale Wahrnehmung mit digitalen Informationen angereichert. Verbreitet sind solche Anwendungen in AR-Apps wie beispielsweise AR BergeKarte oder Wikitude. Weitere Informationen zu AR gibt’s bei Wikipedia.

Dominik Galliker (Text), Alain Herzog/EPFL (Foto), 1. Juli 2016

Seit 2012 sind transparente Displays praxistauglich – und eröffnen damit verschiedensten Branchen ganz neue Möglichkeiten. «Augmented Reality» nennt sich das: Die Wahrnehmung der Realität wird auf den Displays mit digitalen Informationen angereichert.

Bloss eine Spielerei? Oftmals ja. Aber nicht nur: An der ETH Lausanne (EPFL) arbeiten zwei Ingenieure an einer Hightech-Brille für Feuerwehrleute. Diese sollen, wenn sie ein brennendes Gebäude betreten, zusätzlich zur normalen Sicht auch das Wärmebild vor sich haben. Eine Kamera am Helm zeichnet das Wärmebild auf und projiziert es in Echtzeit auf die Brille.

Die Forscher Martijn Bosch und Adrien Birbaumer sind selber nicht bei der Feuerwehr. Aus Gesprächen wissen sie jedoch: Das heutige System ist ungenügend. Um im Einsatz das Wärmebild sehen zu können, müssen die Feuerwehrleute die Wärmebildkamera vor das Gesicht halten. «Sie sind gezwungen, ihre Arbeit zu unterbrechen, weil sie nicht gleichzeitig die Kamera halten und ihr Equipment bedienen oder einen Verletzten tragen können», so Martijn Bosch.

Die Tests mit der Augmented-Reality-Brille verliefen erfolgreich. Nun sollen die transparenten Displays in eine Schutzmaske integriert werden. Bild: Dominik Galliker

Das Projekt der beiden läuft seit rund eineinhalb Jahren. «Es war schwierig, die richtigen Farben für das Wärmebild zu finden», sagt Adrien Birbaumer. Das Bild muss vor jedem Hintergrund klar zu sehen sein. Und man muss immer erkennen, wie stark die Hitze ist. Ob 60 oder 600 Grad – das ist entscheidend.

Brille in Atemschutzmasken integriert

Im Mai haben Martijn Bosch und Adrien Birbaumer über ihr Projekt informiert. Die Tests mit den Feuerwehrleuten aus dem Kanton Waadt sind gut verlaufen. Im Ernstfall wird die Brille allerdings noch nicht verwendet. Dazu müssen die Displays erst in Atemschutzmasken integriert werden. «Wir hoffen, dass wir noch in diesem Jahr einen solchen Prototypen testen können», so Martijn Bosch. Zudem suchen die beiden Forscher nach Möglichkeiten, die neuen Schutzmasken kostengünstig zu produzieren. Nur wenn sie markttauglich sind, tragen künftig Feuerwehrleute auf der ganzen Welt die Technologie aus Lausanne.

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