Gabriela Manser

«Ich bin kreativer, wenn ich mich nach der Decke strecken muss»

Mit spritzigen Mineralwasser-Produkten wurde Gabriela Manser zur mehrfach ausgezeichneten KMU-Chefin. Die Appenzellerin über Erfolgsgeheimnisse kleiner Unternehmen, über die Herausforderungen eines raschen Wachstums und ihre Ambitionen im digitalen Zeitalter.

Frau Manser, bei der Lancierung ihres Erfolgsgetränks «Flauder» hatten Sie gar kein Geld für Werbung, also legten Sie einfach bei jeder Mineralwasserbestellung eine Flasche gratis bei. Das würde man heute virales Marketing nennen.

Gabriela Manser: Genau. Es war auch eine Lösung, die nichts kostete. Oder zumindest fast nichts, die Produktemuster kosteten ja auch etwas. Aber die Lancierung musste im Verhältnis sehr günstig sein.

Wie kommt man da auf gute Marketingideen?

Not macht tatsächlich erfinderisch. Ich bin kreativer, wenn ich mich nach der Decke strecken muss, wenn ich in engen Rahmenbedingungen eine Lösung finden soll. Dann muss man jedes Detail ganz genau durchdenken, man muss sich wirklich sicher sein, dass alles in die richtige Richtung geht. Dies wiederum passiert am besten in einem guten Team – und letztendlich  führt das zu besseren Lösungen.

Ihre Mineralquelle respektive die Goba AG ist auch ein Unternehmen mit einem Gesicht – nämlich Ihrem Gesicht. Sie sind inzwischen sehr bekannt im Land. Wie wichtig ist es für die Firma, dass der KMU-Chef, die KMU-Chefin auch Werbeträger ist?

Auch hier gibt es Gefahren und Chancen. In der KMU-Welt erscheint es mir richtig, dass der Chef oder die Chefin sichtbar ist, dass man weiss, wer dahintersteht. Denn das gibt Kraft. Auf der anderen Seite ist es auch riskant, wenn man ein Konsumgut hat, das sehr personifiziert ist. Wir hatten einfach für uns beschlossen, dass dies unser Weg sein soll. Auch dieser Entscheid hatte finanzielle Gründe: Öffentliche Auftritte ermöglichen es mir, auch über unsere Innovationen zu reden. Und idealerweise haben die Leute heute eine Flasche vor Augen, wenn sie mich sehen (schmunzelt).


«Die Kunden müssen das, was sie im Produkt wahrnehmen, auch im ganzen Unternehmen finden»


Ganz grundsätzlich ist Ihr Getränk «Flauder» zuerst ein Marketingerfolg. Sehen Sie das auch so?

So ein Erfolg hängt ja immer von verschiedensten Faktoren ab. Marketing alleine nützt nichts, wenn nicht etwas Echtes dahintersteht. Die heutigen Konsumenten würden es sonst sofort merken. Es braucht beides – ein Produkt, das qualitativ überzeugt, und einen Markt. Mit dem Marketing muss dieser dann halt erschlossen werden.

Ihr Unternehmen ist schnell gewachsen. Was ist das grösste Problem bei raschem Wachstum?

Zum einen muss die Qualität durch alle Schritte und Entwicklungen hindurch hoch bleiben. Die Kunden sollen das, was sie wahrnehmen, auch im ganzen Unternehmen finden. Wenn man wirklich schnell wächst, muss man alle Bereiche mitwachsen lassen.  Die Entwicklung gegen innen bedeutet Anpassungen im Organigramm, in der Strategie und ein sorgfältiges Arbeiten an der Firmenkultur.

Flauder Abfuellanlage

Sie führten grosse Investitionen durch – unter anderem bauten Sie eine neue Abfüllanlage –, und dazu machten Sie eine Kapitalerhöhung. Wie kommt man als KMU zu neuen Aktionären?

Wir haben ein Dossier erarbeitet, und damit ging ich schlicht und einfach Klinken putzen. Ich habe alle Leute gefragt, die ich kannte, dann die Freunde der Leute und so weiter…: Ärmel hoch und vorwärtsarbeiten.


«Erst wenn die Leute merken, dass da jemand mit Elan etwas aufbauen will, springt der Funke»


War es da ein entscheidender Vorteil, dass Ihre Firma im Appenzell ist – also in einer Gegend, wo jeder jeden besser kennt?

Damals wohnte ich noch in St. Gallen. Mein Umfeld, das ich zu fragen wagte, war eher dort. Es geht sowieso immer um Ehrlichkeit. Wenn Sie Aktien verkaufen wollen und dabei kein realistisches Bild vermitteln können, dann geht gar nichts. Erst wenn die Leute merken, dass da jemand ernsthaft und mit Elan etwas aufbauen will, springt der Funke.

Sie sind nun in der Jury von Swisscom Business Booster, wo ein KMU für ein gezieltes Förder- und Unterstützungspaket ausgewählt wird. Worauf achten Sie dabei? Welche Aspekte sind Ihnen wichtig bei der Beurteilung eines Unternehmens?

Wichtig ist mir, welche Vision in einem Unternehmen steckt und wie realistisch die Ziele und Vorstellungen sind. Zugleich möchte ich herausfinden, welche Innovationskraft das Team hat und welche Kreativität es an Tag legt, um sich von Konkurrenz abzuheben: Denn hier entscheidet sich, wie nachhaltig die Vision ist.

Wenn Sie selber ein Booster-Team ins Haus bekämen: Was würden Sie sich davon erwünschen?

Dass man durchleuchtet, was ist, und was es hier zu verbessern gibt. Auch fachliche Schulung und Hinweise auf Ebenen, die wir selber noch gar nicht beachtet haben. Die Chancen-Gefahren-Analysen müssten wir gemeinsam erarbeiten, um dann zukunftsgerichtet einige Pflöcke einzuschlagen. Am Schluss muss solch eine Übung verkaufsfördernd sein. Die Digitalisierung soll bessere Arbeit gegen innen wie gegen aussen ermöglichen; ganz gleich, ob es um Hilfsmittel für die tägliche Arbeit geht, um den Internetauftritt oder um die Facebook-Seite: Auch diese muss dem entsprechen, was das Unternehmen ausmacht.


«Man muss erkennen, dass es nach der Aufbauphase plötzlich andere Fähigkeiten braucht»


Welche Rolle spielen die sozialen Medien heute bei der Goba AG?

Wir wollen dort aktiv sein, wir haben eine Person zu 20 Prozent dafür abgestellt, und wir haben natürlich auch einen Facebook-Auftritt. Aber wir wollen dort stärker hineinwachsen. Nur müssen wir schrittweise abwägen, wieviel Energie und Geld wir hier investieren wollen – und was wir wirklich brauchen. Wir sind im Social-Media-Bereich noch nicht dort, wo wir sein wollen, wir könnten viele Themen mutiger und auch lustvoller angehen.

Was würden Sie anderen KMU als wichtigsten Tipp Ihrer Erfahrung weitergeben?

Die Pionierphase war für uns eine spannende, lustvolle Geschichte. Wichtig ist aber zu erkennen, dass es nach der Aufbauphase andere Fähigkeiten braucht um die Firma kontinuierlich im Markt zu verankern und weiter wachsen zu lassen. Und diesen Punkt des Wechsels darf man nicht verpassen. Denn unter Umständen braucht es auch andere Leute mit anderem Fachwissen. Die eigenen Fähigkeiten muss man auch immer ganz kritisch prüfen und sich fragen: Was kann ich gut und was ist sinnvoll, dass ich es tue? Und wo muss ich Fachleute hinzunehmen, die mir etwas Bestimmtes abnehmen?

Es braucht Mut und Spielfreude, um auch einfach mal etwas aus zu probieren. Ich möchten den Menschen auch gerne zeigen, was es neben Flauder noch Spannendes zu finden gibt bei uns. Und dabei eröffnen digitale Technologien neue Möglichkeiten. 


Gabriela Manser ist die Geschäftsführerin der Goba AG Mineralquelle Gontenbad. Sie übernahm 1999 die Leitung und das gesamte Aktienkapital des Familienbetriebes; zuvor hatte sie eine KV-Lehre und eine Ausbildung zur Kindergärtnerin absolviert und war in diversen Funktionen im pädagogischen Bereich tätig gewesen. Die Anzahl der Beschäftigten stieg unter ihrer Leitung von 9 auf gut 40, die Anzahl der verkauften Flaschen von 2 auf 17 Millionen.

Bei der Wahl zum «Unternehmer des Jahres» wählten die Leserinnen und Leser der «Handelszeitung» Gabriela Manser im Dezember 2013 auf Rang 2. 

2005 wurde sie als Schweizer «Unternehmerin des Jahres» ausgezeichnet.


Der Swisscom Business Booster geht in die nächste Runde: Wieder können sich KMU bewerben – und am Ende hilft ein Team von Spezialisten einem Unternehmen mit einer Menge Gratis-Knowhow.

In der Jury, welche die Gewinnerunternehmen auswählt, amtieren neben Gabriela Manser auch Jean-Claude Biver, Verwaltungsratspräsident von Hublot; Kim Oliver Tokarski, Leiter des Instituts für Unternehmensentwicklung an der Berner Fachhochschule; René Lüchinger, Chefredaktor «Blick»; und Roger Wüthrich-Hasenböhler, Leiter Geschäftsbereich KMU bei Swisscom.


 

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