Auftreten, reden, begeistern!
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Auftreten, reden, begeistern!

 
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Startup Challenge

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Hansjörg Honegger (Text) und Peter Rauch (Foto), 5. September 2015

Zehn Minuten können einem unendlich lang vorkommen – oder wahlweise viel zu kurz. Oder auch beides zugleich. Wer vor 30 Spezialisten sitzt und merkt: «Da komme ich nicht an, und alles wird mit jedem Satz schlimmer!», dem erscheinen zehn Minuten wie eine Ewigkeit. Wer aber seine Lösung vorstellen will, an der er die letzten vier Jahre fast Tag und Nacht geforscht und gearbeitet hat, wer also diese fantastische Lösung in der nötigen Tiefe aufzeigen möchte, inklusive der komplizierten Details – für den sind zehn Minuten teuflisch wenig.

Zehn Ideen im direkten Wettstreit
 

Zehn Start-up-Firmen bekamen an einem sonnigen Tag im August von Swisscom eine fast schon einmalige Chance: Es galt, eine knapp 30-köpfige Jury von ihrer jeweiligen Idee zu überzeugen. Einerseits winkte den fünf Siegern eine einwöchige Reise ins Silicon Valley – mit der Möglichkeit, Investoren und potenzielle Geschäftspartner zu treffen. Andererseits besteht für alle siegreichen Jungfirmen die Möglichkeit einer lukrativen Zusammenarbeit mit Swisscom.

«In den zehn Minuten der Präsentation muss der Funke überspringen, das ist nicht einfach.» Beat Schillig, Managing Director von Partner Venture-Lab

Aber eben – diese verflixten zehn Minuten. «In diesen muss der Funke überspringen, das ist nicht einfach», weiss Beat Schillig, Managing Director von Partner Venture-Lab und Moderator der Veranstaltung. Für die einen scheinen sie schon zu beginnen, sobald sie das Gebäude betreten. Einer der Jungunternehmer, nennen wir ihn Jakob, taucht als Erster auf – eine gute halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn. Alles an ihm strahlt den Willen aus, möglichst schnell mit sämtlichen wichtigen Leuten zu sprechen. Ungefragt stellt er ein zwei Meter hohes Banner mit seinem Firmenlogo auf, stellt sich der Reihe nach zu jeder Gruppe, die Visitenkarte bereits gezückt. Wer ihm wichtig erscheint, kriegt eine kleine Einführung in seine Firma. Tönt alles logisch und nachvollziehbar. Kein Wunder, Jakob ist ja auch unter den letzten zehn, er ist fast am Ziel.

Die Jury, der Auftritt, die Entscheidung
 

Die Spannung steigt, die Jury ist bereit, der Moderator ruft den ersten Teilnehmer auf. Ab diesem Augenblick geht es nicht mehr um technologische Skills, um das tiefe Verständnis des eigenen Produkts, sondern darum, die Jury zu begeistern. Mit Kompetenz, Charisma und den richtigen Worten. Gelassen zu bleiben bei hartnäckigen Fragen der Jury, Selbstbewusstsein auszustrahlen, auch wenn es vielleicht gerade daran mangelt.

Den einen ist so etwas in die Wiege gelegt. Souverän steht Thomas da, Fragen pariert er mit der nötigen Lässigkeit, er glaubt sichtlich an seine Firma und ist bereit, für seine Vision alles zu geben. Jakob dagegen stolpert über seinen Übereifer. Kommt dazu, dass er die grundsätzlichen Regeln einer gelungenen Präsentation missachtet: Er blickt immer zur Leinwand, dem Publikum den Rücken zugewandt, er verzettelt sich in Zahlen und Plänen, ohne genau zu erklären, wozu sein Unternehmen fähig ist. Das ist nämlich viel, wie ein Jurymitglied nicht müde wird zu betonen. Trotzdem: Es reicht nicht. Jakob trägt es mit Fassung und denkt bereits an die nächste Veranstaltung. Wer ein Start-up erfolgreich hochziehen will, braucht Geld und einflussreiche Gönner. Der Spiessrutenlauf von Präsentationen und Jurys gehört dazu.

«Ich bin fasziniert von der Qualität der Startup Challenge.»Roger Wüthrich-Hasenböhler, Leiter Geschäftsbereich KMU Swisscom

Die Stimmung der Jury ist durchaus beeinflussbar, das zeigt das Beispiel von Werner und Mike: Werner kommt auf die Bühne, drei zerknitterte A4-Blätter in der Hand. Er stellt sich nicht vor, niemand weiss, wer da eigentlich steht. Ohne Emotionen leiert er seinen Vortrag herunter. Der Unmut der Jury ist schon fast greifbar, unruhiges Herumrutschen auf den Stühlen, Räuspern, vieldeutige Blicke. Die Missstimmung macht sich Luft in scharfen Fragen.

Und plötzlich steht da Mike, ein grosser, schlaksiger, rothaariger Engländer. Mit zwei Sätzen hat er die Jury in der Tasche – charismatisch und bis in die Fingerspitzen von dem überzeugt, was er tut. Diese Firma belegt am Schluss den zweiten Platz. Es ist diese Mischung aus fachlicher Kompetenz – die jeder Firmengründer mitbringt – und der Fähigkeit, Menschen auf seine Seite zu ziehen. Darum geht’s.

Wo bleiben die Frauen?
 

Nach wie vor sind Frauen im Tech-Umfeld eine Ausnahme. Jeannette ist die einzige Teilnehmerin des Wettbewerbs. Sie erzählt äusserst charmant, kompetent und unterhaltsam ihre Geschichte, von der die Jury mitgerissen wird. Mit fliegenden Fahnen zieht Jeannette ins Siegergrüppchen ein. Fachwissen allein reicht nicht. Jakob verteilt am Schlussapéro seine Visitenkarten und nimmt den Rat eines Jurymitglieds dankbar an, doch mal eine kleine Präsentationsschulung zu besuchen. Denn neben Charme und Fachwissen müssen Firmengründer noch etwas mitbringen: Begeisterungsfähigkeit und eine gehörige Portion Stehvermögen.

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