iOS- und Android-Apps für Augmented Reality

Augmented Reality

Mit Apps die Realität erweitern

Augmented-Reality-Apps ergänzen die Wirklichkeit um digitale Informationen und Gegenstände. Sowohl Google mit «Tango» als auch Apple mit dem ARKit in iOS 11 wollen die erweiterte Realität verstärkt aufs Smartphone bringen. Was bringt das, und welche Apps gibt es bereits?

Yelp Monokel: Augmented Reality in der App
Yelp präsentiert Shop-Bewertungen direkt im realen Strassenbild.

Die Wohnung oder das Büro einrichten geht heute mit dem Smartphone. Die gewünschten Möbel werden virtuell in einem 3D-Abbild des realen Raums platziert. So erhält man einen detaillierten Eindruck, wie sich der Raum später präsentieren wird. Willkommen in der Welt der erweiterten Realität, der Augmented Reality (AR)! Auszuprobieren gibt’s dies derzeit etwa in der App des Möbelhauses Ikea.

Ein weiteres Anwendungsbeispiel: Wenn ein Kunde im realen Shop mit der Smartphone-App auf ein Produkt zeigt, erhält er automatisch zusätzliche Informationen. Im Kleidergeschäft könnten das passende Accessoires sein, im Lebensmittelgeschäft Allergikerinformationen und in der Buchhandlung Rezensionen zu einem Roman. Natürlich funktioniert das auch unterwegs, etwa mit der «Monokel»-Funktion in der Gastro- und Ladenbewertungs-App «Yelp». Und selbst vor dem Kosmos macht AR nicht halt: Apps wie «Star Walk 2» zeigen, welche Sterne und Sternbilder sich am gerade sichtbaren Nachthimmel befinden.

Wenn das Smartphone Tango tanzt

Voraussetzungen für mobile AR-Anwendungen sind einerseits die heutigen Smartphones, die dank Kameras, GPS und Bewegungssensoren in der Lage sind, die Position im Raum zu erfassen und die Umgebung zu «sehen». Und genügend Rechenleistung bieten, um dreidimensionale Modelle in bewegte Bilder hineinzurechnen. Andererseits braucht es entsprechende Funktionen (in der Fachsprache «Frameworks» genannt) in den Betriebssystemen der Smartphones. Auf dieser Basis können Entwickler dann die entsprechenden Apps entwickeln.

«Tango»: Googles Vision von Augmented Reality. Quelle: Google

Für Android-Smartphones arbeitet Google seit längerem an einem Entwicklerkit namens «Tango». Dieses setzt allerdings spezielle Hardware voraus. So müssen die Smartphones beispielsweise mit einer Infrarotkamera ausgestattet sein, um den Raum auszumessen. Die geringe Verbreitung solcher Smartphones sind der Pferdefuss dieser Technologie – von zwei angekündigten «Tango»-Geräten ist bloss eines einigermassen verfügbar, das Lenovo Phab 2 Pro. Das Zenfone AR von Asus ist derzeit nicht lieferbar.

Der eigentliche Durchbruch für AR-Apps könnte aber dank Apple kommen. In iOS 11, das diesen Herbst erscheint, wird mit dem ARKit eine Umgebung bereitstehen, mit denen sich AR-Apps entwickeln lassen. Voraussetzung für die Nutzung sind ein einigermassen aktuelles iPhone oder iPad. Damit werden auf einen Schlag Millionen von mobilen Geräten bereit für AR-Apps sein.

Daneben gibt es Unternehmen, die sich auf die Entwicklung von AR-Apps für spezifische Zwecke spezialisiert haben, etwa, um in Werbekampagnen analoge und digitale Welten zu verschmelzen. Wikitude aus dem österreichischen Salzburg bietet neben einer entsprechenden App eine Entwicklungsumgebung für AR-Anwendungen. Und das Swisscom Joint Venture Open Web Technology aus Genf berät und begleitet vorwiegend Grossunternehmen bei der Realisierung von Virtual-Reality- und AR-Projekten. Aufgrund des Entwicklungsaufwands für AR-Apps dürften KMU derzeit eher auf der Anwenderseite stehen. Es ist aber abzusehen, dass mit zunehmender Verbreitung von AR-tauglichen Smartphones und der technischen Weiterentwicklung die Umsetzung eigener Projekte einfacher und auch günstiger werden wird.

Augmented Reality im beruflichen Umfeld

Was AR unter iOS bringen kann, zeigen die Beispiele auf dem Twitterkanal «Made with ARKit». Im geschäftlichen Umfeld wird das Smartphone bald nicht nur Räume vermessen können, sondern als 3D-Scanner ein plastisches Abbild der Umgebung erfassen. Profitieren von solchen Anwendungen werden insbesondere die Baubranche und Architektur- und Konstruktionsbüros.

So könnte die Menükarte der Zukunft aussehen. Technologiedemo mit Apples ARKit. Quelle: YouTube/Made with AR Kit

Für Firmen bieten sich aber auch Möglichkeiten, die Kunden-Apps zu erweitern. Beispiele, wie eingang erwähnt, sind für Ladenbesitzer interessant. Aber auch Lern- und Reise-Apps können mit AR reale und digitale Informationen auf spielerische und informative Weise verbinden.

Ausgesuchte Augmented-Reality-Apps

Bereits heute existieren zahlreiche Apps, die die Realität mit digitalen Daten erweitern. Diese Apps können Ihnen unterwegs, in den Ferien und bei der Übersetzung von Fremdsprachen helfen – oder, um das Auto auf dem Parkplatz wiederzufinden.

Field Trip

Field Trip AppDiese App läuft im Hintergrund und liefert anhand der Standortbestimmung automatisch historische Hintergrundinformationen zum aktuellen Aufenthaltsort. Hinter dem virtuellen Reiseleiter steckt die Firma Niantic, die mit der Entwicklung von «Pokémon Go» bekannt wurde.

iOS: kostenlos
Android:
kostenlos

Google Übersetzer

Google Translate AppDie Übersetzungs-App kann nicht nur eingetippte Texte in über hundert Sprachen übersetzen, sondern auch gesprochene Worte und sogar Text auf Bildern erkennen. So lassen sich beispielsweise Menükarten und Strassenschilder übersetzen lassen, wobei noch nicht alle Funktionen für alle Sprachen verfügbar sind. Etwa 50 Sprachen übersetzt die Google-App auch offline. Google Translate, wie der Dienst auf Englisch heisst, ist auch im Browser verfügbar.

iOS: kostenlos
Android: kostenlos

Star Walk 2

Star Walk 2 AppGerade in lauen, schönen Sommernächten ist «Star Walk 2» ein informatives und gleichzeitig unterhaltendes Hilfsmittel. Durchs Smartphone oder Tablet in den Himmel schauen, und die App zeigt die Namen der Sterne, Planeten und Sternbilder an. Damit wird das Mobilgerät zur praktischen interaktiven Sternenkarte für (Hobby-)Astronomen.

iOS: CHF 3.- (in-App-Käufe)
Android:
CHF 4.- (in-App-Käufe)

PeakFinder Earth

PeakFinder Earth AppMehr Berge als die App der Zürcher PeakFinder GmbH kennt wohl niemand. Über 300’000 Gipfel soll die App erkennen und mit Namen anzeigen, wenn man das Smartphone vor ein Bergpanorama hält. Zugegeben, das ist beim Wandern wesentlich nützlicher als bei der Arbeit.

iOS: CHF 5.-
Android:
CHF 5.-

Auto wiederfinden

Car Finder AR AppIn einer fremden Stadt auf einem (grossen) Parkplatz das Auto abstellen, einkaufen gehen oder auf Kundenbesuch – und danach beginnt das Problem: Wo ist bloss das Auto parkiert? Spätestens dann erweitern «Augmented Car Finder» für iOS und «Car Finder AR» für Android nicht nur die Realität, sondern auch den Orientierungssinn. Die Apps geben Ihnen den Standort des Autos an oder führen Sie als «Fussgänger-Navi» gleich zum Parkplatz zurück.

iOS: Augmented Car Finder, kostenlos (in-App-Käufe)
Android: Car Finder AR,
CHF 2.50

 

Titelbild: Das US-amerikanische Möbelhaus WayFair hat mit WayFair View eine AR-App, mit der sich reale Räume virtuell möblieren lassen.

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