Cloud-Trends für KMU

Cloud-Trends für KMU

«Denken Sie vor dem Cloud-Einstieg an den Ausstieg»

Die Cloud ist auch 2017 für viele KMU noch ein Mysterium. Welches sind die Trends? Wie wird sich die Cloud entwickeln? Der Cloud-Spezialist Andreas Siegrist beleuchtet im Interview diese moderne Art des Auslagerns von IT-Leistung.

Welche grossen Trends sehen Sie 2017 bei der Cloud?

Andreas Siegrist: Die Entwicklung geht in Richtung Orchestrierung der Infrastrukturen, also dem automatischen Einrichten der virtuellen Server. Und durch die zunehmende Vernetzung von «intelligenten Gegenständen» in Projekten rund um das Internet der Dinge werden Unmengen von Daten generiert. Diese Daten werden mit Analysefunktionen (Business Intelligence/Artificial Intelligence) strukturiert und ausgewertet.

Andreas Siegrist ist Cloud-Architekt bei GIA.
Andreas Siegrist ist Cloud-Architekt bei GIA.

Woher kommen die  Diskussionen und Unsicherheiten rund um die Cloud?

Die Cloud gibt es nicht. Das Pauschalisieren und Vermischen von Aussagen und Fakten zu Cloud-Themen fördert Unsicherheit. Durch das Schüren von Angst und das fehlende Wissen zum Thema Sicherheit werden diese Bedenken noch verstärkt. Die Services in der Cloud sind auch nicht sichtbar oder greifbar. In einer klassischen Infrastruktur können die Daten dagegen lokalisiert und «angefasst» werden.

Was ist so wichtig an der Wahl eines Cloud-Anbieters?

Die Kunden vertrauen ihrem Cloud-Provider das wichtigste Gut an: ihre Daten. Aus diesem Grund ist das Vertrauen der entscheidende Punkt bei der Wahl des Anbieters! Dazu gehört auch, dass der Provider «ein Gesicht» hat, dass er greifbar für den Kunden ist und diesen auch beraten und unterstützen kann.

Der Einstieg in die Cloud ist relativ einfach. Doch vor dem Einstieg sollten Sie sich bereits Gedanken zum Ausstieg machen. Denn eine vorhandene Exit-Strategie hilft, die vorstehend erwähnten Elemente der Unsicherheit zu minimieren. Ein weiterer Punkt bei der Wahl des Cloud-Anbieters ist der Datacenter-Standort. Denn der Speicherort der Daten bestimmt das anwendbare Recht.

Elementar ist auch, dass der Kunde jederzeit Eigentümer seiner Daten bleibt. Die Verantwortung für die Daten obliegt ihm und kann nicht einem Provider übertragen werden. Auch deshalb ist es wichtig, dass der Kunde einen Provider wählt, dem er vertraut.

Haben Sie bestimmte Empfehlungen für KMU?

Zuallererst gilt es festzuhalten, dass die Verlagerung von CAPEX- zu OPEX-Kosten – also von Investitionskosten zu planbaren Betriebskosten – mit den verschiedenen Cloud-Formen gleichermassen erreichbar ist.

Vier Tipps von GIA für die Evaluation von Cloud-Angeboten

  • Definieren Sie zuerst Ihre Anforderungen an die Bearbeitung und Speicherung Ihrer Daten. Daraus können Sie ableiten, ob Cloud-Services in Frage kommen und wenn ja, in welcher Form.
  • Wägen Sie die verschiedenen Formen und Anbieter gegeneinander ab. Denn Cloud ist nicht gleich Cloud und nicht alles gehört in einen Public-Cloud-Service.
  • Haben Sie nicht grundsätzliche Angst davor, Cloud-Dienste einzusetzen. Wenn Sie Ihre heutige Infrastruktur vor Ort ablösen wollen, sind Private-Cloud-Services oftmals eine gute Lösung.
  • Holen Sie sich Beratung und Unterstützung bei IT-Spezialisten und achten Sie auf vergleichbare Referenzkunden bei den Cloud-Providern.

Public-Cloud-Dienste eignen sich vor allem für hochstandardisierte Services wie etwa Messaging oder Workloads, die während des Betriebs skalierbar sein sollen, weil der Bedarf an Rechenleistung und Speicher schwankt. Auch für Testsysteme, die nicht permanent verfügbar sein müssen (Pay-as-you-use), eignet sich die Public Cloud. Private-Cloud-Dienste hingegen sind ideal, wenn niedrige Latenzzeiten benötigt werden, also die Verzögerung bei der Datenübertragung tief sein muss. Durch die örtliche Nähe der Rechenzentren können niedrige Latenzzeiten kostengünstiger garantiert werden.

Ein Tipp: Klassifizieren Sie Ihre Daten, sodass Sie die Art und Weise der Bearbeitung und der Speicherung der Daten steuern können. Werbematerial wie Prospekte stellt geringere Anforderungen an die Datensicherheit als beispielsweise die Buchhaltung.

Wie wird sich die Cloud weiterentwickeln?

Grundsätzlich sind wir bei GIA überzeugt, dass die lokalen IT-Infrastrukturen bei KMU kontinuierlich abnehmen werden. Zulegen wird hingegen der Anteil der Public-Cloud-Services. Selbstverständlich werden auch die nächsten Jahre Services in privaten Datacentern angeboten.

Hybride Lösungen werden den richtigen Mix zwischen Public und Private-Cloud-Services bereitstellen. Die komplette Ablösung bestehender lokaler IT-Systemen wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

 

Andreas Siegrist, GIAAndreas Siegrist ist Cloud-Architekt bei der GIA Informatik AG in Oftringen. GIA bietet Informatik-Dienstleistungen mit Kernkompetenzen im Erarbeiten und Betreiben von Lösungen aus einer Hand in den Bereichen ERP (SAP-Beratung), IT-Services mit eigener Cloud-Infrastruktur und Produktentwicklung (PTC-Partner). Das Unternehmen mit 145 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist eine Tochterfirma des weltweit tätigen Müller-Martini-Konzerns.

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