«Peak Jobs»

Die wahre Beschäftigungskrise steht erst bevor

Im Zuge des beschleunigten technischen Fortschritts vertreten einige Beobachter die Ansicht, dass wir «Peak Jobs» erreicht haben könnten – d.h. den Punkt, an dem Technologie mehr Stellen vernichtet, als sie schafft. Was wären die Folgen davon?

Wird beim nächsten Genfer Automobilsalon ein «Google Car» ausgestellt? Der Datengigant aus Mountain View hat in den USA die Zulassung für sein «self-driving car» erhalten, und seit einigen Monaten ist es in Nevada und Kalifornien möglich, ein solches Auto sein eigen zu nennen. Beim ersten Kunden handelte es sich um einen Blinden.

Heute kosten diese Fahrzeuge noch etwa 100’000 Dollar. In wenigen Jahren jedoch, wenn die Kosten dieser Technologie deutlich gesunken sind, werden unsere bislang noch von Hand gesteuerten Autos unausweichlich durch vollständig automatisierte PKW ersetzt. Denn das menschliche Fahren wird aufgrund des höheren Risikos durch entsprechend höhere Versicherungsprämien sanktioniert. Von leidenschaftlichen Fahrern abgesehen, wird dies die Jungen wahrscheinlich davon abhalten, überhaupt den Führerausweis zu erwerben.

Wenn private Fahrzeuge fahrerlos unterwegs sein können, gilt dies auch für LKW, Busse und Taxis. Warum also überhaupt noch Fahrer beschäftigen, wenn man Güter oder Personen mit einem automatischen Lenkungssystem billiger und sicherer befördern kann? Allein in der Schweiz würde eine solche Entwicklung zehntausende Menschen in die Arbeitslosigkeit stürzen.

Die sich exponentiel entwickelnde Technologie vernichtet mittlerweile immer mehr Arbeitsplätze. Wann waren Sie das letzte Mal in einem Reisebüro oder einem Plattenladen? In den Bahnhöfen wurden Billetschalter längst von Automaten ersetzt, die mittlerweile aber schon wieder von mobilen Apps abgelöst werden. So könnten auch die mit der Wartung dieser Billetautomaten beschäftigten Techniker demnächst ihre Stelle verlieren.

Bald werden unsere Gemeinden auch niemanden mehr brauchen, der die Stromzähler abliest. Supermärkte kommen ohne Kassierer aus. Real vorhandene Einkaufszentren machen Stück für Stück Internetplattformen Platz. Wann wird Fab an die Stelle von Ikea treten? Wann wird Zalando H&M vergessen machen? Und im Gegensatz zu dem, was man glauben könnte, betrifft dieses Phänomen eben nicht nur die einfachen Tätigkeiten: Roboter sind mittlerweile in der Lage, einen nicht zu vernachlässigenden Teil der Aufgaben von Ärzten oder Rechtsanwälten zu übernehmen.

In den siebziger Jahren wollten die Sozialisten noch Computer verbieten, aus Angst, dass die Informatik Arbeitsplätze vernichtet. Diese Befürchtung hat sich zwar in den vergangenen Jahrzehnten als falsch erwiesen, da stattdessen ein Prozess kreativer Zerstörung im Gange war, bei dem eintönige Arbeiten durch qualifiziertere Tätigkeiten ersetzt wurden.

Aber Techcrunch stellt eine interessante Frage: Sollten wir mittlerweile eben doch an «Peak Jobs» angelangt sein – dem Moment nämlich, an dem die technische Entwicklung mehr Stellen vernichtet, als sie schafft? Wenn «Peak Jobs» noch nicht erreicht sein sollte, so dürfte dies doch zweifellos in den kommenden Jahren der Fall sein. Was dann?

Nun, da sich die weltweite Finanzkrise immer mehr bemerkbar macht, insbesondere in Europa, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie Länder wie etwa Spanien, dessen jüngste Bevölkerungsgruppen bereits unter massiver Arbeitslosigkeit leiden, sich vor dem Hintergrund dieses Phänomens jemals wieder erholen wollen.

Was werden diese neuen Arbeitslosen einmal tun? Wenn man sich die Belastung für die Sozialversicherungen vor Augen führt, kann man Zweifel daran haben, dass der aktive Teil der Bevölkerung noch lange in der Lage sein wird, Studenten, Arbeitslose und Rentner zu finanzieren. Spanien zeigt dabei auch, in welche Richtung sich die Situation entwickeln könnte: Es bilden sich erste ländliche Gemeinschaften von Arbeitslosen, in denen es möglich sein soll, auch ohne Hilfe des Zentralstaats einigermassen anständig zu leben.

Dies kann man durchaus als Zeichen dafür interpretieren, dass eine Gesellschaft der zwei Geschwindigkeiten entsteht. Die grossen Unterschiede klaffen dann nicht mehr zwischen den armen und den reichen Ländern, sondern vielmehr wird es in jedem Land wohlhabende Gebiete (Grossstädte) geben, in denen die privilegierten Klassen vom technologischen Fortschritt profitieren, anspruchsvolle Ausbildungen durchlaufen und eine hohe Lebenserwartung geniessen – und auf der anderen Seite eben auch arme Gebiete, vor allem auf dem Land, wo die Bevölkerung sich selbst mit Gütern und grundlegenden Dienstleistungen versorgt.

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