Wenn KMU auf die digitale Zukunft treffen

Der diesjährige KMU-Tag stand ganz im Zeichen von Plattformen. Klassischen Plattformen zur Vernetzung der Teilnehmer genauso wie digitalen zur Verbindung von Kunden und Anbietern. Die Digitalisierung war endgültig in St. Gallen angekommen.

Rund 1200 Vertreterinnen und Vertreter von KMU aus der ganzen Schweiz trafen sich am 23. Oktober in den Olma-Hallen in St. Gallen. Der Anlass bot nicht nur eine gelungene Plattform, um sich mit anderen Unternehmern zu vernetzen. Plattformen in digitaler Form zogen sich auch sonst wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Die Digitalisierung im Unternehmensalltag stellte einen der Schwerpunkte dar.

 

Digital die Segel gesetzt

Wie die Digitalisierung Kosten sparen hilft und Prozesse vereinfacht, zeigte etwa Peter Minder, Inhaber und Geschäftsführer der Bootswerft Heinrich in Kreuzlingen. Das Unternehmen mit 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat vor kurzem die herkömmliche Telefonanlage durch ein IP-Telefoniesystem ersetzt. Ein Schritt, der sich laut Minder auf jeden Fall gelohnt hat: «Wir müssen nun nicht mehr in Hardware investieren, sondern bezahlen eine Monatspauschale für eine Zentrale, die automatisch immer auf den aktuellen Stand gebracht wird.» Das sei betriebswirtschaftlich attraktiv und führe zu Kostentransparenz.

 

 

Die Bootswerft, die zu den drei grössten in der Schweiz gehört, entwickelt, plant und baut vor allem Segelboote für Binnenseen. Die Schiffe werden dabei in enger Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber entwickelt. Und auch hier setzt Peter Minder auf digitale Werkzeuge: «Wir fotografieren den gesamten Entstehungsprozess und stellen diese Bilder online dem Kunden zur Verfügung. So kann er nicht nur den Bau verfolgen, sondern wir können anhand der Fotos auch Entwicklungsschritte besprechen.»

Überhaupt gibt sich die Werft modern. Das gilt nicht nur für die Karbonyacht «Yamila», bei der sich etwa die Segel über eine digitale Steuerung setzen und streichen sowie trimmen lassen. Sondern Minder und seine Mitarbeiter nutzen auch Plattformen wie Facebook und Flickr, um mit Fotos und Videos von Segelausflügen neue Kunden anzusprechen. Dies sei nötig, so Minder: «Derzeit findet bei den Yacht-Besitzern ein Generationenwechsel statt. Und die neue Eigner-Generation ist mit digitalen Medien aufgewachsen.»

 

Impressionen vom KMU-Tag 2015. (Bilder: Roger Sieber)

 

Kampf der Plattformen

Einen Blick etwas weiter in die Zukunft wagte Sascha Lobo. Der deutsche Blogger und Buchautor begleitet technische Entwicklungen mit einem ebenso sachkundigen wie kritischen Blick. In seinem Referat stellte er die These auf, dass künftig Online-Plattformen den Markt beherrschen würden. Denn es gehe immer mehr um die Beziehung zwischen Anbieter und Kunde und um die Analyse des Kundenverhaltens – Mechanismen, welche Firmen wie Google, Uber oder Facebook bestens beherrschen. Dies verlange auch nach immer grösseren Datenmengen. Und Plattformen, welche diese Daten besässen, hätten einen Wettbewerbsvorteil.

Rege genutzt wurde an diesem Tag abschliessend vor allem eine Plattform: der Apéro, der nochmals Raum für Networking bot.

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