Swisscom Business Booster

«Ich kann nicht ständig ein Tablet mit mir herumtragen»

Michael Fischer gründete vor acht Jahren das Gartenbauunternehmen ARTEverdana. Nun ist er Sieger beim diesjährigen Swisscom Business Booster. Wo benötigt er frischen Input? Ein Interview über die digitalen Bedürfnisse eines KMU von heute.

Herr Fischer, Ihr Unternehmen wurde Sieger beim Swisscom Business Booster-Wettbewerbs. Jury-Mitglied Jean-Claude Biver stellte dabei fest: «Herr Fischer ist ein Profi und versteht sein Handwerk. Er ist bestrebt, sein Geschäft weiterzuentwickeln und will sein Angebot innovativer gestalten. Dazu ist er auf moderne Kommunikationslösungen angewiesen.» Was sagen Sie selber: Was ist das Besondere an ARTE verdana?

Michael Fischer: Durch die recht kleine Belegschaft haben wir einen engen Kontakt zu den Kunden. Dank meinen beiden Ausbildungen als Hochbauzeichner und Landschaftsgärtner kann ich die gesamte Planung und Ausführung unter einen Hut bringen. Und dann habe ich schon hohe Ansprüche an den Berufsstolz: Wenn ich bei einem Auftrag etwas hinstellen soll, dass nicht nachhaltig ist, dann gehe ich eher auf Abstand.

Was sind jetzt Ihre Bedürfnisse: In welchen Bereichen wollen Sie ARTE verdana vor allem digitalisieren?

Wir möchten unsere Kunden besser abholen und informieren. Es gibt zum Beispiel saisonale Themen, bei denen wir den Informationsfluss verbessern könnten – um dann rascher zu handeln. Ich denke etwa an Pflanzenkrankheiten: Hier wäre es von Vorteil, wenn wir jeweils die Kunden durch elektronische Medien sofort informieren zu können.

Haben Sie bereits so etwas wie einen Firmen-Newsletter?

Noch nicht. Zum Teil fehlte uns die Zeit dafür. Wir sind ein recht junges Unternehmen, acht Jahre alt, also sind wir immer noch im Aufbau. Das heisst, wir konnten lange alle Kunden im persönlichen Kontakt betreuen. Doch der Stamm wächst. Früher konnte ich alle Kunden anrufen, wenn der Winterschnitt anstand – heute muss ich dafür zwei Tage telefonieren.

Was erscheint Ihnen sonst besonders drängend, um Ihre Arbeit als Unternehmer zu erleichtern?

Sicher ein Abbau des administrativen Aufwands.

Sie meinen den Aufwand wegen öffentlichen Anforderungen wie Pensionskassen oder Steuern?

Das geht eigentlich noch. Ich denke eher an die innerbetrieblichen Abläufe. Heute ruft zum Beispiel ein Kunde an und meldet eine Pflanzenkrankheit; dann macht jemand bei uns eine Handnotiz, trägt sie ins Büro, von dort trägt man sie vielleicht weiter zum Unterhaltsgärtner… Hier sehe ich Optimierungspotential. Bei den Verknüpfungen unter den Arbeitsplätzen sind die Möglichkeiten wohl endlos.


ARTEverdana

ARTEverdana hat seinen Sitz in Dintikon AG und beschäftigt 4 Personen. Das Team um Michael Fischer plant, entwirft und gestaltet Gärten – «Traumgärten», so der Anspruch des Chefs. ARTEverdana will alles für den Garten aus einer Hand liefern, von der Gesamtplanung bis zur Tischdekoration, sowie Kundenbetreuung rund ums Gartenjahr. Also auch ausserhalb von Aufträgen.


Es geht also insgesamt um Bündelungen bei der Administration – Rapporte, Buchhaltung, Rechnungstellung und so weiter?

Beim Rapportwesen müssen wir prüfen, wie weit eine Digitalisierung sinnvoll wäre. Bei uns funktioniert das noch auf Papier. Hier gibt es zwar sicher Bereiche, wo letztlich immer der Mensch von Hand etwas ausfüllen muss, und sei es auf dem Tablet. Was man bei uns aber bedenken muss: Wir sind auf der Baustelle, da gibt es Dreck, da ist es feucht. Auch deshalb war ich bislang etwas zurückhaltend mit technischen Hilfsmitteln: Ich kann schlicht und einfach nicht den ganzen Tag ein Tablet bei mir haben.

Was waren sonst Hindernisse für die Digitalisierung bei ARTE verdana? Fanden Sie es nicht nötig – oder fehlte es an Know-how?

Das weniger. Ich würde einmal behaupten, dass ich einer der ersten iPhone-Besitzer in der Schweiz war: Das Geräte hatte ich mir noch in den USA beschafft. Es gab sogar Zeiten, wo mir das fast zuviel wurde und ich zum Schluss kam: Weniger ist mehr. Man lässt sich ja auch oft ablenken von der Elektronik. Andererseits schätze ich es schon, wenn man alles auf einem Gerät versammelt hat. Das ermöglicht es mir, zum Beispiel kurz etwas Administratives zu erledigen, wenn es auf der Baustelle in seltenen Fällen einmal Wartezeiten gibt oder ich mich kurz ausklinken kann.


Swisscom Business Booster: Schwung für KMU

Die Idee: Ein ausgewähltes KMU erhält ein Expertenteam frei Haus. Das Business Booster Team besteht aus Swisscom-Spezialisten verschiedenster Bereiche und wird eigens zur Unterstützung in diesem Fall gebildet. 

Zusammen mit dem ausgewählten Unternehmen werden die individuellen Anforderungen herausgearbeitet und dafür Informations- und Kommunikationslösungen erarbeitet. 


 

Als Gartenbauer sind Sie meistens unterwegs, das Büro ist unregelmässig besetzt. Wie lösen Sie dieses Problem?

Manchmal ist jemand in der Zentrale und nimmt ab, und sonst ist der Büroanschluss umgeleitet auf mein Handy. Wenn ich dann im Stress bin, muss ich es halt manchmal ins Leere läuten lassen und später zurückrufen. Dann schaue im Büro erst mal nach, wer alles angerufen hat, und setze Prioritäten: Die Kunden zuerst, der Werbeanruf eher zuunterst auf dem Zettel.

Was fehlt Ihnen sonst noch für ein gut funktionierendes Home Office?

Die Entwicklung geht wohl schon hin zu einer Smartphone- oder einer Tablet-Lösung, in der ich Kontaktdaten, Terminkalender und Mailverkehr gut verbunden habe. Andererseits trenne ich die Arbeitsbereiche auch gern: hier Büro, da Baustelle. Ich merke, dass es doch auch zuviel wird, wenn ich von der Baustelle auch noch Mails versende.

Beschäftigen Sie sich mit der Cloud? Müssen Sie schon Daten auslagern?

Das könnte möglich werden. Wir haben hier eine kleine Lösung, aber ein ausgereiftes Konzept fehlt uns noch.


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