Energieeffizienz in der Informatik

So senken Sie mit Green IT Ihre Energiekosten

Wie können Datacenter-Infrastrukturen energiesparend betrieben werden? René Lüscher, Leiter des Bereichs IT-Solutions und Mitglied der Geschäftsleitung der GIA Informatik AG, gibt hilfreiche Tipps.

Green IT ist ein vielgehörter und -genutzter Begriff. Er kann auf mehrere Bereiche – Datacenter, Kommunikationsnetze, Büroautomation – und verschiedene Aspekte des Lebenszyklus (Herstellung, Beschaffung, Betrieb, Entsorgung) der IT angewendet werden. Green IT trägt dazu bei, Energie effizienter zu nutzen, Ressourcen zu schonen und das Klima zu schützen. Die folgenden Ratschläge fokussieren sich auf den Betrieb von Datacenter-Infrastrukturen.

 

1. Optimierung durch die Verbraucher

  • Setzen Sie virtualisierte Server- und Speicher-Systeme ein. Diese konsolidieren und reduzieren die IT-Hardware. Physische Server sollen nur noch verwendet werden, wenn dies aus applikatorischen Gründen notwendig ist, zum Beispiel bei Software, die sich nicht virtualisieren lässt.
  • Verwenden Sie generell moderne Systeme, da die neuste Technologie energieoptimiert ist. Ein Einsatz von alten Systemen über den geplanten Lebenszyklus hinaus lohnt sich aus energietechnischen Gründen nicht.
  • Schalten Sie nicht mehr verwendete Hardware immer aus und deinstallieren Sie sie nach dem Motto «richtig aufräumen».

 

2. Kühlung im Rechenzentrum optimieren

  • Reduzieren Sie durch eine Kaltgang-Einhausung die zu kühlende Fläche und kühlen Sie nicht das gesamte Datacenter. Dadurch wird auch das Hotspot-Problem in den Racks verhindert, bei dem die obersten Geräte im Rack fast keine kalte Luft mehr erhalten. Mit einem Kaltgang kann die kalte Luft auf der gesamten Höhe eines Racks gleichmässig durch die Verbraucher angesogen werden.
  • Optimieren Sie die Luftströme im Doppelboden: Der Doppelboden darf nicht mit elektrischen Installationen vollgepackt sein und den Luftstrom behindern.
  • Optimieren Sie die Luftströme in den Racks: Die Ventilatoren der Geräte müssen die warme Luft möglichst ungehindert aus dem Rack blasen können. Der Luftstrom darf nicht durch die Verkabelung verhindert werden.
  • Erhöhen Sie die Temperatur: Die Einlasstemperatur der IT-Verbraucher kann heute durchaus bei rund 25 °C liegen, wodurch in den Verbrauchern selbst die Temperatur nicht mehr als etwa 32 °C beträgt.
  • Setzen Sie moderne, geregelte Umluftkühlgeräte (ULK) mit ausreichender Kühlleistung ein: Der Betrieb eines ULK bei 50 Prozent Nennleistung ist wirtschaftlicher (Stromverbrauch) als ein ULK bei 80 Prozent Nennleistung.

 

3. «Free Cooling» und weitere Aspekte

  • Nutzen Sie möglichst grosse «Free-Cooling»-Flächen. «Free-Cooling» bedeutet, dass die Kälte nicht mit einer Kältemaschine erzeugt, sondern der Umgebung entnommen wird. Das funktioniert, wenn die Aussentemperatur tiefer als die Rückflusstemperatur ist. Wenn ein grosses Grundwasservorkommen vorhanden ist, können Sie die Kühlleistung auch daraus beziehen und benötigen lediglich Strom für zwei Pumpen.
  • Nutzen Sie die Abwärme des Datacenters zur Heizung von Büroflächen.

 

4. Finanzielle Aspekte

Ein vorzeitiger Ersatz von Komponenten durch neue, moderne Systeme lohnt sich aus finanzieller Sicht wahrscheinlich nicht. Die Einsparungen im Betrieb rechtfertigen die Anschaffungskosten grundsätzlich nicht. Die heutigen Energiepreise ergeben einen Return on Investment von rund 20 Jahren. Auf jeden Fall lohnt sich aber eine Modernisierung bei einer Beschaffung aufgrund des Lebenszyklus der Geräte.

 


René Lüscher, GIAAutor:

René Lüscher ist Leiter des Bereichs IT-Solutions und Mitglied der Geschäftsleitung der GIA Informatik AG in Oftringen. GIA bietet Informatik-Dienstleistungen mit Kernkompetenzen im Erarbeiten und Betreiben von Lösungen aus einer Hand in den Bereichen ERP, IT-Services mit eigener Cloud-Infrastruktur und Produktentwicklung. Das Unternehmen mit 145 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist eine Tochterfirma des weltweit tätigen Müller-Martini-Konzerns.

 

 


 

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