Venture-Kapital

Wenn Start-ups «gegrillt» werden

Beim «Pitchen» versucht ein Start-up, einen Investor zu überzeugen und so ans benötigte Kapital zu gelangen. Wie das bei einem grossen Investor im Silicon Valley abläuft, durften heute drei Schweizer Start-ups am eigenen Leib erfahren.

Downtown San Francisco mit dem Finanzbezirk.

 

Eine einmalige Chance bot sich heute drei Start-ups der StartUp Challenge. Sie konnten bei einem der grossen Investment-Firmen im Silicon Valley quasi Probe-Pitchen. Bei einem Pitch versucht ein Start-up, mit seiner Idee einen Investor zu überzeugen und so ans benötigte Kapital zu gelangen.

 

Kritisieren und Fördern

Über drei Stunden nahmen sich vier VCs (Venture Capitalists) Zeit, um die drei Schweizer Start-ups genauer unter die Lupe zu nehmen. Dass die Geschäftsidee dabei von den potenziellen Investoren kritisch hinterfragt wird, versteht sich von selbst und ist auch in der Schweiz so. Doch wie oft haben hiesige Jungunternehmen schon die Chance, sich vor Investoren zu behaupten, die auch so genannte Unicorns in ihrem Portfolio führen. Bei diesen «Einhörnern» handelt es sich um Start-ups, die mit über einer Milliarde bewertet werden, also beispielsweise Firmen wie Uber, Dropbox oder Airbnb.

Und wehe, ein Start-up ist nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet oder denkt, mit einem nicht ganz ausgegorenen Konzept durchzukommen. Denn beim heutigen Gremium zeigte sich schnell, dass die Investoren auf der Höhe der Zeit sind und die Märkte in den unterschiedlichen Branchen gut kennen. Einfach eine gut vorbereitete Präsentation abzuspulen, funktioniert da nicht. Es dauerte jeweils nur wenige Minuten, bis die Investoren die erste kritische Frage stellten. Von da an hatten die potenziellen Geldgeber – auch wenn es in diesem Fall nur ein Testlauf war – das Heft in der Hand.

Dabei kommt jeder möglicherweise wichtige Aspekt auf den Tisch, von der Positionierung gegenüber der Konkurrenz bis hin zum fachlichen Hintergrund der Unternehmensgründer. Jeder Aspekt wird durchleuchtet, das Start-up manchmal richtiggehend «gegrillt». Fragen, was denn das Start-up besser oder anders mache als die Konkurrenz gehören da ebenso dazu wie Vorschläge, in welche Richtung das junge Unternehmen das Geschäftsmodell auch noch drehen könnte.

Doch die Investoren zeigten sich nicht nur als fachkundige Kritiker, sondern auch als gute Netzwerker. Bei allen drei Pitches boten die Experten an, die Jungunternehmer mit wichtigen Personen aus dem Silicon Valley zu vernetzen. Solche Kontakte können nicht nur ein Start-up weiterbringen. Sie bringen auch das Investment-Unternehmen als möglichen Geldgeber ins Spiel. Die drei Start-ups zeigten sich anschliessend jedenfalls gleichermassen erleichtert wie erfreut.

 

Eine Idee alleine reicht nicht

Im Laufe des Treffens zeigte sich auch, dass die Start-up-Szene im Valley reifer geworden ist. Es reicht nicht mehr, bloss mit einer vagen Idee («Ich werde das nächste Facebook») aufzutreten. Gefragt ist ein durchdachtes Geschäftsmodell, das möglichst auch international funkioniert. Denn im Valley wird längst global gedacht. Und wenn es einem Start-up dann gelingt, die Investoren zu überzeugen, dann sprudeln auch die Gelder in jeder benötigten Höhe.

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